Gengenbach/Friesenheim/Hohberg

Aufbau des Windparks steht unter Strom

Autor: 
Marc Faltin
Lesezeit 4 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
21. Oktober 2016

Zwei Windräder kommen auf den »Steinfirst«, zwei werden nördlich des »Rauhkastens« gebaut. Betroffen sind die Gemarkungen von Gengenbach und Friesenheim (jeweils etwa knapp 50 Prozent) sowie Hohberg mit dem kleinen Rest, zusätzlich aber der Zuwegung (rot) für Betontransporter und Spezialtransporter für die Anlagenteile. Die Kabeltrasse (blau) endet an der Umspannstation des E-Werks Mittelbaden nahe der Gengenbacher Aral-Stelle. © endura kommunal

In der Einwohnerversammlung in Gengenbachs Stadthalle stand auch der Windpark auf »Rauhkasten/Steinfirst« im Blickpunkt. Mit den Rodungsarbeiten unter anderem auf Bermersbacher Gemarkung hat die Umsetzung dieses Projekts für rund 22 Millionen Euro inzwischen begonnen.

Nach der Rodungsgenehmigung durch das Landratsamt begann Anfang Oktober das erste Abholzen von Wald und damit der Aufbau der vier Windenergieanlagen auf dem »Rauhkasten/Steinfirst«, dieses interkommunalen Windparks mit der Enercon GmbH als Hauptinvestor. »Die Bäume müssen aber überprüft werden, ob dort Fledermausneste sind«, merkte Rolf Pfeifer an, der am Mittwochabend auf Einladung der Stadtverwaltung einmal mehr bei einer Bürgerinformationsveranstaltung am Rednerpult stand. Der Experte der Freiburger Beratungsfirma »endura kommunal«, der dieses Windkraft-Projekt seit gut fünf Jahren betreut, blickte vor allem auf die nächsten Monate, in denen die vier Windenergieanlagen aufgebaut werden sollen, um spätestens im Juni 2017 ans Netz gehen zu können. Absenkungen der Einspeisevergütung nach dem neuen Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) erhöhen den Zeitdruck.
Die Enercon GmbH ist mit 50 Prozent an diesem Projekt beteiligt, trägt die Hälfte der rund 22 Millionen Euro an Investitionskosten. Die anderen 50 Prozent übernehmen die Kommunen und möglicherweise Bürger, die sich beteiligen wollen. Die Entwicklungskosten von rund 350 000 Euro trägt Enercon. Die Wirtschaftlichkeit sei durch zertifizierte Gutachten nach der Windmessung von 6,2 Meter pro Sekunde gegeben. Dazu merkte Bürgermeister Thorsten Erny an, dass sowohl die Höhe des Windmessmastes (140 Meter) als auch die Dauer der Messung (zwölf Monate) außergewöhnlich hoch gewesen seien, um möglichst verlässliche Daten zu erhalten. Wobei man natürlich nicht sagen könne, so Pfeifer, wie die Windverhältnisse in zehn oder 20 Jahren hier seien.

Intensive Windmessung

Spruchreif hingegen sei, dass die Teile für die Windkraftanlagen in Oberschopfheim nahe des dortigen Penny-Marktes gelagert werden und nicht wie geplant eine Logistikfläche dafür in Diersburg angelegt werde, wo allerdings die Zuwegung für alle Transporte startet. Von allen Beton- und anderen Schwertransporten bleibt Bermersbach übrigens verschont, wie es nach entsprechender OT-Anfrage hieß.
Pfeifer erklärte in der Einwohnerversammlung auch, welche Problematik es aus Sicht des Denkmalschutzes gegeben habe: Auf einer Länge von 160 Metern des Kandelhöhenwegs seien aus südlicher Richtung kommend bei Schönberg die Windräder hinter der Burgruine Hohengeroldseck zu sehen.
2,4 Hektar Wald werden derzeit für den Windpark gerodet. Als Ausgleichsmaßnahme für diesen Verlust an Naturfläche werden rund 7,6 Hektar Wald ausgewiesen, der alt werden dürfe und unbewirtschaftet dann auch für den Artenschutz eine wichtige Rolle spiele. Rund 7700 Haushalte sollen durch diesen Windpark mit sauberem Strom versorgt und dem Klima gut 13 800 Tonnen CO2-Emission pro Jahr erspart werden.

All die immensen Vorarbeiten »haben wir nach bestem Wissen und Gewissen gemacht«, betonte Erny, der 2011 den Anstoß gegeben hatte nach der politischen Forderung, die Windkraftnutzung auszubauen, und nach dem Windatlas Baden-Württemberg, der Flächen mit entsprechendem Potenzial ausweist. Die Stadtwerke Gengenbach übernahmen die organisatorischen Beiträge der beteiligten kooperativen Kommunen. Dass ein gewisses finanzielles Risiko bleibe, so Erny, liege in der Natur der Sache. 

Vorgeschichte:

- Anzeige -

◼ 2012: Pacht-Pooling am Rauhkasten/Steinfirst mit acht Eigentümern als Grundlage für einen möglichen Windpark
◼ 2013: Projektentwickler-Auswahl-Verfahren, Zuschlag für Enercon GmbH mit Sitz in Aurich,  größter deutscher Hersteller von Windenergieanlagen
◼ 2014: Kooperationsvertrag Enercon, Nutzungsverträge, Bürgerinformation, Gewerbesteuer-Zerlegung mit den beteiligten Kommunen (Gengenbach 45 %, Friesenheim 45 %, Hohberg 10 %), Zustimmung der Nachbargemeinden
◼ 2015: Projektentwicklung, Zuwegung, Kabeltrasse, Sichtbarkeit, Proteste aus Reichenbach bei Lahr, Diersburg, Einreichung Genehmigungsantrag (Mitte September 2015)
◼ 2016: Auseinandersetzung mit Denkmalschutz, Messung der Windhöffigkeit mit Gutachten, Genehmigung am 4. September erteilt

Umsetzung:

◼ Oktober: Ausbau der Zuwegung, Waldrodung, Herstellen der Kranstell- und Fundamentflächen
◼ November: Ausheben der Baugruben für Fundamente, Gießen der ersten Fundamente
◼ Dezember: Gießen der letzten Fundamente mit Abschluss in Kalenderwoche 50
◼ Januar/Februar 2017: Anlieferung der Turmteile, Zwischenlagerung
◼ März 2017: Aufbau des Gittermastkrans
◼ April/Mai 2017: Bau der vier Windenergieanlagen
◼ Juni 2017: Netzanschluss

Sonstiges:

◼ Internetportal zur ausführlichen Information und zur Zeichnung von Beteiligungskapital ab Ende Oktober unter www.windenergie-gengenbach.de
◼ Bürgerbeteiligung wird bis Anfang Dezember 2016 aufgelegt
◼ Tage der offenen Baustelle im Herbst 2016 und Frühjahr 2017
◼ Einweihung voraussichtlich im Juli 2017

 

Weitere Artikel aus der Kategorie: Offenburg

vor 2 Stunden
Offenburg
Zu einer Suchaktion mit einem Polizeihubschrauber ist es am frühen Freitagmorgen in Offenburg gekommen. Polizisten wollten einen 29 Jahre alten Schwarzafrikaner festnehmen - der Mann flüchtete in ein Maisfeld. Dort konnte er nach einer Verfolgung verhaftet werden.
Impressionen vom Festumzug bei der 850-Jahr-Feier in Ortenberg wurden auch in einem Buch festgehalten.
vor 4 Stunden
OT-Serie »Weisch noch?« (8): »Was da geboten wurde, war legendär«
In unserer Serie »Weisch noch?« berichten wir über denkwürdige oder kuriose Begebenheiten im Rebland und in Orten rund um Offenburg. Heute erinnern wir an das Jahr 1998, als Ortenberg fast das gesamte Jahr über Kopf stand und seinen 850. Geburtstag mit einem legendären Festprogramm samt Festumzug...
vor 4 Stunden
Alles andere als Straßenlärm
Das Anwesen der Familie Panny in Bühl zählt von der Adresse her gesehen zur vielbefahrenen Kehler Straße – der Ortsdurchfahrt. Es bietet aber dem Besucher und den Bewohnern alles andere als Straßenlärm.
Rundgang: Inhaber Jens Arnold (links), sein Mitarbeiter Camill Siebert (daneben) und OT-Redakteurin Janine Ak (rechts) führten 21 Leser des Offenburger Tageblatts zwei Stunden lang durch die Rösterei in der Offenburger Zeppelinstraße. Die Besucher zeigten sich beeindruckt von der Vielfalt der Kaffeesorten und dem großen Fachwissen der beiden Kaffee-Fachleute.
vor 5 Stunden
»Offenes Werkstor« (11) in Offenburg
Einen Blick hinter die Kulissen von Arnolds Kaffeemanufaktur in der Offenburger Zeppelinstraße haben 21 Leser des Offenburger Tageblatts geworfen. Dabei haben sie viel über die Kunst gelernt, einen guten Kaffee herzustellen.
Um Mobilität im Wandel geht es nächste Woche auf dem Marktplatz.
vor 5 Stunden
Einblicke in die Mobilität der Zukunft
Im Zusammenhang mit der Studie »Mobiles Baden-Württemberg« gastiert ab Dienstag, 27. August, für sechs Tage eine Mitmach-Ausstellung auf dem Marktplatz in Offenburg. 
Die Offenburger Teilnehmer der 36. »Tour der Hoffnung« mit Jo Schraeder (Vierter von rechts) und Radsportlegende Täve Schur (kniend) fuhren vergangenes Wochenende durch Hessen und Nordrhein-Westfalen.
vor 7 Stunden
Teilnahme an der "Tour der Hoffnung"
Rekordergebnis für Offenburg und die Ortenau bei der 36. Ausgabe der Benefizradtour  »Tour der Hoffnung«: 76 500 Euro an Spendengeldern kamen aus der Ortenau. Insgesamt bekamen die mehr als 200 Radfahrer 2,3 Millionen Euro für an Krebs erkrankte Kinder und Jugendliche zusammen. 
Angela und Bernhard Bolek feiern heute ihre goldene Hochzeit. Das kleine Foto zeigt sie am Tag der Trauung im Jahr 1969.
vor 9 Stunden
Ihr Anfang in Offenburg war nicht leicht
Seit 50 Jahren sind sie offiziell ein Paar, nach dem Fall der Mauer sind sie nach Offenburg gekommen. Am Freitag feiern  Angela und Bernhard Bolek ihre goldene Hochzeit.
vor 9 Stunden
Fachpflegeeinrichtung schließt zum Monatsende
Das »Median«-Haus St. Georg Nordrach wird zum Ende August geschlossen. Die fast 100 Patienten wurden im Laufe der letzten Monate bereits in andere Einrichtungen im Ortenaukreis und darüber hinaus verlegt. Die Gemeinde bemüht sich nun intensiv um eine Nachnutzung.  
vor 9 Stunden
Chronik
Das Haus St. Georg Nordrach, im Volksmund noch immer »Rothschild« oder »Zajak« genannt hat eine sehr wechselhafte Geschichte aufzuweisen. Es gab Licht und Schatten.
Im Rahmen ihres einwöchigen Aufenthalts in Simonswald haben sich 40 Jungmusiker aus Ebersweier intensiv mit ihren Instrumenten auseinandergesetzt. Es gab aber auch zusätzlich viele Programmpunkte.
vor 9 Stunden
Ebersweierer Nachwuchs probte fleißig
Es ist ein Höhepunkt des Jahres für die Jugend des Musikvereins Ebersweier: Das Jugendorchester hat eine Woche im Südschwarzwald verbracht. Dabei wurde fleißig am Instrument geübt, darüber hinaus gab es aber auch ein unterhaltsames Programm.  
vor 17 Stunden
Krügers Wochenschau
Für die alte Frage: Hund oder Katze? gibt es eine elegante Lösung. Wir lernen sie von der Katze des Jahres in den USA.
vor 18 Stunden
Reitturnier in Altenheim
Erfolgreiche Nachwuchs Reiterinnen vom Reitclub Altenheim, die Schwestern Melina und Malena Mild sicherten sich auf dem Heimturnier vier Siege. Und das Schauprogramm gefiel den vielen Besuchern.

Das könnte Sie auch interessieren

- Anzeige -
  • 21.08.2019
    Kopf frei bekommen, Seele baumeln lassen
    Was machen Arbeitnehmer nach der Arbeit? Wie wär's damit, den Kopf frei zu bekommen und Spaß zu haben! Perfekt geeignet dazu ist die Afterwork-Party des Ortenauer Weinkellers am 5. September. Kommen mehrere Mitarbeiter einer Firma, gibt's eine Flasche Wein gratis.
  • 06.08.2019
    Ratgeber
    Was tun, wenn eine Krise in unser Leben bricht? Der Ortenberger Unternehmer Joachim Schäfer hat mit der Insolvenz seiner Firma genau das durchleben müssen – und einen Weg heraus gefunden. Seine Erkenntnisse teilt er nun in einem Buch, das nicht ein Autor, sondern nur er schreiben konnte, wie...
  • 02.08.2019
    Manufaktur für orthopädische Leistungen
    Am Wochenende beginnt der Spielbetrieb in der Fußball-Oberliga Baden-Württemberg. In den kommenden Wochen folgen dann auch die anderen Ligen. Um die Saison durchhalten zu können, brauchen die Sportler eine gute Fitness, Gesundheit - und das individuell angepasste Schuhwerk. Dieses ist Voraussetzung...
  • 31.07.2019
    Medizin, Kosmetik, Naturheilkunde
    Wer krank ist oder eine Beratung zu medizinischen Themen braucht, für den ist oft die Apotheke die erste Anlaufstelle. Die Stadt-Apotheke in Offenburg, die Apotheke am Storchenturm in Lahr und die Apotheke am Klinikum in Lahr bieten als Partner-Apotheken neben einer freundlichen und qualifizierten...