Offenburg

Baal novo startete mit »Nathans Kinder« in die Saison

05. Oktober 2016
&copy Ellen Matzat

Mit »Nathans Kinder« eröffnete das Theater Baal novo die Saison. Obwohl es in dem Stück um Konflikte der Weltreligionen  Christentum, Islam und Judentum geht, gibt es auch lustige Momente. Die Premiere am Samstag im Salmen war gut besucht. 

Das deutsch-französische Baal novo Theater Eurodistrikt überzeugte am Samstagabend zur Saisoneröffnung 2016/2017 mit der Premiere von »Nathans Kinder« im sehr gut besuchten Salmen. Die preisgekrönte Neubearbeitung von Ulrich Hub, in der es um den Kampf der Kulturen und Religionen geht, ist an das Drama »Nathan der Weise« von Gotthold Ephraim Lessing angelehnt und wurde aus der Sicht der Jugendlichen Recha, Nathans Tochter, und Kreuzritter Kurt erzählt.


»Das Thema ist im Hinblick auf die politische Situation aktueller denn je«, erklärte Regisseurin Diana Zöller. Das kluge und amüsante Stück ist für große und kleine Menschen ab zehn Jahren geeignet. Trotz des ernsten Inhaltes, bei dem die Konflikte der Weltreligionen Christentum, Islam und Judentum auf den Punkt gebracht wurden, war das Stück unterhaltsam und lustig. 


Die Wortgefechte und Mimik des Juden Nathan, des Sultans und des Bischofs sowie deren bühnenreife Schlägerei brachten die Zuschauer zum Lachen. Zu den Konflikten der Religionen kam der Konflikt zwischen den Genrationen, der vor allem zwischen der flügge gewordenen Recha und ihrem Vater Nathan, der sie noch für ein Kind hielt, entfachte. 


In den Rollen überzeugten Intendant Edzard Schoppmann als der oft kindlich verspielt wirkende Sultan, während sich Geschäftsführer Guido Schumacher in die Robe des kühlen und distanzierten Bischofs hüllte. Horst Kiss setzte die Titelfigur des vornehmen Kaufmanns Nathan sowie Yaroslava Gorobey und Benjamin Wendel die beiden Jugendlichen, die kluge und gewitzte Recha und der harte Kreuzritter Kurt mit dem weichen Herz, treffend um.


Jerusalem befand sich in den Kriegswirren der Kreuzzüge. Kreuzritter Kurt, wie durch ein Wunder vom Sultan begnadigt, rettete Recha, ausgerechnet die Tochter des Juden Nathan, aus dem brennenden Haus. Der Bischof war wenig begeistert. Recha und Kurt, beide nur knapp dem Tod entkommen, verliebten sich ineinander, obwohl Kurt bisher Juden hasste. »Niemand hat sich seinen Glauben ausgesucht«, erklärte Recha. 


Was für ein Gott?


»Alle Kreuzritter haben den Helm abgesetzt, um für Gott zu beten und wieder aufgesetzt, um für Gott zu kämpfen – was muss das für ein Gott sein, der für sich kämpfen lassen muss«, erklärte Kurt seine letzten Gedanken vor der Begnadigung. Und warum tue er nichts gegen den ganzen Mord und Totschlag, fragte er. »Vielleicht sollten die Menschen irgendwann selbst darauf kommen«, mutmaßte Recha. Seien wir nicht zuerst alle Menschen, fragte sich Karl weiter und ihm wurde bewusst, dass man Frieden nicht mit dem Schwert bringen könne. 


Als Nathan entdeckte, dass sich seine Tochter nachts heimlich mit dem Kreuzritter trifft, hing der Haussegen schief. Recha verriet Kurt, dass sie gar nicht Nathans eigene Tochter sei, sondern das Kind eines Christen, das Nathan aufzog. Aufgewühlt und völlig durcheinander offenbarte Kurt das Geheimnis bei einer Audienz dem Bischof und dieser sagte es mit fiesen Hintergedanken dem Sultan weiter. 


Der Sultan seinerseits freute sich über diese Information und heckte schon Pläne aus, wie er den Bischof gegen Nathan zu Felde ziehen lassen könnte, um gleichzeitig seinen Anschlag auf den Bischof vorzubereiten. »Dann herrsche ich alleine über Jerusalem und bin gleichzeitig alle Schulden los«, frohlockte er. Gleichzeitig entfachte der Streit um Recha, die man nicht bei Nathan lassen wollte. Während der Bischof sie ins Kloster stecken wollte, wollte der Sultan gerne ihr Vater sein und sie in seinen Harem stecken. »Was ist der einzig wahre Glaube? Zu welchem Gott soll ich in Zukunft beten?«, fragte Recha die streitenden Männer. »Ich glaube nicht an irgendeinen Gott«, setzte Kurt noch einen obendrauf. Alle Heuchelei kam ans Tageslicht und eine wilde Schlägerei um den »einzig rechten« Glauben begann. 


Darauf vertrauen


Um dem ein Ende zu setzen, bat Recha ihren Vater die Ringparabel zu erzählen, die übersetzt bedeutete, dass Gott als Vater alle gleich lieb hätte und jeder glauben solle, den richtigen Glauben zu haben. »Ich hab’ Hunger«, bemerkte der Bischof nach der aufregenden Nacht, und die Tafel des Friedens wurde gedeckt. »Es kommt höchst selten vor, dass Christ, Jude und Moslem friedlich vereint an einem Tisch sitzen«, bemerkte der Bischof erfreut. Dieser Friede würde nicht ewig dauern, prophezeite Nathan, aber Recha entgegnete »Hab’ doch ein bisschen Vertrauen.«

Info

Vorstellungen für Schulen

Schulvorstellungen sind heute, Mittwoch, 10 Uhr, im Salmen, Montag, 24. Oktober, 10 Uhr, Baal novo Theater im Zeitareal in Lahr, Dienstag, 25. Oktober, 10 Uhr, Baal novo Theater im Zeitareal in Lahr, Dienstag, 6. Dezember, 10 Uhr, Baal novo Theater im Zeitareal in Lahr, Montag, 12. Dezember, 10 Uhr, Offenburger Reithalle, Donnerstag, 9. Februar, 10 Uhr, Stadthalle Kehl.
Darüber hinaus können Schulen Baal novo direkt ansprechen, um eine Vorstellung vor Ort zu organisieren beziehungsweise in einem Veranstaltungsraum der jeweiligen Gemeinde.
Interessierte Lehrer können sich direkt bei Jennifer Rottstegge, reservation@baalnovo.com oder • 07 81/6 3 9 39 43, melden. 
Bei ihr sind auch Karten erhältlich. Karten gibt es auch bei allen üblichen Vorverkaufsstellen: Bürgerbüro Offenburg, Touristik-Info Kehl und Mittelbadische Presse.

Autor:
Ellen Matzat

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