Klima-Serie

Bei Hobart sind Pappbecher tabu

Autor: 
Daniel Basler
Lesezeit 6 Minuten
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18. Februar 2014
Er steht wegweisend für die Nutzung von erneuerbaren Energien – der vom Freiburger Architekten Rolf Disch entworfene Solartum auf dem Hansgrohe-Werksgelände. Der auf dem Solardach gewonnene Strom wird für den Produktionsprozess des Werks in Elgersweier verwendet.

Er steht wegweisend für die Nutzung von erneuerbaren Energien – der vom Freiburger Architekten Rolf Disch entworfene Solartum auf dem Hansgrohe-Werksgelände. Der auf dem Solardach gewonnene Strom wird für den Produktionsprozess des Werks in Elgersweier verwendet. ©Hansgrohe

Dass es möglich ist, erfolgreiche Wirtschaftsentwicklung und den Schutz der Umwelt miteinander zu verknüpfen, zeigen Offenburger Unternehmen. Sie haben schon vieles auf den Weg gebracht – vom Energie-Monitoring bis zum Pappbecher-Sparen.

In der kalten Jahreszeit ganz ohne fossile Brennstoffe fürs Heizen auszukommen – das ist bereits in vielen Edeka-Märkten der Region Realität. »Dies erreichen wir etwa durch den Einsatz von Wärmerückgewinnungsanlagen, Geothermie oder neuartigen Kälteanlagen«, sagt Michaela Meyer, Nachhaltigkeitsbeauftragte bei Edeka Südwest. Zudem tragen moderne Baustoffe und energieeffiziente Technik wie LED-Beleuchtung zur Energieeinsparung bei. Edeka bleibe beim Verbrauch 25 Prozent und mehr unter den gesetzlichen Vorgaben und gehört damit zu dem von der EU gewürdigten Kreis der »Greenbuilding«-Partner. 34 Märkte haben mittlerweile diesen Status.

Die Aktivitäten der Edeka beschränken sich aber nicht nur auf die nachhaltige Gestaltung der Einzelhandelsstandorte. »Das Thema Nachhaltigkeit haben wir mit den Bereichen Mitarbeiter, regionale Produkte, Umwelt und Energie und Gesellschaft in unserer Unternehmensstrategie  verankert«, betont die 43-Jährige. Dabei wolle Edeka den Verbrauchern vermitteln, wie das Unternehmen verantwortungsvoll handelt. Im Jahr 2013 hat es dafür den Kölner EHI-Energiemanagement-Award verliehen bekommen.

Teil der Nachhaltigkeitsstrategie ist überdies der optimale Einsatz der 250 Lkw-Transporter, deren Fahrten durch eine Flottenmanagement-Software gelenkt werden – mit dem Ergebnis, dass jährlich 300 .000 Liter Diesel eingespart werden. Der Übergang zu sparsameren Autos für die Außendienstmitarbeiter und ein Nachtsparmodus, der die Heiztemperatur in den Büros nach Feierabend absenkt, seien weitere Aktionen zur Senkung des Energieverbrauchs. Damit auch die 1300 Mitarbeiter am Standort Offenburg rund um Energieeffizienz am Ball bleiben, wird jährlich ein Nachhaltigkeitstag veranstaltet.

Drehen an der »Energieschraube«
Auch Burda-Druck dreht mit Nachdruck an der »Energieschraube«. Und das nicht nur, um nationale wie internationale Klimaschutzziele umzusetzen. »Steigende Kosten sind zunehmend ein Wettbewerbsfaktor im stark umkämpften Druckmarkt. Allein die Erhöhung der EEG-Abgabe 2014 um über 18 Prozent gegenüber 2013 bedeutet für Burda Druck Mehrkosten von rund 300.000 Euro«, erläutert deren Umweltbeauftragter Bernhard Gallus. Durch die Anschaffung zweier neuer Maschinen für das Druckzentrum in der Gutenbergstraße aber könne im Vergleich zu 2005 die gesamte Produktion heute mit rund 20 Prozent weniger Energie laufen.

Mit einem verbesserten Monitoring will Burda 2015 weitere Einsparpotenziale aufdecken. Parallel dazu laufen kleinere Maßnahmen, wie der schrittweise Ersatz der alten Leuchtkörper durch LED-Strahler, während sukzessive der Gebäudebestand wärmetechnisch auf den neuesten Stand gebracht wird. »Aktuell sanieren wir gerade das Verwaltungsgebäude auf dem Altbau-Areal«, so Gallus.

Auf der Basis eines Umwelt- und Energie-Aktionsplans setzt das Unternehmen Hobart in Elgersweier – es ist ISO 14001/50001 zertifiziert – Maßnahmen zur Einsparung wertvoller Ressourcen um. Kern ist dabei das Energiedaten-Monitoring-System, mit dem Einsparaktionen ermittelt werden. »Um gut sieben Prozent konnten wir 2013 unseren Stromverbrauch, den wir vor zwei Jahren auf Ökostrom umgestellt haben, reduzieren«, berichtet Rüdiger Nübling, Management-Beauftragter für Umwelt und Energie. Dies wurde erreicht durch den Einsatz innovativer Heizungstechnologie in Produktionsgebäuden sowie der Einführung eines zentralen Druckluft-Managementsystems. Besonders stolz ist der Management-Beauftragte auf die 40-prozentige Reduzierung der Gefahrstoff-Vielfalt am Standort.

Auch in diesem Jahr hat sich die Firma wieder Einsparungsziele gesetzt, zum Beispiel die Installation wassersparender Dusch-Handbrausen und Mengenregler. Schon etwas länger gelte das Pappbecher-Verbot. Dadurch landen nicht mehr täglich 600 Wegwerf-Becher auf dem Müll. Stattdessen greifen die 700 Mitarbeiter nun zu Tassen und Keramikbechern.

Ressourcenschonender fährt Hobart darüber hinaus mit dem vor zwei Jahren eingeführten Elektro-Smart als Post- und Stadtauto. Zudem ist der Spültechnik-Hersteller Mitglied der »Eco-Werkstatt« der IHK Südlicher Oberrhein. »Auf diesem Forum gibt es alle drei Monate Beratung zur Implementierung aktueller Gesetzesvorgaben im Bereich Umwelt und Energie«, schätzt Nübling diese Austausch-Plattform als gute Anlaufstelle.

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Heizen mit Maschinen-Abluft
Bereits seit 1990 ist bei der Firma Kratzer umweltbewusstes Handeln angesagt, wofür laut Geschäftsführer Eckhard Bohn jährlich rund 250 .000 Euro investiert werden. Diese schlügen jährlich mit einer allgemeinen Energie-Einsparung um etwa fünf Prozent zu Buche, während die 2012 fertiggestellte Produktionshalle im Drachenacker keine externe Energie benötigt. »Wir heizen das Gebäude mit warmer Maschinen-Abluft aus anderen Produktionsbereichen, im Sommer nutzen wir das Grundwasser zum Kühlen, ohne es zu verbrauchen«, verdeutlicht Umweltbeauftragter Ulrich Irslinger die neu entwickelte Technik, die 30 000 Euro einspare. Um im Fertigungsprozess noch bessere Resultate zu erzielen, ist man gerade dabei, das vorhandene Energiemanagement-System nach der ISO Norm 50001  zu optimieren.

Das Symbol für Hansgrohes Umweltschutz-Aktivitäten ist der Solarturm. Seit 20 Jahren fließt der hier und aus der Solaranlage auf dem Werksdach gewonnene Strom in die Produktion im Elgersweierer Werk, sagt Sascha Schmalz, Nachhaltigkeitscontroller beim Badspezialisten. Die Firma arbeite kontinuierlich daran, den Energieverbrauch zu senken. Dabei kümmere sich der 2012 ins Leben gerufene Arbeitskreis »Energiewende« um die Optimierung der Prozesse, etwa durch die Isolierung von Schläuchen in der Kunststoffspritzerei und den Einbau von LED-Leuchtmitteln.

»Pro Jahr sparen wir dadurch rund 50 .000 Euro an Stromkosten«, sagt Schmalz. Derzeit stehen die Senkung der C02-Emissionen der ganzen Hansgrohe-Gruppe um 20 Prozent und der Wasserverbrauch um zehn Prozent auf der Agenda. »Dieses Ziel ist Teil unseres Businessplans und wir wollen es bis Ende 2014 erreichen«, informiert Schmalz. In Elgersweier hat das Unternehmen unter anderem alte Kompressoren und die Wärme-Isolierung der Kunststoffspritzguss-Maschinen ausgetauscht, wodurch jährlich über 200 Tonnen weniger Kohlendioxid in die Luft gepustet werden.

Wissenswert:

Kohlendioxid-Menge soll deutlich sinken
Bis zum Jahr 2020 will die Stadt Offenburg 17 Prozent der C02-Emissionen gegenüber 1990 bei Industrie, Verkehr, Handel, Gewerbe, städtischen Gebäuden und Haushalten einsparen. 2030 soll die Einsparung bei 35 und 2050 bei über 50 Prozent liegen. Speziell für den Sektor Industrie geht sie von einem C02-Minderungspotenzial von 13,2 und bei Handel/Gewerbe von 15,2 Prozent bis 2020 aus.  

Energiereduktion bei Unternehmen
Die internationale Norm ISO 50001 ist die weltweit erste gültige Norm zur Zertifizierung von Energiemanagementsystemen – auch in Deutschland. Ziel ist, die energiebezogene Leistung von Unternehmen und Organisationen kontinuierlich zu verbessern sowie deren Energieeffizienz und Energienutzung zu optimieren und die Kosten zu senken.

Das E-Werk berät Unternehmen
Das E-Werk Mittelbaden unterstützt Unternehmen darin, Energie klimaschonend und effizient einzusetzen. Wie Sprecherin Anthea Götz informiert, böten sich konkrete Maßnahmen etwa beim Lastmanagement, der Blindstromreduzierung und der Beleuchtungstechnik an. Das E-Werk berät zudem über Einsparmöglichkeiten und stellt Kontakte zu geeigneten Firmen her. Kunden, die Interesse am Bezug von Ökostrom haben, stehen Produkte mit verschiedenen Zusatzqualitäten wie TÜV-EE oder Ok-Power-Label zur Auswahl.

Aus klimaschonender Wald-Wirtschaft
Seit 2007 verfügt Burda Druck über die Produktkettenzertifikate »Forest Stewardship Council« und »Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes«.  Diese belegen gegenüber Kunden, dass die verwendeten Rohstoffe nachhaltig und klimaschonend aus vorbildlich bewirtschafteten Wäldern gewonnen werden. Überdies kann Burda seine Druckerzeugnisse bei verwendetem zertifiziertem Papier mit dem entsprechenden Logo kennzeichnen.                               

 

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