Offenburg

Botschafter der Mundart lebt nicht mehr

Autor: 
Ursula Groß
Lesezeit 3 Minuten
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08. November 2014

©Peter Link

Mit dem Tod des Offenburgers Rudolf Vallendor ist am Donnerstag eine der herausragenden Stimmen der heimischen Mundart verstummt. Der Vater sei sanft im Alter von 96 Jahren entschlafen, nachdem ihn die körperlichen Kräfte verlassen hatten, schildert die Familie. Bis zuletzt sei er geistig hellwach geblieben, habe Anteil an allem genommen.

Offenburg. Rudolf Vallendor hat ein Leben lang als Autor und Herausgeber von 39 Büchern, unzähligen Gedichtbänden, pointierten und humorigen Glossen und Zeitberichten wie kaum ein anderer die Menschen und das Geschehen seiner geliebten Heimat authentisch porträtiert. »Als Botschafter in Sachen Kulturgut Mundart« ist ihm die Verleihung der Landesehrennadel zum 85. Geburtstag zuteil geworden.
»Sieh ebs Guets«
Der »Ähni« (Großvater) war im Stadtbild präsent. Wenn er es sich, zuletzt mit Gehhilfe, nicht nehmen ließ, seine Runde über den Wochenmarkt zu drehen, kamen von allen Seiten Grüße oder ein herzliches Dankeschön. Denn der schon Hochbetagte verstand es, den Leuten für alle Lebenslagen einen schönen Sinnspruch mitzugeben oder eine freundliche Zuwendung. »…nimm de Tag, so wie er ’s bringt, au wenn’s schwer fallt, sieh ebs Guets«, war Rudolf Vallendors Lebensphilosophie keineswegs schlicht oder gar gemütlich-bieder. Er schöpfte aus einem tiefen Glauben und wohl-reflektierter Lebenserfahrung.
Rudolf Vallendor wurde in Baden-Baden geboren und wohnte »seit meinem siebten Lebenstag«, wie er oft schmunzeln konnte, in der Zeller Straße in der Oststadt. Nach dem Krieg kam er Mitte 1945 aus englischer Gefangenschaft zurück und war fast drei Jahrzehnte als Geschäftsführer der Eisenbahnergewerkschaft tätig, zuletzt bis zur Pensionierung als technischer Inspektor bei der Bahn.
Die Heimat der Seele
Das Schreiben aber war ihm die Heimat der Seele geworden. Ob in Hochdeutsch oder in Niederalemanisch, sind seine Werke längst zum Kulturschatz der Stadt geworden. Er war Mitbegründer der Offenburger »Muettersproch-Gsellschaft«. Einem großen Leserpublikum wurde Vallendor zudem als Glossenschreiber des Offenburger Tageblatts bekannt. Noch zu seinem 95. Geburtstag hatte er ein Buch mit dem Titel »Fanal« herausgegeben, das mit Bildern seiner Tochter Ros­witha illustriert ist. Ein tiefes Mitfühlen für die Leiden der Kinder im Zweiten Weltkrieg scheint in seinem Buch »Pater Lukas« auf. Es beschreibt das Schicksal eines Ruhrgebietskindes, das sich als Hirtenbub im Schwarzwald verdingen musste. Ein Hirtenbub war Vallendor selbst einmal, daher trägt die Geschichte zum Teil autobiografische Züge.
Vorträge gehalten
Der christliche Glauben bedeutete ihm eine feste Burg. Mit seinem Bruder Reinhold gründete Rudolf Vallendor nach dem Krieg die Kolpingfamilie Offenburg. Von der Katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB) wurde er für seine Verdienste im kirchlich-sozialen Wirken mit der Bischof-Ketteler-Medaille ausgezeichnet – benannt nach dem »Arbeiterbischof« Wilhelm Emmanuel Freiherr von Ketteler. Für diese Vereinigung hat Vallendor über Jahrzehnte Broschüren und Vorträge verfasst.
Führungen geleitet
Seine Heimatverbundenheit wurde auch von der Althistorischen Narrenzunft mit der Silberehrennadel gewürdigt. Viele Jahre hat der engagierte Vallendor Führungen durch Offenburg, Straßburg und das Oberelsass geleitet. Die Familie, Sohn Roman und Tochter Roswitha mit ihren Familien, trauert um den Vater und Opa.  Ehefrau Martha Vallendor, geborene Böhm, ist im Jahr 2006 verstorben.
◼   Die Trauerfeier mit Aussegnung findet am Mittwoch, 12. November, 11 Uhr, auf dem Stadtfriedhof Weingarten statt.

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