Neuried

Beinamputierte Flüchtlinge fahren Schäubles Handbike

Autor: 
Hans Geiger
Lesezeit 2 Minuten
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11. Oktober 2017

Rollstuhl-Übergabe bei der Tafel: Alamir Mahmoud Dahi (links) neben Ilse Herberg und Herbert Benetz, die Brüder Mohammed und Abdelmalek (rechts) und kleines Bild Dahi mit Veronika Kapp und Maritta Gutmann von der Offenburger Tafel. ©Hans Geiger

Ein Super-Einfall der Ohlsbacherin Veronika Kapp: Bei Minister Schäuble müssten sich noch Rollstühle finden, die zwei Mitgliedern ihrer syrischen Flüchtlingsfamilie weiterhelfen könnten, fand sie. Schäuble ließ sich nicht zweimal bitten und half den beiden Beinamputierten.

Nach einem halbjährigen Zwischenaufenthalt in Ohlsbach ist die achtköpfige syrische Flüchtlingsfamilie Dahi (wir haben am 18. April über sie berichtet) wieder nach Altenheim zurückgekehrt. Aus der heutigen Perspektive hat sich aus dem kurzen Aufenthalt eine wunderbare Perspektive entwickelt. Die Familie hat in Ohlsbach eine Patin gefunden, die sich ihrer annimmt, und ihre Freundin, eine Mitarbeiterin der Offenburger Tafel kennengelernt, die vor einiger Zeit eine brillante Idee hatte.
Rückblende: Die Familie Dahi ist aus der Hölle von Aleppo geflohen, wo Vater Alamir Mahmoud und der zweitälteste Sohn Abdelmalak schwer verwundet wurden. Ihnen wurde nach einer Bombenexplosion beide Beine oberhalb des Knies amputiert. Trotzdem, so beschreiben es Freunde der syrischen Familie, hätte sie nie den Kopf in den Sand gesteckt und immer positiv nach vorne geschaut. Wichtige Meilensteine waren für sie der Bezug der ersten eigenen Wohnung im Viehweider Weg oder die Anpassung von Prothesen, die den beinamputierten Männern zu neuer Beweglichkeit verhalf.
Der Einfall der Tafel-Mitarbeiterin bedeutet eine weitere Steigerung. Sie schlug vor, im Büro von Minister Wolfgang Schäuble nach einem Rollstuhl und Handbike nachzufragen. Der Bescheid war positiv. Am Montag wurden Spezialrollstuhl und Handbike bei der Offenburger Tafel am Unteren Mühlbach übergeben – ein Termin bei dem nur strahlende Gesichter zu sehen waren.  
Mit Radlern mithalten
»Dieser Rollstuhl wird unser Leben verändern«, flüsterte Abdelmalak und malte das Bild, wie seine Schwestern mit dem Fahrrad unterwegs wären und er oder der Vater sie mit dem Handbike begleiten könnten. Das Handbike dürfte dem ein oder anderen Ortenauer gut bekannt sein. Minister Schäuble sah man in früheren Tagen im Rebgelände des vorderen Kinzigtals in dem Gefährt trainieren. Auch Alamir und Abdelmalak machten sich mit der Technik ihres neuen fahrbaren Untersatzes vertraut, staunten nicht schlecht, ob der erreichten Geschwindigkeit und lernten die Bremsen zu schätzen. 
Auf ihrem flachen Altenheimer Heimatgelände wird die Benutzung von Handbike und Spezialrollstuhl für die Beinamputierten einfacher sein, als es im hügeligen Ohlsbach oder dem vorderen Kinzigtal wäre. Die Strecken nördlich und westlich der Herbert-Adam-Halle sind jedenfalls ideale Trainingsstrecken, um Schäubles Geschenke auf Herz und Nieren zu prüfen. Die dankbaren neuen Besitzer werden es sicherlich tun.

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