Leser blickten hinter die Kulissen des "Liberty"

Aus diesem Gefängnis will keiner ausbrechen

Autor: 
Sandra Biegert
Lesezeit 3 Minuten
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28. August 2020
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©Peter Heck

Einst war das alte Offenburger Gefängnis in der Grabenallee berühmt-berüchtigt für seine engen Zellen. Davon ist jetzt nichts mehr zu spüren.

Vor knapp drei Jahren hat das Hotel „Liberty“ im ehemaligen Knast eröffnet. Die einst kleinen Zellen aus porösem Mauerwerk wurden zu modern und stilvoll eingerichteten Hotelzimmern und -suiten. Der frühere Gefängnishof zwischen den beiden Gebäuden ist von einem hohen Glasbau eingefasst, wo sich nun die Lobby und das Restaurant „Wasser und Brot“ befinden. 

Was aus dem früheren Gefängnis geworden ist und welche Angebote es für die Gäste des „Liberty“ gibt, durften sich 20 OT-Leser im Zuge der Aktion „Offenes Werkstor“ am Dienstag anschauen. Hoteldirektor Heiko Hankel und Veranstaltungsmanager Andreas Gerberich haben die Teilnehmer in zwei Gruppen – aufgrund der Corona-Maßnahmen mit Mund-Nasen-Maske – durch das alte Gemäuer geführt. 38 Hotelzimmer und -suiten sind hier entstanden. 
Gerberich, der im Haus für Tagungen und Feiern verantwortlich ist, führte die Gäste in eines der Doppelzimmer. Zwei bis drei der früheren Zellen ergeben ein Hotelzimmer. Die Decken sind hier noch das Original-Gemäuer. Anhand der Bogen kann man erkennen, wo sich einst die Zellen befanden.

In den Zimmern im Dachgeschoss, wo früher die Gefängnisverwaltung untergebracht war, sieht man übrigens keinen alten Putz an der Decke, hier wurden aber die Holzbalken  und der Holzboden noch original erhalten. 
„Die Umbauphase vom Gefängnis zum Hotel hat fast vier Jahre gedauert“, erläuterte Gerberich. Der lange Umbau habe unter anderem an den rund 1,20 Meter dicken Mauern gelegen, die teilweise für die Zimmergestaltung durchbrochen wurden. „Die Investoren Dietmar und Christian Funk haben viel Geld, Zeit und Nerven in die Hand genommen und das Gebäude restauriert.“

Das Hotel bewege sich im Fünf-Sterne-Segment und habe im vergangenen Jahr eine durchschnittliche Auslastung von 80 Prozent gehabt – das ist laut Gerberich ein sehr gutes Ergebnis. Ein Zimmer kann pro Nacht zwischen 180 und 400 Euro kosten, für die Rooftop-Suite zahlt man noch mehr. „Die Suite nutzen wir manchmal auch als Konferenzraum“, verriet Gerberich.

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Ein Haus für Offenburg

Ursprüngliche Pläne, den Hotelgästen einen Butler-Service anzubieten und ein Restaurant mit Michelin-Stern wurden laut Gerberich bald verworfen: „Die Gebrüder Funk wollten, dass das ein Haus für Offenburg wird.“ So sind auch Nicht-Hotel-Gäste im Restaurant, beim Frühstücksbuffet oder der Bar gerne gesehen – Gerberich empfiehlt aber, vorher zu reservieren. 

Dank des Glaskubus im Eingangsbereich hat man nicht das Gefühl, in ein Gefängnis einzutreten. Die Höhe steht der Enge entgegen. „Der Charakter des alten Gefängnisses sollte aber bewahrt werden“, erzählte Gerberich. Darum wurden Original-Elemente beibehalten. Die Türen aus dem Jahr 1849 finden sich in den Fluren – aber nur als Deko. Diese sind extrem niedrig. „Wer aus diesen kleinen Türen trat, musste das Haupt senken, das war ein Zeichen von Demut“, erklärte Gerberich. In die Zimmer kommen die Hotelgäste aber über normal große Türen. Ebenso original sind die Gitterstäbe in den Fenstern und die Eisentür zum Weinkeller.

 

Info

Historie

 1843/44: Großherzog Leopold von Baden beauftragte seinen Hofbaumeister Heinrich Hübsch, ein Gefängnis nach amerikanischem Vorbild zu bauen. Hübsch reiste nach Amerika und orientierte sich für seinen Bau am Staatsgefängnis von Philadelphia. 
 1845: Der erste Gebäudeteil des neuen Offenburger Gefängnisses in der Grabenallee wird fertiggestellt.
 1849: Der zweite Gebäudeteil wird fertiggestellt.
 1929: Das Gefängnis wurde modernisiert und unter anderem mit Zentralheizung, fließendem Wasser und Toiletten in den Zellen ausgestattet. 
 2009: Das alte Gefängnis wird geschlossen und die neue JVA am Offenburger Flugplatz öffnet.
 Oktober 2017: Das Hotel „Liberty“ wird nach rund vier Jahren Bauzeit eröffnet.

Stichwort

Wussten Sie....

  ...dass die ersten Inhaftierten im damals neuen Gefängnis die badischen Revolutionäre waren?
 ...dass in früheren Zeiten immer die Gattin des Anstaltsleiters für die Häftlinge gekocht hat?
 ...dass das „Liberty“ eines von weltweit 300 „Design Hotels“ ist?
 ...dass es im „Liberty“ zwei exklusive Kaffeemischungen von der Kaffeerösterei Arnold und einen exklusiven Wein vom Weingut Alexander Laible gibt?
 ...dass die Zimmer im „Liberty“ trotz der dicken Mauern eine Klimaanlage brauchen und diese nach dem Hitzesommer 2018 nachgerüstet wurden?
 ...dass die prominentesten Insassen der alten JVA der Schäuble-Attentäter Dieter Kaufmann und der Flowtex-Betrüger „Big Manni“ waren?
 ...dass für die Hotelgäste die Nutzung des Stegermattbads und der dortigen Sauna inbegriffen ist, da das „Liberty“ über keinen eigenen Wellness-Bereich verfügt? 
 ...dass der „Haus- und Hof-Designer“ des „Liberty“ der Offenburger Künstler Stefan Strumbel ist, der auch die Speisekarte gestaltete?

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