Oberharmersbach-Zuwald

Bewunderung für die ratternde Säge

Autor: 
Inka Kleinke-Bialy
Lesezeit 3 Minuten
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27. Juli 2021
Die mit Wasserkraft betriebene Säge versetzte zahlreiche Zuschauer in Erstaunen.

Die mit Wasserkraft betriebene Säge versetzte zahlreiche Zuschauer in Erstaunen. ©Inka Kleinke-Bialy

Nach langer Corona-Zwangspause erwachte die Gallus-Säge in Oberharmersbach wieder zum Leben.

„Irre“, sagt eine Frau. Und verleiht damit der ehrfürchtig-staunenden Bewunderung auch der übrigen 17 Zuschauer Ausdruck – ob all dessen, was in der 1834 erbauten, wie dereinst per Wasserrad betriebenen Gallussäge im Zuwälder Tal zu sehen, zu hören, zu riechen und zu fühlen ist.

Gallusbauer Manfred Lehmann steht an diesem Freitag die Freude ins Gesicht geschrieben, dass er nun wieder seinem im Ehrenamt betriebenen Hobby nachgehen, den ganz und gar urtümlichen Besuchermagnet mit Leben füllen kann. Das erste Mal seit Beginn der Corona-Pandemie. Dabei unterstützt wird er inzwischen von seinem achtzehnjährigen Sohn Jonas.

Um sich verständlich zu machen, muss der 48-Jährige sehr laut reden, denn ob des vergangenen starken Regens ist der Bach ungewöhnlich hoch gefüllt. Entsprechend lärmend rauscht das Wasser in der Zulaufrinne, die das „oberschlächtige“ Wasserrad dank Druckwasserleitung von oben her speist und somit zum Laufen bringt. „Es ist, glaube ich, das erste Mal, seit ich hier Führungen mache, dass ich ohne die Hilfe des Elektromotors sägen kann“, erläutert Lehmann.

Sage und schreibe insgesamt 60 Wasserräder waren in Oberharmersbach bis in die 1920er-Jahre in Betrieb, verloren dann aber durch den Anschluss an das öffentliche Stromnetz allmählich an Bedeutung.
Bei der Gallussäge war es in den 1950er-Jahren, dass ein Elektromotor eingebaut, die wiesendurchnässende Wasserzuleitung „zugeschoben“ und das Wasserrad mit seiner imposanten Höhe von 4,5 Metern stillgelegt wurde.

Nur noch Lohnsäge

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In diesem Modus war die alte Bauernsäge noch bis 1970 als Lohnsäge im Einsatz: „Das Holz wurde aus dem Wald hierhergeschafft, in Bretter gesägt und weiterverkauft“, erklärt Lehmann. Dann aber stampfte und ratterte die Säge nur noch für den Eigenbedarf, an wenigen Tagen im Jahr.

Anno 1992 schlossen sich die Familie Lehmann, die Gemeinde Oberharmersbach und der Historische Ortsverein zusammen, um das historische Wasserrad samt Säge zu renovieren.

2014 schließlich ersetzte man das nun endgültig verfallene hölzerne Rad durch eines aus Metall. Zudem wurde die Säge mithilfe von Infotafeln, einer per Bewegungsmelder aktivierten Beleuchtung sowie Sicherheitsabsperrungen so hergerichtet, dass Gäste sie im Alleingang besichtigen können.

Ungleich intensiver die Eindrücke, wenn man die Gallussäge in Aktion erlebt. Wenn man beispielsweise sieht und hört, wie die Kraft des Wassers auf riesige Zahnräder übertragen wird, die wiederum das Sägegatter in Bewegung setzen. Wenn man spürt, wie der Holzbohlenboden unter den Füßen bebt. Und wenn man das gesägte Holz riecht, dazu das Fliegen der Sägespäne.

Das nächste Schausägen in der Gallussäge im Zuwälder Tal findet am Freitag, 30. Juli, um 16.30 Uhr statt.

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