Premiere im Salmen gezeigt

Bewegender Film über drei Holocaust-Überlebende

Autor: 
Sandra Biegert
Lesezeit 4 Minuten
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24. Januar 2018
Die Filmemacher Robert Gücker und Daniela Schaffart von der Hochschule Offenburg nahmen Eva Mendelsson bei der Filmpremiere in ihre Mitte.

Die Filmemacher Robert Gücker und Daniela Schaffart von der Hochschule Offenburg nahmen Eva Mendelsson bei der Filmpremiere in ihre Mitte. ©Ulrich Marx

Nach Verfolgung, Hass und Deportation andernorts von vorne anfangen. »Home away from home – ein neues Leben in der Ferne«, ein Film von Robert Gücker und Daniela Schaffart von der Hochschule Offenburg, befasst sich genau damit. Drei Holocaust-Überlebende aus der Ortenau werden darin porträtiert. Am Dienstag wurde er im Salmen erstmals gezeigt. 

»Home away from home – ein neues Leben in der Ferne«, ein Film von Robert Gücker und Daniela Schaffart, hatte am Dienstag im Salmen seine Uraufführung. »Ich wage zu behaupten: keinen Tag zu früh«, so Carmen Lötsch, Leiterin des Fachbereichs Kultur. »Ich bin froh, dass dieses wichtige Zeugnis der Geschichte heute hier im Salmen veröffentlicht wird und wünsche diesem Film viele Zuschauer, die ihn mit offenem Herzen sehen und die daraus lernen.« 

Eine klare Haltung müsse auch heute noch jeder beziehen. Gegen die wenigen Lauten, die Menschen ausgrenzen, die anders sind. Gegen »Hate speech«. »Ich stelle fest, dass genau diese Haltung nicht mehr selbstverständlich ist.« Lötsch appellierte: »Jeder von uns sollte darüber nachdenken, was er selbst tun kann, um Menschlichkeit zu beweisen und um unsere Demokratie und die Menschenrechte zu pflegen und zu schützen.«

Ein Jahr lang gedreht

Die Filmemacher von der Hochschule Offenburg porträtieren in »Home away from home« die Lebensgeschichten von Inge Auerbacher, Eva Mendelsson und Kurt Salomon Maier. Alle drei sind in der Ortenau geboren, als Juden zur Zeit des Nationalsozialismus aufgewachsen und haben Deutschland während oder nach dem Krieg verlassen. Die Szenen im Film beruhen auf Begegnungen in Offenburg, Kippenheim, Göppingen, Gurs, London, New York und Washington. 

Inge Auerbacher wohnt heute in New York. Sie überlebte drei Jahre im Lager Theresienstadt. Kurt Salomon Maier lebt in Washington D.C., Eva Mendelsson in London. Beide wurden am 22. Oktober 1940 mit ihren Angehörigen nach Südwestfrankreich ins Lager Gurs deportiert. Die Familie Maier hatte Glück. Sie konnte das Lager 1941 verlassen und in die USA emigrieren. Eva Mendelsson und ihre Schwester wurden von einem jüdischen Hilfswerk gerettet und konnten nach Kriegsende zum Vater nach London ziehen, der es noch vor dem Krieg dorthin geschafft hatte. 

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Die Zeitzeugen gewähren Einblicke in ihr Leben. Wie sind sie als Kinder mit dem Erlebten unter nationalsozialistischer Herrschaft umgegangen? Wie präsent sind die Erinnerungen an Deportation und Lager? Wie geht es ihnen, nach über 70 Jahren? Der Fokus liegt auf ihrem heutigen Leben im Verhältnis zur Vergangenheit. Fühlen und denken sie immer noch »deutsch« nach all den Jahren oder sind sie ganz und gar in ihrer neuen Heimat angekommen?

Dem Publikum wird Einblick gewährt in drei Lebensläufe, die alle von Ausgrenzung und Verfolgung in der Kindheit geprägt waren, drei Menschen, die trotzdem weitergemacht haben und andernorts ein neues Leben begonnen haben. Den Zuschauern werden teils berührende Szenen geboten: Eva Mendelsson, wie sie über ihren Vater spricht. Einen Vater, der sich immer gut um sie und ihre Schwester gekümmert hat, den sie wegen der Entfremdung während der Kriegsjahre aber nie richtig kannte. 

Badewanne als Versteck

Inge Auerbacher, die ihrem Geburtsort Kippenheim immer verbunden sein wird. Die ihr altes Elternhaus besucht und von den neuen Bewohnern herzlich empfangen wird. Kurt Salomon Maier, ebenfalls in Kippenheim geboren, der sich an all den Hass erinnert. Er erzählt, wie er und seine Mutter sich während der Reichspogromnacht unter einer alten Badewanne versteckten.

Eva Mendelsson war bei der Uraufführung dabei. Sie kommt jedes Jahr für etwa eine Woche nach Offenburg, blieb aber nie länger als zehn Tage, wie sie in dem Film erzählt. Mendelsson lobte die Arbeit von Robert Gücker und Daniela Schaffart: »Sie haben etwas gemacht, das noch nie gemacht wurde – Sie haben nach unserem Leben gefragt und wie es weiter ging.« Die Veranstaltung endete mit einem Appell Medelssons an alle Zuschauer: »Kämpft, damit so etwas nicht noch einmal passiert!«
 

Info

Verleih

Der Film soll für die Bildung eingesetzt werden. Über den bundesweiten Verleih des Bundesverbands Jugend und Film soll er mit begleitendem Material, wie Arbeitsblättern, an die Schulen kommen. 

Hintergrund

Entstehung

Idee und Konzeption des Films sind über Jahre hinweg entstanden, wie Robert Gücker erklärte: »Wir hatten in Offenburg vielfältige Recherchemöglichkeiten für den Film, über Frau Mendelsson, das Museum oder den Salmen.« Die Dreharbeiten dauerten etwa ein Jahr.

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