Kleine Schritte zur Normalität

„Beat Men“ spielte im Seegarten in Schutterwald

Autor: 
Klaus Krüger
Lesezeit 4 Minuten
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03. August 2020

War es das dritte oder gar das vierte Mal? Jedenfalls war dieser Auftritt der Beat Men in Emmas Seegarten richtig intensiv. ©Klaus Krüger

Die Band „Beat Men“ trat in Emmas Seegarten auf und brachte gute Laune mit Songs der 60er. Raue Rockmusik und viel Spielwitz sorgten für ein intensives Erleben des Freiluft-Konzerts.

Der Seegarten ist wieder ein Ort der Freude – die Sommerkonzerte gehen weiter, wenn auch unter anderen Vorzeichen. Das Vorzeichen heißt Corona. So blieb die Stimmung etwas verhaltener.

Das war am Freitagabend beim Auftritt der „Beat Men“ deutlich zu spüren. Vieles ähnelte dem Band-Auftritt 2019 an gleicher Stelle – es gab ein Wiederhören mit vielen Songs, die Jungs ließen es krachen, Matze D. sang und gab den Dampfplauderer mit mehr oder weniger schrägen Witzen. Dazu ein Publikum, dem man anmerkte, dass es still genoss, endlich wieder draußen Musik zu hören. Gute Musik übrigens.

Tanzen? Nein!

Doch etwas es fehlte – niemand durfte tanzen und aufstehen nur, wer sich etwas zum Verzehr holen wollte (oft mit Mundschutz), die Bedienungen liefen mit Mundschutz herum; der Journalist nicht, der musste fotografieren und hätte hinter der Kamera nur schwer Luft bekommen.

Was fehlte, war die Leichtigkeit, die Unbeschwertheit der Sommernacht 2019. Diese Jahr ist anders, auch wenn sich manche bemühten, das abzuschütteln. Der Sitztanz auf den Stühlen, den Matze D. als Ersatz fürs Tanzen vorschlug, roch wohl etwas arg nach Seniorenbespaßung, niemand machte das.

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Aber immerhin und andererseits – das Konzert fand statt. Und es war großartig, im Laufe der Lieder ab der 60er-Jahre vergaß man schnell, dass alles vielleicht nur eine kurze Freude auf Zeit war; weil niemand weiß, was der Pandemie noch alles einfällt. Man erlebte diese raue Rockmusik im Freien sehr viel intensiver. Dazu trugen die „Beat Men“ mit ihrem Spielwitz entscheidend bei – und sie sorgten für Vergnügen beim Publikum. Ganz offensichtlich lieben die sechs Mitglieder der Band diesen Beat und spielen ihn leidenschaftlich. 

Allen voran Matze D., der bei manchen Songs wie „Let‘s work together“ (Canned Heat) genau die richtige ruppige Tonlage traf. Unterstützt von den zwei Gitarristen Matthias und Tilman, die kongenial den dreckigen Sound der 60er raushauten. Dominant, spielfreudig, waren die das Rückgrad der Band; sie veredelten ihre Auftritte mit einem Solo hie und da, wie auch andere Musiker – Keyboarder Helmut zum Beispiel. Am Bass Edgar, an den Drums Michael.

„Summer in the City“ von Lovin Spoonful passte natürlich perfekt zu einem Abend mit Temperaturen über 30 Grad im Biergarten am See. Von allen Songs des ersten Teils ragten zwei heraus: „All along the Watchtower“ von Bob Dylan, weil das einfach ein grandioser Song ist. Allerdings kam er früh im Programm und verpuffte auf seltsame Weise. Man hätte ihn an besonderer Stelle bringen und ihm Raum zum Atmen geben müssen.

Und natürlich „Riders on the Storm“, geschrieben 1971 von den Doors, veröffentlicht  auf dem Album L.A. Woman. Der Song erzählt entweder die Geschichte des Serienmörders Billy Cook, der als Anhalter eine ganze Familie tötete. Wahlweise geht er auch auf einem surrealistischen Gedicht zurück aus den 30er-Jahren, verfasst von Louis Aragon. So genau weiß man das nicht. Die Doors bevorzugten die Cook-Variante, Sänger Jim Morrison (†) spielte ihn in einem großartigen Video zum Song. Matze D. hingegen kokettierte am Freitag ein wenig mit der französischen Variante in der Ansage des Titels, vielleicht machte das manchen nur noch ein wenig mehr Gänsehaut. 

Der Song alleine sorgt schon für lustvolle Schauer: langsam, fast verschleppt, mit stilisiertem Regen mit Tönen aus dem Keyboard, dumpfen und glockenhellen Tonfolgen, gebremst einsetzendem Gesang, später Donnertöne aus dem Synthesizer. Eine feine Komposition, ebenso magisch wie verstörend. Die „Beat Men“ brachten das Werk in seiner ganzen Fülle auf die Bühne – kongenial gespielt, dennoch mit eigenen Akzenten. 

Der Auftritt 2020 der Beat Men war wichtig; und irgendwie tapfer, von Band und Publikum gleichermaßen, auch, wenn viele gerne so tun, als sei alles normal. Vielleicht kehren wir 2021 zur unbeschwerten Freude zurück.

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