Serie Mythos Hukla (4)

Das tägliche Verkehrschaos an Bergers Eck in Gengenbach

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Redaktion
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14. Mai 2021
Schichtwechsel bei Hukla bedeutete für die Stadt morgens und abends ein Verkehrschaos, vor allem an Bergers Eck. Die Autos stauten sich in der Leutkirchstraße bis an die Fabrik. War dann noch die Bahnschranke geschlossen, gab es kein Durchkommen mehr.

(Bild 1/3) Schichtwechsel bei Hukla bedeutete für die Stadt morgens und abends ein Verkehrschaos, vor allem an Bergers Eck. Die Autos stauten sich in der Leutkirchstraße bis an die Fabrik. War dann noch die Bahnschranke geschlossen, gab es kein Durchkommen mehr. ©Stadt Gengenbach

Keine Firma hat Gengenbach so stark geprägt wie „Die Hukla“. So wird das nicht mehr existente Unternehmen noch heute genannt. Das nimmt das OT zum Anlass für eine achtteilige Serie, die den Bogen von den Anfängen bis in die Jetzt-Zeit spannt.

Es war ein goldenes Zeitalter für die Stadt Gengenbach. Hukla beschäftigte in den Glanzzeiten rund 6000 Mitarbeiter weltweit, davon rund 2500 in Gengenbach. So wuchs das Gelände in der Leutkirchstraße ständig.

Betrug die Betriebsfläche der Hukla 1950/51 rund fünf Hektar, waren es zehn Jahre später schon zwölf und zur Blüte annähernd 25 Hektar. Der überbaute Raum hat sich von einst 8000 Quadratmetern mehr als verzehnfacht. Aus dem kleinen Werkzeugbaubetrieb entstand der größte, belegschafts- und leistungsstärkste Betrieb innerhalb der Postermöbelherstellung weltweit.

Doch damit verbunden war auch ein immer stärker werdender Liefer- und Individualverkehr, vor allem bei Arbeitsbeginn und Schichtwechsel bei Hukla. Schon Anfang der 1980er-Jahre arbeitete die Stadt Gengenbach an einem Verkehrskonzept.

Es gab damals ein rotes und ein blaues Heft der Stadtverwaltung, in denen der damalige Bürgermeister Jürgen Eggs (1980 bis zu seinem Tod im Jahr 1996) die Problemlage drastisch schilderte: „Kritische innerstädtische Verkehrsknotenpunkte wie Bergers Eck sind für Anwohner, Besucher und Kfz-Fahrer ein ständiges Ärgernis.“

Guter Rat schon damals teuer

Guter Rat war aber teuer, zumal die Emotionen in der Stadt hochkochten, weil Eggs zudem die Haupt- und Victor-Kretz-Straße verkehrsberuhigt haben wollte, vor allem aber Bergers Eck. „Machen wir uns nichts vor: Nur die Verbindung von Bahnhof- und Friedrichstraße ist als einzige wirksame und realistische Maßnahme zu sehen“, war er überzeugt. Eine Shell-Prognose hatte zu dieser Zeit für die 1990er-Jahre an Bergers Eck 16 000 Fahrzeuge täglich prognostiziert.

Eine Idee war, den aus Richtung Offenburg kommenden Verkehr durch die Bahnhofstraße (Einbahnstraße) zur Friedrichstraße zu führen, in der Gegenrichtung über die Leutkirchstraße, die ebenfalls Einbahnstraße werden sollte. Im Gespräch war damals schon die Nordspange, die Berghaupten mit Gengenbach verbindet.

Bürgermeister Jürgen Eggs sah in ihr zwar nur eine geringe Entlastung von Bergers Eck um 2500 Fahrzeuge täglich, erachtete sie trotz damals unklarer Finanzierung für sinnvoll wegen des Anschlusses an ein mögliches Gewerbegebiet „Berghauptener Feld“ (dem heutigen Interkommunalen Gewerbegebiet Kinzigpark I).

Die Stadt kaufte damals den Bereich der Bahnhofsgaststätte. Es gab Überlegungen, hier ein stadtnahes Parkdeck zu bauen. Doch gegen die Pläne, die Bahnhofstraße, egal in welcher Form, für den Verkehr auszubauen, hatte sich enormer Widerstand in Form der „Bürgerinitiative Bahnhofsviertel“ gebildet. Triebfeder waren damals Christa und Herbert Indruch.

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2000 Unterschriften

Diese sammelten 2000 Unterschriften für den Erhalt der Bauwerke und Bäume in der Bahnhofstraße und plädierten vehement dafür, die Nordspange zu favorisieren. Mit einer Trassierung der Bahnhofstraße würde Gengenbach einen Großteil seines Gesichts verlieren, sich aber die Verkehrssituation an Bergers Eck nicht wesentlich verbessern.

Denn der eigentliche Knackpunkt sei der Bahnübergang mit geschlossenen Schranken. Die für den Verkehr ausgebaute Bahnhofstraße würde nur Staulücken schließen, aber keinen besseren Verkehrsfluss bringen, lautete ein Argument der Bürgerinitiative damals. Aus dieser entstand übrigens 1994 die Grüne Liste Gengenbach. Christa Indruch, die völlig überraschend am 28. Oktober 2019 verstorben war, hatte diese mitbegründet.

Die Bahnhofstraße blieb bis heute unverändert. Sie führt direkt an das abgeschlossene Gelände der Firma Hukla. Die Planung der Nordspange (siehe Hintergrund links), deren erste Ideen bereits in die 1960er-Jahre reichten, begann schließlich im Jahr 1998.

Eingeweiht und für den Verkehr freigegeben wurde diese im Jahr 2007. Zu diesem Zeitpunkt war die Firma Hukla bereits in die Insolvenz gegangen, und zwar 2004. Was sich aber bestätigt hat, war der Weitblick zu Hukla-Zeiten im Hinblick auf das damals nur als Idee kursierende Gewerbegebiet Kinzigpark I.

Wenn man heute Hans Peter Berger, der am 6. März seinen 81. Geburtstag feierte und noch immer im Schreibwarengeschäft aktiv ist, fragt, wie sich die Verkehrssituation damals und heute darstellt, dann findet er eine salomonische Antwort. „Vielleicht ist sie noch etwas besser als früher. Manchmal habe ich aber den Eindruck, dass es kaum noch einen Unterschied zu damals gibt.“

Knackpunkt bleibt der Bahnübergang

Denn er gibt zu bedenken, dass nach der Insolvenz der Firma Hukla zwar der Werks- und Feierabendverkehr deutlich geschrumpft ist. Andererseits habe in den Jahren danach aber die Zahl der Autos auf den Straßen generell zugenommen.

Der eigentliche Knackpunkt ist immer noch der Bahnübergang, den es seit 1866 mit der Inbetriebnahme der Schwarzwaldbahn gibt. So lange dieses Problem nicht gelöst ist, wird sich der Verkehr an Bergers Eck zeitweise immer wieder stauen, vor allem bei geschlossenen Schranken. Daran wird sich nach Lage der Dinge auch in den nächsten Jahrzehnten nicht viel ändern.

Ein Dossier zu diesem Thema finden Sie unter: www.bo.de/hukla

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