»Kasimir und Karoline« von Ödön von Horváths

Das »Theater im Gewölbe« bringt Liebesballade auf die Bühne

Autor: 
Regina Heilig
Lesezeit 2 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
23. Februar 2018

Eine Szene aus dem Stück »Kasimir und Karoline«: Die Maskenträger stellen die amorphe Masse der Festbesucher dar. Das Offenburger »Theater im Gewölbe« bringt das Stück von Ödön von Horváth im Salmen auf die Bühne. ©Iris Rothe

Eintauchen in das Menschengetümmel: Am kommenden Mittwoch, 28. Februar, feiert das »Theater im Gewölbe« mit Ödön von Horváths Liebesballade »Kasimir und Karoline« Premiere. Weitere Vorstellungen sind am 1. und 2. März.

Dafür, dass seit der Uraufführung fast 90 Jahre vergangen sind, schneidet Ödön von Horváths Theaterstück über ein wie griechische Tragödienhelden zum Scheitern verurteiltes Liebespaar verblüffend brandaktuelle Themen an. Da wären die Flucht vor sich selbst im Getümmel der Menschenmenge, das schale Heilsversprechen grenzenlosen Amüsements oder die seelischen Verheerungen, die angerichtet werden, wenn finanzieller Vorteil die wahre Liebe aus dem Feld schlägt – und jeder das als selbstverständlich hinnimmt.

Als Ödön von Horváth »Kasimir und Karoline« schrieb, wählte er als Schauplatz das Münchner Oktoberfest, den ultimativen Fest-Moloch jener (und unserer) Tage. Aber ob er sich hätte vorstellen können, zu welcher Monströsität diese Gaudi über die Jahrzehnte noch anwachsen würde? Für die Regisseurin des »Theaters im Gewölbe«, Miriam Lemdjadi, war die Umsetzung der Atmosphäre und Stimmung des Festes eine Herausforderung. 

Im Wechselspiel

- Anzeige -

Sie meistert diese, indem sie dem Schauspiel die vier Ausdrucksformen Maskenspiel, Tanztheater, Gesang und schließlich Film zur Seite stellt. »Das Festvolk-Geschehen, das Getümmel, ist immer mit auf der Bühne, und die handelnden Personen treten aus der Masse heraus«, beschreibt sie. »Im Stück kommen auch alte Volkslieder vor, aber natürlich nicht in einer Eins-zu-Eins-Schunkelversion, sondern in einem Wechselspiel zwischen Ernst und Ironie, Illusion und Wirklichkeit.« 

Miriam Lemdjadi hat ihre neun Schauspielerinnen und Schauspieler mit einem Reality-Schock auf das Setting vorbereitet, und zwar mit dem gemeinsamen Besuch des Volksfestes »Canstatter Wasen« – samt integrierter Probe. »Die Darsteller hatten die Aufgabe, sich einen Archetyp ihrer Person auf dem realen Festplatz herauszusuchen und sich bestimmte Züge, wie etwa das Bewegungsmuster, einzuprägen«, erläutert die Regisseurin. Auch wurden auf dem wimmelnden Festplatz die Filmsequenzen gedreht, die teilweise als »bewegte Bilder« das Bühnenbild formen. 

Flucht aus der Realität

Der Rausch, zentrales Thema des Stücks, ist für die Protagonisten einer der Wege, aus der düsteren Realität zu fliehen. »Aber die Situation der Welt und sein persönliches Leben lassen das Individuum nicht los – und so wird das Erwachen umso ernüchternder. Es wartet der große Abgrund, wenn nach der Ekstase die Seifenblasen zerplatzen.« 

Info

Vorstellungen und Kartenverkauf

Vorstellungen sind am Mittwoch, 28. Februar, sowie am Donnerstag, 1., und Freitag, 2. März, um 20 Uhr im Salmen. Karten gibt es im Bürgerbüro am Fischmarkt oder auf www.reservix.de

Weitere Artikel aus der Kategorie: Offenburg

vor 10 Stunden
Junge Musiker unterhalten prima
Sie haben den Mut, vor einem Publikum zu spielen; und das auch noch gut und schwungvoll: Die Kinder und Jugendlichen des Vorspielnachmittags in Langhurst begeisterten wieder die Besucher und die Verantwortlichen des Musikvereins Langhurst.
Beim Weihnachtsbasar am 30. November 2019 wurde für das Hilfsprojekt in Kenia gesammelt.
vor 13 Stunden
19 000 Euro für Kinder in Kenia
Afridunga sagt Danke für die große Unterstützung durch die Kaufmännischen Schulen: 19 000 Euro waren im Rahmen des Weihnachtsbasars 2019 zusammengekommen, die nun dem Förderverein für seine Projekte in Kenia helfen.
vor 15 Stunden
Offenburg
Im Offenburger Stadtgeflüster geht es heute unter anderem um inflationäre Blitzer und verhexte Berichte in der Bild-Zeitung über die Offenburger Hexenzunft.
vor 20 Stunden
3500 Hästräger
3500 Hästräger aus 100 Zünften werden erwartet: Am Sonntag steigt der große Jubiläumsumzug der Kinzigtalhexen in Elgersweier. Die Zunft feiert ihr 11-jähriges Bestehen. 
vor 21 Stunden
Der Schutterwälder an sich
Der Schutterwälder an sich hat es lieber richtig warm und freut sich in seiner aktuellen Kolumne jetzt schon aufs Frühjahr. Außerdem hat er einen Obstbauern bei der Arbeit getroffen – Anlass genug für ihn, einmal kritisch auf diverse Produkte im Supermarkt zu schauen.
vor 23 Stunden
Narrenfahrplan
Die „Muhrbergdachse“ auf neuen Wegen: Das ist der Narrenfahrplan der Bühler Narrenzunft. Gesucht wird in diesem Jahr der „Dorfdeko-Meister“.
Markus Wolber, Leiter des Stadtteil- und Familienzentrums Albersbösch, am Rabenplatz. Dort werden im Rahmen der Gemeinwesenarbeit Aktionen angeboten. Mit „Gemeinsam mehr erreichen“ beschreibt der 37-Jährige in drei Worten die Einrichtung, die auch für Hildboltsweier zuständig ist.
25.01.2020
Serie „Treffpunkt im Stadtteil“ (2)
Welche Angebote bieten die sieben Offenburger Stadtteil- und Familienzentren (SFZ)? Heute spricht Markus Wolber, der seit 2018 das Stadtteil- und Familienzentrum Albersbösch leitet, über die im Jahr 1995 eröffnete Einrichtung – als Offenburgs zweites SFZ.
25.01.2020
Kreisstraße 5354 im Hintertal Nordrach
Im vergangenen Jahr ließ der Ortenaukreis in Nordrach aufwendige Hangsicherungsmaßnahmen entlang der Kreisstraße 5354 durchführen. Drei Monate lang mussten die Bewohner hinter dem Dorf mit Straßensperren leben, teilweise sogar Vollsperrungen in Kauf nehmen. Jetzt stehen die Zäune.
24.01.2020
Gemeinderat Schutterwald
Es ist endlich entschieden, wie es mit dem „Alten Jakob“ in Schutterwald weitergehen soll. Der Gemeinderat hat sich in seiner Sitzung am Mittwoch für eine der beiden möglichen Varianten ausgesprochen. Wie die Details aussehen sollen, wird noch erarbeitet.
24.01.2020
Hohberg
Was hinter den Kulissen schon seit Monaten läuft, wird jetzt langsam aber sicher auch im Dorf sichtbar. Die am Samstag aufgehängten Fasnachts-Bändele, mancher Narr im Garten und die zunfteigenen Fahnen kündigen das 44-jährige Jubiläum der Schräckslizunft an.
24.01.2020
Fertighausanbieter kommen
Offenburg ist nach wie vor Fertighaus-Hochburg: Mehrere Hersteller haben sich nach dem Ende der Ausstellung am Messeplatz in der Innenstadt einquartiert. Und es wird viel umgebaut – ein Offenburger Traditionsgeschäft will dem Rée-Carré (Eröffnung Ende 2020) die Zähne zeigen.  
24.01.2020
Neuried
In seiner öffentlichen Sitzung am Mittwoch lehnte der Gemeinderat den Antrag des Tagesmüttervereins Offenburg auf die Zahlung einer Platzpauschale für Tagesmütter ab. Die Meinungen waren geteilt.  

Das könnte Sie auch interessieren

- Anzeige -