Offenburg

Mit Jutta Bissinger: Auf den Spuren von Läden und Leuten

Autor: 
Regina Heilig
Lesezeit 3 Minuten
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12. August 2016
Beim Rundgang führte Jutta Bissinger (rechts) auch zur ehemaligen Färberei Planck am Lindenplatz, wo heute eine Reinigung untergebracht ist.

Gut 50 Neugierige haben sich am Mittwochabend eingefunden, um mit der Autorin Jutta Bissinger gemäß ihrem Buchtitel Offenburger »Läden & Leuten« nachzuspüren.

»Läden & Leute« heißt das zweite Buch von Jutta Bissinger, das wie ihr Erstling »Um fünf am Stadtbuckel« Geschichten aus dem alten Offenburg erzählt. Ein Spaziergang durch Offenburg ist nämlich immer auch ein Gang durch die Wirtschaftsgeschichte der Stadt – wenn man weiß, wo man hinschauen muss. Da sind Läden dabei, die man heute noch aufsuchen kann, wie etwa den Schuh Meier oder Bücher Roth. Dann sind da Läden, die ihre Funktion geändert haben wie die Färberei Planck, in deren Räumen man heute Kleider reinigen lassen kann, oder die ganz verschwunden sind wie Schirm Staib, dessen ehemaliger Stammsitz aktuell ein Café beherbergt.

Mehr Gäste als erwartet

Silke Moschitz von der Abteilung Stadtentwicklung, die mit Autorin Jutta Bissinger den Innenstadtspaziergang auf den Spuren von »Läden & Leuten« organisiert hatte, freute sich über den guten Zuspruch am Mittwochabend – statt der erwarteten etwa 25 waren rund 50 Interessierte gekommen. Bei Bieser Raumausstattungen nahe der Kreuzkirche ging es los, und im Schuhgeschäft Meier durften die Spaziergänger sogar einen Blick hinter die Kulissen des seit 87 Jahren in Familienhand geführten Fachgeschäftes werfen. Mit ein wenig Fantasie kann man sich hier noch in die Anfangsjahre hinein versetzen. 

Ganz anders das Bild am Lindenplatz vor dem Haus der Reinigung Planck: Der Name ist noch der gleiche, aber früher hatte hier die Färberei Planck ihren Sitz. Jutta Bissinger las aus ihrem Buch eine Passage vor, die den geheimnisvollen Vorgang des Färbens mit echtem Indigo, das erst an der Luft die typische blaue Farbe entwickelt, aus der Sicht eines Kindes beschreibt. Zahlreiche Original-Färberutensilien, so erfuhren die Zuhörer, können heute im Durbacher Heimatmuseum bestaunt werden – stammt die Familie Planck doch aus dem Nachbarort.

Einst wertvoll

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Wie notwendig das Utensil immer noch ist, das seit 1897 bei Schirm Staib in hochwertiger Handarbeit gefertigt wurde, erfuhren die Spaziergänger vorm Stammhaus des 2007 geschlossenen Traditionsgeschäftes ganz praktisch. Es hatte nämlich zu regnen begonnen. Und wie ein Kommentar auf die sich wandelnde Zeit mutet an, dass Mit-Spaziergängerin Karin Näger ins nächste Geschäft flitzte und sich einen preisgünstigen Schirm kaufte. Undenkbar in der über 100 Jahre zurückliegenden Zeit, als Paul und Luise Staib die hochwertigen Accessoires von Hand fertigten und ein Schirm eine teure Anschaffung für den eleganten Bürger war.

Bei Bücher Roth endete der Spaziergang. Das Motto »Roth ist die Liebe zum Buch« gilt hier seit 1897. In den Gründungsjahren ausgewiesen als Bollwerk konservativer Literatur, ist das Geschäft, das Barbara Roth seit 1996 in vierter Generation führt, immer am Puls der Zeit geblieben und heute längst im digitalen Zeitalter angekommen, in dem die Kunden mit Events verwöhnt werden.

»Wir wollten in diesem Jahr mal bewusst Kultur vor Ort erleben«, erläuterten Esther Herr und ihre zwei Bekannten aus Kenzingen und Herbolzheim, warum sie den Spaziergang mitgemacht haben. »Wir begleiten unseren Vater, den das Thema sehr interessiert«, sagten die Brüder Axel und Matthias Fink. Genau wie Mechthild Wagner und Karin Näger fanden sie, dass Jutta Bissingers Buch »toll gemacht ist« und »Offenburg mal von einer ganz anderen Seite zeigt«.

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