Zeitgeschichte

Das jüdische Leben von Diersburg

Lesezeit 3 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
02. September 2019

Bernd Rottenecker führte die Interessierten unter anderem auf den jüdischen Friedhof von Diersburg. ©Klaus Krüger

Bernd Rottenecker vom Historischen Verein führte die 50 Interessierten am Sonntag zu den Stätten jüdischen Lebens in Diersburg. Anlass war der europäische Tag der jüdischen Kultur. Es war eine anekdotenreiche und nachdenklich stimmende Zeitreise.

Zum 20. Mal führte Bernd Rottenecker vom Historischen Verein Hohberg Interessierte kenntnisreich zu einem versunkenen Diersburg: 200 Jahre lang lebten hier Juden mit Christen gemeinsam, unter dem Schutz der Familie Roeder von Diersburg und seit 1862 in Baden rechtlich den Christen gleichgestellt. Die Judenemanzipation beendete den Antisemitismus jedoch nicht. Bernd Rottenecker sagte es so: »Der Antisemitismus war da, wo die christliche Kirche war.« 
Die Nazis verschleppten die jüdische Gemeinde schließlich am 22. Oktober 1940 und löschten sie aus.

200 Jahre

Es gab für zweimal 100 Jahre drei Konfessionen, drei Gasthäuser (auch ein jüdisches, den Badischen Hof) und drei Kirchen im Ort. Und vor allem drei Friedhöfe, für gläubige Juden war ihr Bet-Olam (Haus der Ewigkeit, also der Friedhof) das Wichtigste; wichtiger noch als die Synagoge, wie Bernd Rottenecker erläuterte. Die gab es in Diersburg natürlich auch, in der Judenstadt (Strittmatt), wenn sie auch von außen eher unscheinbar war.

- Anzeige -

Der Historiker und Lehrer versorgte seine Zuhörer mit einer Menge an Fakten, alle kurzweilig und anekdotenreich serviert. Und er zeigte die Stätten in Diersburg, die mit dem Judentum zusammenhängen. Beginnend am Rathaus mit der Stele, auf der drei Fenster aus dem Sitzungssaal des Rathauses abgebildet sind – für jede der Konfessionen einzeln. Weiter ging es zum ehemaligen Badischen Hof und dann in die Strittmatt – in der »Judenstadt« standen einst eine Handvoll Häuser mit jüdischem Bezug; auch die unscheinbare Synagoge war hier und die Judenschule. 

Die nahm Rottenecker zum Anlass, über die profunde Bildung gläubiger Juden zu philosophieren, zu der natürlich auch Hebräisch gehörte. Und wie viel Deutschland mit der Vernichtung und Vertreibung seiner Juden verlor, zeigen zwei Zahlen: 1933 lebten 500 000 Juden im Land (zum Vergleich: drei Millionen in Polen), aber von den 33 deutschen Nobelpreisträgern zwischen 1919 und 33 waren elf Juden. Den Abschluss der Zeitreise bildete der Friedhof mit seien 220 Gräbern. Bernd Rottenecker gab profund Auskunft über dessen Belegung, die gezeigten Symbole und die Formen der Grabsteine. Ein jüdisches Grab bleibt im Verständnis der Religion bestehen, bis der Messias kommt. Bernd Rottenecker freute sich über das überraschend hohe Interesse an dem Thema und beantwortete geduldig alle Fragen. Und Lucien Mutzig, der Vorsitzende des Historischen Vereins, wies noch auf ein Buch zum Thema hin:

◼ Diersburg, die Geschichtee einer jüdischen Landgemeinde 1738 bis 1940. Historischer Verein Mittelbaden, Mitgliedergruppe Hohberg. Erhältlich unter anderem auf der Gemeindeverwaltung Hohberg.

Weitere Artikel aus der Kategorie: Offenburg

vor 2 Stunden
Zunftmeister Schaller im Interview
Am Schmutzigen Donnerstag ab 20 Uhr steigt in der Abtsberghalle in Zell-Weierbach der ­Hexenball der Offenburger Hexenzunft. Wieder einmal haben wir im Vorfeld vergeblich versucht, Zunftmeister Sven Schaller zu entlocken, wer gestempelt wird. Aber wir haben immerhin einige Hinweise erhalten....
vor 3 Stunden
Hohberg - Hofweier
Viele Interessierte Eltern und Schüler folgten freitags der Einladung der Gemeinschaftsschule Hohberg und besuchten den Infotag der Schule, um das facettenreiche Angebot der Schule näher kennenzulernen. 
vor 4 Stunden
Hohberg
Der Gemeinderat tat sich am Montag schwer mit manchem einmaligen Zuschussantrag der Vereine. Manches lehnte er ab. Die Bitte von Rat und Verwaltung: Vorher fragen.
vor 4 Stunden
Offenburg
Das Sanierungsgebiet „Bahnhof – Schlachthof“ bietet neue Möglichkeiten der Stadtentwicklung. Um das Bahnhofsquartier drehte sich alles am Dienstagabend bei einem Bürgerdialog im Salmen. Die etwa 150 Teilnehmer brachten ihre Wünsche, Ideen und Meinungen ein. 
Die Müller Offenburg Steeltec GmbH hat Insolvenz beantragt.
vor 5 Stunden
Offenburger Traditionsfirma
Ein Offenburger Traditionsunternehmen ist zahlungsunfähig: Die Müller Offenburg Steeltec GmbH, früher bekannt als Stahlbau Müller, hat Insolvenz beantragt. Es ist bereits die dritte Insolvenz des Unternehmens nach 2008 und 2013. Dennoch sind die Verantwortlichen optimistisch.
vor 5 Stunden
PS-Gala der Sparkasse
Frauenpower pur bei der PS-Gala der Sparkasse: Anita und Alexandra Hofmann präsentierten am Dienstagabend eine viefältige Show in der vollbesetzten Oberrheinhalle. Vom Musical über Schlager und Pop bis hin zum Boxkampf erstreckte sich das emotionale Showprogramm. 
vor 8 Stunden
Gemeinderatsbeschluss
In Ohlsbach fehlen ab dem Kindergartenjahr 2020/21 Plätze für 14 Kinder. Kurzfristig lässt sich dieser Bedarf vermutlich nur über eine Containerlösung, ähnliche der in Ortenberg, decken. Der Gemeinderat denkt aber über einen Anbau nach. Und der Start des Waldkindergartens könnte sich verzögern.
vor 8 Stunden
Verfrühte Fasnachtsferien am Offenburger Grimmels?
Fehlalarm am Grimmelshausen-Gymnasium in Offenburg: Wegen eines möglichen Gas-Austritts waren Feuerwehr und Polizei am Mittwochmittag ausgerückt. Nun gab es Entwarnung: Gas-Kartuschen waren ordnungsgemäß entsorgt worden – eine Reinigungskraft wurde auf den Geruchs aufmerksam. 
vor 10 Stunden
Offenburg
Bei einem Arbeitsunfall zog sich am Dienstagnachmittag ein 22 Jahre alter Mann in Offenburg so schwere Verletzungen zu, dass er zur weiteren Behandlung durch den Rettungsdienst in eine Klinik gebracht werden musste.
vor 11 Stunden
Kammermusikensemble gastierte
Die Konzertmatinee des Ortenauer Kammermusikensembles bescherte den Besuchern am Sonntagvormittag einen abwechslungsreichen musikalischen Genuss.   
vor 11 Stunden
Landesgartenschau 2034
Der Klimawandel wird auch Offenburg immer mehr treffen mit mehr Hitze und einer höheren Schneefallgrenze. Sebastian Glink, Meteorologe aus Offenburg, weiß jedoch, wie eine Landesgartenschau die Folgen zumindest abmildern könnte.
vor 14 Stunden
Prozess "Älter werden in Offenburg"
In den nächsten fünf Jahren sollen mehr Ruhebänke in und um Bühl aufgestellt werden. Warum und wie – darüber hat der Ortschaftsrat beraten.

Das könnte Sie auch interessieren

- Anzeige -
  • Paaaaaarty! Kehl Marketing lädt auf den Fasentssamstag zum Gammlerball in die Stadthalle ein.
    14.02.2020
    Feiern, tanzen, Freunde treffen
    In Kehl bleibt es beim närrischen „Gammeln“ am Fasentssamstag – die Terminverschiebung vom Schmutzigen auf den Fasentssamstag vergangenes Jahr hat sich bewährt: Diesmal steigt die Riesenfete am 22. Februar. Saalöffnung ist um 19 Uhr. 
  • 14.02.2020
    Achern
    Kaminöfen spenden nicht nur wohltuende Wärme, sondern verwandeln das Wohnzimmer auch in einen gemütlichen und romantischen Ort. Bei Süd-West-Kachelofenbau in Achern wird der Kunde vom ersten Treffen bis zur Fertigstellung des Traumofens bestens betreut. 
  • Hauskauf ist Vertrauenssache: Mit einem guten Makler kommen nicht nur Familien in die eigenen vier Wände.
    11.02.2020
    Mit dem Makler auf der sicheren Seite
    Standort, Zustand, reelle Bewertung, Verkaufsstrategie, Expose, Verkaufsverhandlung und Notartermin – auch wenn der Markt für gebrauche Immobilien seit Jahren enorm in Bewegung ist, die Preise auch hier klettern, kann es fatal sein, die „Entscheidung des Lebens“ selbst in die Hand nehmen zu wollen...
  •  Der Freizeitpark "Funny World" in Kappel-Grafenhausen ist mit mehr als 50 Attraktionen ein ideales Ausflugsziel für groß und klein.
    07.02.2020
    Spiel, Spaß, Abenteuer in Kappel-Grafenhausen
    Der In- & Outdoor-Familienpark in Kappel-Grafenhausen wartet auch in diesem Jahr mit neuen Attraktionen, Workshops und vielen weiteren Aktivitäten für die gesamte Familie auf. Im Funny World können Kinder und Eltern ganzjährig einen Tag voller Spiel, Spaß und Abenteuer erleben.