Offenburg

Dekanin Wellhöner zur Bedeutung des Reformationstags

Autor: 
Barbara Puppe
Lesezeit 4 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
30. Oktober 2020

Jutta Wellhöner, Dekanin des evangelischen Kirchenbezirk Ortenau, redet über den Reformationstag. ©Barbara Puppe

Warum der Reformationstag am 31. Oktober ein Feiertag ist, und was er mit der Entstehung der evangelischen Kirche vor 500 Jahren zu tun hat, erklärt die evangelische Dekanin Jutta Wellhöner. . 

Der Reformationstag am 31. Oktober erinnert an die Veränderungen, die die Reformation ausgelöst hat. Martin Luther soll 1517 seine 95 Thesen an der Schlosskirche zu Wittenberg angeschlagen haben. Besonders scharf kritisierte er den damals üblichen Ablasshandel, mit dem Menschen im Mittelalter glaubten, sich von ihren Sünden freikaufen zu können. Der Gedenktag lenkt in Zeiten grundlegender gesellschaftlicher Umbrüche aber auch den Blick auf neue Orientierung und notwendige Veränderungen in der evangelischen Kirche. 

Vom Reformationstag als einen Feiertag zu sprechen fällt Jutta Wellhöner, Dekanin des evangelischen Kirchenbezirks Ortenau, wie sie sagt, etwas schwer, denn tatsächlich sei es ein Gedenktag und kaum Grund zum Feiern, dass seit dem 16. Jahrhundert die Kirche in mehrere Konfessionen aufgespalten wurde. 

Noch keine Einheit

Zwar sei es wichtig an die reformatorischen Ergebnisse und Einsichten zu erinnern – das mache evangelische Identität aus – schmerzlich sei es jedoch zu erleben, dass es noch keine Einheit gibt, obwohl die Kirchen an vielen Stellen gemeinsam unterwegs seien. Bisher wurde der Reformationstag in Offenburg immer am Tag selbst mit einem gemeinsamen Gottesdienst begangen, wegen Corona werde jedoch in diesem Jahr dezentral in den Gemeindegottesdiensten am Allerheiligensonntag an den Reformationsgedanken erinnert. 

Ein reformatorischer Grundsatz ist „Ecclesia semper reformanda“, also „die Kirche muss immer weiter reformiert werden“, wie die Dekanin erklärt. Natürlich seien Traditionen und grundlegende Überzeugungen wichtig, die Welt aber habe sich weiter entwickelt, Einsichten, die damals bedeutend gewesen seien, müssten auch auf die Zeitgegebenheiten überprüft werden. So sei die große Frage Luthers „wie finde ich einen gnädigen Gott?“ für viele Menschen heute nicht mehr wichtig, die Gottesfrage sei nicht mehr so ausgeprägt. „Was ich daraus herleite ist aber, wie finde ich gnädige Mitmenschen?“, so die Dekanin. Da habe sich manches verlagert, wichtig scheine ihr dabei, „dass wir vor allem einfach Menschen sein dürfen mit unseren Stärken und Defiziten im Vertrauen, von Gott gehalten, angenommen und wertgeschätzt zu sein.“ 

- Anzeige -

„Ecclesia semper reformanda“ betreffe auch die Kirche und die Gemeinden. Aus der gesellschaftlichen Veränderung ergeben sich viele neue Fragestellungen, die durch Corona zwar deutlicher werden, jedoch vorher schon Thema und absehbar waren. „Wir werden weniger und wir werden ärmer“, fasst die Dekanin die Dynamik des Wandels zusammen. 

Ärmer durch den Rückgang von Kirchensteuern, zahlenmäßig weniger durch Kirchenaustritte und den demografischen Wandel, „ da müssen wir schauen, wie wir mit der Situation umgehen, wie wir uns auch der Not gehorchend verändern müssen“. Bereits in den vergangenen Jahren wurden im sogenannten Liegenschaftsprojekt alle kirchlichen Gebäude auch im Evangelischen Kirchenbezirk Ortenau auf den Prüfstand gestellt. Es wurde berechnet, wie viel Fläche benötigt wird, wo man zurückfahren kann, was man schließen muss oder wo Gebäude auch gemeinsam genutzt werden können, so wie es beispielsweise auch im ökumenischen Gemeindezentrum Weier seit Jahren gehandhabt wird.

“Mutig und kraftvoll“

Auf der Herbstsynode der Evangelischen Landeskirche am 21. Oktober hat der evangelische Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh dazu aufgerufen, „mutig und kraftvoll Kirche im Umbruch zu sein“. „Wir versuchen, in den Bereichen, die uns ein Anliegen sind, in Diakonie, in Seelsorge möglichst flächendeckend auch weiter da zu sein und daraus unser Angebot zu machen“, sagte Jutta Wellhöner.

Vielleicht könne nicht mehr in jeder Gemeinde das volle Programm stattfinden, auch da sei es wichtig zusammenzurücken und Gebäude, Kräfte und personelle Ressourcen zu teilen und sich zu vernetzen mit anderen gesellschaftlichen Größen. „So bleibt es nach unserer Überzeugung unser Anspruch und unser Auftrag, dass wir miteinander als Kirche für die Gesellschaft, für Menschen, insbesondere für jene in Not da sein sollen.“ 

Weitere Artikel aus der Kategorie: Offenburg

vor 1 Stunde
Teilnahme noch möglich
Seit dem 1. Dezember leuchten in Durbach und Ebersweier geschmückte Fenster weihnachtlich. Mit der Aktion will das Seelsorgeteam auch in diesem Jahr zur Besinnung im Advent beitragen. Wer noch Mitmachen möchte: Ein paar Termine sind noch frei.
vor 1 Stunde
Biberach: Frohe Kunde in der Verbandsversammlung
Die Verbandskläranlage in Biberach hat eine sehr gute Reinigungsbilanz und erzeugt darüber hinaus den Strom für den Eigenbedarf selbst. Verbandsversammlung zog Jahresbilanz.
vor 1 Stunde
Adventsstimmung zum Mitnehmen
Mit kleinen Überraschungen wurden im Schutterwälder Pfarrhaus die Adventsschatztüten für Kinder bestückt. Die Idee dahinter: Jedes Kind, das eine Tüte nimmt, soll sie gegen eine selbstgefüllte Tüte tauschen.
vor 9 Stunden
Zell-Weierbach
Erstmals in allen drei renommierten Weinführern wurde das junge Weingut Pieper Basler aus Zell-Weierbach ausgezeichnet. Winzer Jochen Basler: „Wir zählen zu den guten Weinerzeugern Deutschlands.“
vor 10 Stunden
"Leser helfen": SC Durbachtal beteiligt sich an der Aktion
„Alleine laufen – gemeinsam helfen“: Mit einem etwas anderen Silvesterlauf beteiligt sich der SC Durbachtal erneut bei der Spendenaktion „Leser helfen“ des Offenburger Tageblatts.
vor 10 Stunden
Das Beste der Woche
Lieben Sie Steine? Sie sollten es tun. Steine bergen eine geheimnisvolle Welt in sich.
vor 11 Stunden
Chef von Hotelkette steigt ein
Ab dem 1. April 2021 wird das kommunale Weingut Schloss Ortenberg unter der Regie eines Pächters betrieben. Erklärtes Ziel ist es, die Qualität der Weine weiter zu steigern und den Vertrieb auf dem hart umkämpften Weinmarkt zu verbessern. Die Details.
vor 12 Stunden
Friedhofssatzung in Offenburg
Bei der Beratung über die Änderung der Friedhofssatzung im Technischen Ausschuss hat sich auch eine Diskussion über die Gestaltung von Grabflächen entzündet. Doch auch mögliche Alternativen haben offenbar ihre Schwächen.
vor 14 Stunden
Gemeinderat beschloss deutliche Erhöhung
Das Parken in Gengenbach wird teurer. Der Gemeindert beschloss am Mittwoch eine deutliche Anhebung der Gebühren. Auch die letzten bisher kostenlosen Parkflächen werden nun gebührenpflichtig. Ob wenigstens die so genannte „Brötchentaste“ bleibt?
vor 17 Stunden
Ortschaftsrat
Im Zuge der Heimattage ist auch in Windschläg ein Wanderweg geplant. Die bisherigen Planungen dazu sind im Ortschaftsrat vorgestellt worden.
vor 17 Stunden
Das Thema war Freiheit
Am Nikolaustag gibt es vom Fachbereich Kultur besondere Gaben: Die Sieger des dritten Kreativ-Wettbewerbs zum Thema Freiheit werden mit einem Preisverleihungs-Video-Clip bekannt gemacht.
vor 20 Stunden
Zell-Weierbach
Nach dem Gutachten von Verkehrsplaner Christoph Hupfer sieht sich der Ortschaftsrat Zell-Weierbach beim Verkehrskonzept für die Erweiterung der Weingartenschule auf einem guten Weg. Zwei Dinge sollen schon 2021 umgesetzt werden.