Alles nach historischem Vorbild

Bühler Feuerwehrspritze von 1868 wird restauriert

Autor: 
Martin Röderer
Lesezeit 3 Minuten
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28. März 2020

Die historische Feuerwehrspritze noch vor der Restaurierung vor dem alten Bühler Feuerwehrhaus – sie wird gezogen von zwei PS, wie es in früheren Zeiten üblich war. ©Martin Röderer

Ein Kleinod schlummert in der Werkstätte: Die historische Bühler Feuerwehrspritze von 1868 wird restauriert. Dabei ist Maßarbeit gefragt.
 

Die historische Feuerwehrspritze der ehemals selbständigen Abteilung Bühl soll für die Nachwelt erhalten bleiben. Umfangreiche Restaurierungsarbeiten sind dazu nötig, welche bereits begonnen haben und im Laufe des Jahres fortgesetzt werden sollen.
Im Materiallager der Blechnerei Wörnert in Windschläg steht seit einiger Zeit die historische Spritze der Bühler Feuerwehr. Sie wartet darauf, wieder voll in Funktion gesetzt zu werden, damit die Wehrmänner mit ihrer historischen 
Löschübung die Zuschauer in Erinnerung schwelgen lassen können. Umfangreiche Arbeiten an Holzteilen wurden bereits ausgeführt, nun geht es an den Endausbau. „Die Wasserwanne wird mit Blech neu ausgekleidet, das ist eine difficile Arbeit, es sind viele Ecken und Kanten zu überziehen, Maßarbeit ist angesagt“, so Bernhard Immenschuh, der Inhaber der Blechnerei. 

Die Arbeit wird Chefsache sein, da alles nach historischem Vorbild ausgeführt werden soll. Momentan sind die Arbeiten am Stocken, dies hat zweierlei Gründe. „Bei Tagen mit zehn Grad minus im Verlauf des Winters wäre eine Realisierung kein Problem gewesen, wir hatten aber keinen Winter und konnten auf den Baustellen durcharbeiten, da war natürlich die Bedienung der Kunden vorrangig“, so Immenschuh. 

Keine Ersatzteile

Der Handwerksmeister rechnet mit runden 50 Stunden Zeiteinsatz für die alte Feuerwehrspritze und die müssen erst einmal nach der Hauptarbeit geleistet werden. Der zweite Grund liegt darin, dass das historische Bodenventil beschädigt ist. „Ich bin mir noch nicht ganz schlüssig über die Ausführung, ob eine Reparatur oder eine Ersatzbeschaffung erfolgt“. Der Tüftler befürchtet, dass ein Ersatzteil nicht mehr aufzutreiben ist.

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Das ist nicht verwunderlich bei dem Alter der historischen Spritze, deren Anschaffung 1868 beschlossen wurde und die heute rund 150 Jahre „auf dem Buckel“ hat. Zur damaligen Zeit hatte sich nach mageren Jahren die Bühler Gemeindekasse erholt. 
Der Gemeinderat beschloss auf einer Bürgerversammlung, bei der 57 von 64 Stimmberechtigten anwesend waren, beim Freiburger Mechanikus Kirch eine neue Feuerspritze anfertigen zu lassen. 1000 Gulden sollten hierfür ausgegeben werden, das Dorf Bühl verfügte damit über eine für die damalige Zeit moderne Feuerspritze. 

Eine Feuerwehr-Mannschaft wurde dann 1874, wenige Jahre nach Anschaffung der Spritze, gebildet, sie war gesetzlich vorgeschrieben (siehe „Info“). Hierbei hatte es sich um besonders zuverlässige und gediente Männer zu handeln.
Wie viele Brände mit der Spritze gelöscht wurden, hierüber liegen keine Erkenntnisse vor. Klar war jedoch für die heutigen Feuerwehrkameraden aus Bühl, dass die Spritze, nachdem die Technik Einzug gehalten hatte, erhalten bleibt. Nachdem der „Zahn der Zeit“ an ihr genagt hatte, ging es vor einiger Zeit ans Werk. Die Spritze wurde total zerlegt, dann zunächst der Holzaufbau originalgetreu erneuert. 

Heimattage 2022

Nach der Montage der Blechverkleidung erfolgt der Anstrich, auch hier will man sich an das Original halten. „Hier suchen wir uns Hilfestellung beim Feuerwehrmuseum in Salem“, so Karl Schmider, langjähriger Schriftführer der Bühler Feuerwehr. „Bis zu den Heimattagen 2022 in Offenburg sollen die Arbeiten spätestens beendet sein“. 

Rolf Fröhlich, der ehemalige Kommandant der Bühler Feuerwehr, gibt dieses Fernziel vor. Dann werden sicherlich wieder viele Zuschauer die historische Löschübung verfolgen können, die in den zurückliegenden Jahren von den Bühler Floriansjüngern des öfteren durchgeführt wurde. Mit zwei PS vor die Spritze gespannt, mit acht Pumpern und so vielen Wasserträgern mit Löscheimern als möglich, auch aus den Reihen der Schaulustigen.

Hintergrund

Die Bühler Feuerwehr-Mannschaft 1874

◼ Ladungsmannschaft an der Spritze: Wilhelm Neff (Hauptmann), Max Broß, Karl Bürkle, Benjamin Fröhlich, Xaver Gaß, Ludwig Geist, Xaver Herzog, Bartholomä Joggerst, Mathias Joggerst II, Mathias Joggerst III, Erwin Kugler, August Lurk, Philipp Lurk, Peter Oehler, Lorenz Ockenfuß, Johann Sachs, Karl Sachs, Fridolin Schrempp, Hermann Schmider, Berthold Schuh, Wilhelm Seigel, Wilhelm Wolter. 
◼ Wasserträger: Theodor Fischer (Obmann), Wilhelm Broß, Xaver Eggs, Karl Flittbauer, Lorenz Joggerst, Fritz Kamerer, Lorenz Sachs, Erhard Schuh, Georg Wenkert. 
◼ Austräger: Egid Pfeiffer (Obmann), Simon Broß, Anton Kern, Wilhelm Stolzer, Johann Stutz. 
◼ Steigmannschaft: Eduard Oehler (Obmann), Hugo Bieser, Karl Vollmer, Franz Wenkert. 
◼ Feuerreiter: Andreas Joggerst nach Offenburg, Leo Link nach Griesheim, Karl Fischer nach Bohlsbach, Johann Lober nach Weier.                     roe

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