Kunstwerk zur Pressefreiheit

"Artikel 5": Neue Metzel-Skulptur bei Reiff Medien in Offenburg

Lesezeit 6 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
13. Februar 2020
Bildergalerie ansehen

„Artikel 5“: Seit Donnerstag prägt die Arbeit des renommierten Bildhauers Olaf Metzel den Offenburger Stadteingang: Künstler Stefan Strumbel, Verleger Rouven Reiff, Bildhauer Olaf Metzel und Offenburgs OB Marco Steffens (v.l.). ©Ulrich Marx

Mit „Artikel 5“ gibt es nun auch in Offenburg eine Skulptur des Bildhauers Olaf Metzel. Weit sichtbar steht sie auf dem Firmengelände von reiff medien direkt am Autobahnzubringer.

Er gilt als „Volkskünstler“, als Provokateur, kurz als einer der bedeutendsten Bildhauer und Objektkünstler der Gegenwart: Olaf Metzel. Seine Skulptur „Artikel 5“ prägt auf dem Firmengelände von reiff medien nun weit sichtbar am Autobahnzubringer den Eingang und Ausgang der Stadt,  in der, so erinnerte Oberbürgermeister Marco Steffens, bereits 1847 die „Freiheit der Presse“ in den „13 Forderungen des Volkes“ formuliert worden waren.

Am Donnerstag stellte Rouven Reiff diese Skulptur nun der Öffentlichkeit vor. OB Steffens beglückwünschte die Familie Reiff zu diesem sichtbaren Bekenntnis zur Presse- und Meinungsfreiheit. Reiff dankte dem Künstler und erinnerte daran, dass die Initialzündung zu diesem Werk bereits im Rahmen der 200-Jahr-Feier der Mittelbadischen Presse 2012 erfolgt sei, wo er sich bei der „Aufmacherkunst“ beteiligt habe; gemeinsam mit Stefan Strumbel sei vor zwei Jahren das endgültige Werk auf den Weg gebracht worden.

 

 

Wie eine Fahne

An drei Stahlrohren, in einem spitzen Dreieck angeordnet, sind in 18 Metern Höhe, dort, wo die Rohre zusammengeführt werden, zwei gegenüberliegende Aluminiumplatten angebracht. Nicht plan. Denn so wie die klassische rostige Oberfläche der Rohre aus Cortenstahl, die wie Holzstämme anmuten, und auch an den Schwarzwald und die Flößerei erinnern, so suggerieren die weißen Platten gefaltetes oder geknicktes Papier. Oder eine flatternde Fahne, ein Flugblatt, meint Metzel. Und auf diesem Papier ist – schwarz auf weiß – der Artikel fünf zitiert. Mit unterschiedlichen Textzeilen an Vorder- und Rückseite. Es wirkt robust, dieses neue Werk Olaf Metzels, bodenständig, kraft- und machtvoll, und doch erstaunlich leicht, fast graziös. Eine ästhetisch ansprechende Arbeit, die sich aus sich selbst heraus erklärt.

Kein Unbekannter in Offenburg

Olaf Metzel skizzierte kurz den Werdegang der Skulptur, der im Mai 2017 begann auf Einladung der Familie Reiff. Artikel 5, so Metzel, sei ein „kostbares Gut, ganz wichtig für die Gesellschaft“. Als Künstler könne man nichts verändern, aber „ein Bild seiner Zeit“ zeichnen. Ein Kunstwerk, so Metzel, sei wie eine Notbremse im Zug – verursache einen kurzen Halt, bis es weitergeht.

Metzel ist in Offenburg kein Unbekannter. 2008 nahm er etwa gemeinsam mit Stephan Balkenhol an der „Kunst im Park“ in Lahr teil mit einer „Raucherbox“ – eine humorvolle Hommage an die ausgesperrten Raucher, gestrichen im Roth-Händle-Rosa. Innen ramponiert – ein Verweis Metzels auf den Umgang mit öffentlichen Gegenständen. Mit der Farbe stellte er den lokalen Bezug her. Ein gutes Beispiel für Metzels Anspruch und Ansatz. Dieser lokale Bezug findet sich in der Skulptur „Artikel 5“ wieder – Offenburg, die Medienstadt, die Stadt, in der die Pressefreiheit eingefordert wurde.

 

 

- Anzeige -

Aluminiumplatten, bedruckt als Zeitungs- und Buchseiten, Notizen und Fotos, sind ein wiederkehrender Aspekt von Metzels Werk. In der Staatsbibliothek Unter den Linden in Berlin hängt „Noch Fragen?“, für die „Aufmacherkunst“ der Mittelbadischen Presse hatte Metzel 2012 ebenfalls mit Zeitungstexten gearbeitet. Auch hier Aluminiumplatten gefaltet, geknickt, geknüllt, auch hier nur die Suggestion, die Illusion einer Zeitung. „Künstlichkeit der Kunst“, nannte es Metzel in einem Interview mit der Mittelbadischen Presse.

Zeitungsnachrichten als Inspiration

Mit der Illusion spielte er auch in den Arbeiten, die er 2018 auf Einladung von „OG Projects“ schuf. Zeitungsnachrichten inspirieren den Bildhauer. Metzel bezeichnet seine Arbeiten daher auch als „dreidimensionale Bilder, die eine Zeitform sind“; auf seinen bedruckten und gebogenen Aluminiumplatten dokumentiere er gesellschaftliche Prozesse. Mit derartigen „Druckerzeugnissen“ war er auch 2018 Gast beim ZKM: 100 Meisterwerke zum Thema Medien und Zeitung in der Ausstellung „Kunst in Bewegung“.

Zur Eröffnung der Pinakothek der Moderne in München 2002 schuf Metzel die „Reise nach Jerusalem“ in Anlehnung an das Spiel: eine Säule ummantelt mit schillernden Plastikstreifen, die Stühle verdecken. Hinter dem Schönen, so die Assoziation, kann auch das Grausame stecken. Faszinierend ist die Lichtskulptur „Schicht im Schacht“ in Duisburg, die auf das Ende des Bergbaus hinweist, die aber in die Zukunft leuchtet; nicht melancholisch, sondern in bunten Farben.

 


 

Man sagt ihm nach, ein Provokateur zu sein. Metzel verneint das, spricht eher von kreativer Unruhe, von „Initialreizen“, die den Betrachter zwingen, über seine eigenen Ansichten und Werte nachzudenken. „Provokation als Denkanstoß“, nannte er es. Er provoziere nicht gerne, er wolle den öffentlichen Raum ausloten, betonte er im Gespräch mit der Mittelbadischen Presse. „Kunst im öffentlichen Raum“, so Metzel im Gespräch, solle immer Anlass für Diskussionen geben. Metzel wirkt auch nicht wie ein Provokateur, er ist ein nachdenkender, analysierender Mensch. 

Ein „Volkskünstler“

Als Provokation empfunden wurde etwa das Werk „13.4.81“ von 1987: ein vier Meter hoher Turm aus Polizeiabsperrgittern für den Skulpturenboulevard Berlin – Metzel setzte ihn an die Stelle, wo am 13.4.1981 Straßenschlachten zwischen Hausbesetzern und Polizei tobten. Oder „Stammheim“ (1984), ein drei Meter hoher Lorbeerkranz aus Beton vor dem Württembergischen Kunstverein in Stuttgart; daneben schrieb er „Stammheim“ an die Fassade. 

Gleichzeitig gilt Metzel als „Volkskünstler“, der Kunst direkt in den Lebensbereich der Menschen hineinbringt. Für alle und kostenlos, mit Stemmeisen und Flex, sagt er. So war die „Aufmacherkunst“ der Mittelbadischen Presse aus seiner Sicht auch eine Form von „Volkskunst“. 

Etwas zum Nachdenken

Viele seiner monumentalren Arbeiten sind dadurch gekennzeichnet, dass Bestehendes auseinander genommen und verfremdet wird, Alltagsmaterialien in neue Kontexte gesetzt werden. Olaf Metzel ist seit den 80er-Jahren eine feste Größe in der künstlerischen Auseinandersetzung mit der deutschen Wirklichkeit.

Bis Ende 2019 Professor an der Kunstakademie München, sah er seine gesellschaftliche Verantwortung darin, seinen Studenten eine ordentliche Ausbildung, dem Betrachter etwas zum Nachdenken zu geben. Nicht belehrend, sondern Freiräume schaffend. Ein großartiger Künstler eben.

Zur Person

Olaf Metzel

Geboren 1952 in Berlin, studierte Olaf Metzel von 1971 bis 1977 an der Freien Universität Berlin an der Universität der Künste.
1984: Erste Gruppenausstellung „Von hier aus – Zwei Monate neue deutsche Kunst“, Düsseldorf.
1987 Teilnahme an der documenta 8 in Kassel und Aufenthalt in der Villa Massimo in Rom.
1987 und 1997 Biennale Skulptur-Projekte Münster.
1990 bis 2019 Professor für Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste in München, von 1995 bis 1999 deren Rektor. 
Preise: 1990 erhielt Metzel den Kurt-Eisner-Preis, 1994 den Arnold-Bode-Preis der documenta, 1996 den Wilhelm-Loth-Preis, 2001 den Ernst-Barlach-Preis, 2005 den Kunstpreis der Landeshauptstadt München, 2010 den Lichtwark-Preis, 2016 den Kulturpreis Bayern und 2018 den Jerg-Ratgeb-Preis.

Hintergrund

Aktionen und Happenings

1981 „Boeckhstr. 7, 3. OG“ in Berlin-Wedding (Kunstaktion).
1982 „Türkenwohnung Abstand 12.000 DM VB“ in Berlin (Kunstaktion).
1984 „Stammheim“ in Stuttgart.
1987 „13.4.1981“ (Randale-Denkmal), Berlin, Teil des Skulpturenboulevards am Kürfürstendamm, nach Protesten entfernt und im November 2001 wieder aufgebaut.
1993 „Meistdeutigkeit“ in Bonn vor dem Plenarsaalgebäude.
2000 „Nicht mit uns“ in München-Riem.
2002 „Die Reise nach Jerusalem“ Pinakothek der Moderne München.
2005 „Cash Flow“.
2006 „Auf Wiedersehen“ in Nürnberg, getürmte Stadionsitze, DFB-Kunstprojekt zur Fußball WM 2006.
2007 Türkish Delight“. 
2009/10 „Schicht im Schacht“ Duisburg, Lichtkunstwerk zur Kulturhauptstadt.
2010 „Hartz IV wird 5“, Happening.
2013 „Noch Fragen?”, Lesesaal der Staatsbibliothek zu Berlin.

Bildergalerie zum Thema

Weitere Artikel aus der Kategorie: Offenburg

vor 2 Stunden
Der Abriss der „Krone“ beginnt
Die „Krone“ in Ebersweier wird nun endgültig Geschichte: Der Abriss des Traditionsgasthauses, das lange Zeit nicht nur räumlich, sondern auch sozial ein Mittelpunkt des Dorfes war, beginnt. Auf dem Areal sollen mehrere Häuser mit insgesamt 15 Wohneinheiten entstehen. 
vor 2 Stunden
Neues Amt
Das Rechnungsamt in Durbach hat wieder eine Leitung: Brigitte Wick ist die neue Kämmerin.
vor 3 Stunden
Niemanden vereinsamen lassen
Ideensammlung während der Ortschaftsratssitzung: Der Windschläger Ortschaftsrat sieht Handlungsbedarf beim Thema „Begegnungsstätten“.
vor 4 Stunden
Offenburg
Mehr als sieben Monate lang wird die vielbefahrene Zähringerbrücke zum Nadelöhr. Grund ist die Sanierung des Bauwerks, die an Aschermittwoch beginnen soll. Die Stadtverwaltung hat gestern informiert, wie die Arbeiten ablaufen sollen – und welche Umleitungsstrecken es gibt. 
vor 14 Stunden
Lahr
Gutes Ergebnis: Wassermeister Timo Krammel berichtete im Schutterzeller Ortschaftsrat über die Ergebnisse der Rohrnetzanalyse.
vor 15 Stunden
Beton- statt Natursteine 
Die Umgestaltung der Umgestaltung der Gustav-Rée-Anlage soll am 9. März beginnen. Mit welchen Einschränkungen gerechnet werden muss. 
vor 16 Stunden
Online-Kommunikation
Seit Anfang Februar hat die Facebook-Seite der Stadt Offenburg mehr als 10.000 Follower. Was es mit dieser Zahl auf sich hat, erläutert Christian Falk, der bei der Stadt für die Online-Kommunikation zuständig ist. 
vor 19 Stunden
Innovation in Oberharmersbach
2019 nahm die Familie Lehmann in einer 32 Meter langen, 15 Meter breiten und elf Meter hohen Halle eine Heutrocknungsanlage in Betrieb. Der Kornbauernhof im Obertal, seit 2015 zertifizierter Biohof, produziert jetzt Nahrungsmittel nach dem Demeter-Siegel.
vor 22 Stunden
Fessenbach
Im Trubel der Geburtstagsfeierlichkeiten für Hubert Burda fand am Mittwoch auch das Richtfest für den „Sena-Torre“ in Fessenbach im Kreise der Handwerker statt. Das gotische Denkmal im Baustil hat bereits beachtliche Formen angenommen.
17.02.2020
Amtsgericht Offenburg
Wegen Vergewaltigung steht ein Hausarzt vor dem Offenburger Amtsgericht. Er soll einer Patientin ohne medizinische Notwendigkeit an die Brust gefasst und ihr mehrere Finger vaginal eingeführt haben. Der Angeklagte sieht sich selbst in einer „schweren persönlichen Lage“.
17.02.2020
Klimaschutzbeauftragter
Dass Energiesparmaßnahmen auch von der Gemeinde gefördert werden hat sich in Schutterwald herumgesprochen. Das Budget war schon im Herbst aufgebraucht. Wie mit den restlichen Anträgen aus 2019 umgegangen werden soll und wie es 2020 weitergeht, war Thema im Gemeinderat.
17.02.2020
80. Geburtstag
Hermann End aus Rammersweier hat am Samstag seinen 80. Geburtstag im Familien-, Verwandten und Freundeskreis begangen. Der Jubilar hat den Ort stark mitgeprägt.

Das könnte Sie auch interessieren

- Anzeige -
  • Die Oehler Maschinen Fahrzeugbau GmbH in Offenburg-Windschläg lädt am Wochenende, 21. und 22. März zur Frühjahrsmesse ein.
    17.02.2020
    Neuheiten in Aktion erleben
    Bei der Oehler Maschinen Fahrzeugbau GmbH heißt es am Wochenende, 21. und 22. März: It’s Showtime! Das Team öffnet die Tore zur jährlichen Oehler-Hausmesse am Hauptstandort in Offenburg-Windschläg. Die Frühjahrsausstellung bietet alles rund um die Themen Landwirtschaft, Forst- und Gartentechnik....
  • Paaaaaarty! Kehl Marketing lädt auf den Fasentssamstag zum Gammlerball in die Stadthalle ein.
    14.02.2020
    Feiern, tanzen, Freunde treffen
    In Kehl bleibt es beim närrischen „Gammeln“ am Fasentssamstag – die Terminverschiebung vom Schmutzigen auf den Fasentssamstag vergangenes Jahr hat sich bewährt: Diesmal steigt die Riesenfete am 22. Februar. Saalöffnung ist um 19 Uhr. 
  • 14.02.2020
    Achern
    Kaminöfen spenden nicht nur wohltuende Wärme, sondern verwandeln das Wohnzimmer auch in einen gemütlichen und romantischen Ort. Bei Süd-West-Kachelofenbau in Achern wird der Kunde vom ersten Treffen bis zur Fertigstellung des Traumofens bestens betreut. 
  • Hauskauf ist Vertrauenssache: Mit einem guten Makler kommen nicht nur Familien in die eigenen vier Wände.
    11.02.2020
    Mit dem Makler auf der sicheren Seite
    Standort, Zustand, reelle Bewertung, Verkaufsstrategie, Expose, Verkaufsverhandlung und Notartermin – auch wenn der Markt für gebrauche Immobilien seit Jahren enorm in Bewegung ist, die Preise auch hier klettern, kann es fatal sein, die „Entscheidung des Lebens“ selbst in die Hand nehmen zu wollen...