VHS-Kurs in Ebersweier

Dem Geheimnis des Brennens auf der Spur

Autor: 
Rosa Harmuth
Lesezeit 3 Minuten
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07. Dezember 2017
Ludwig Hettig (Dritter von rechts) erläuterte seinen Gästen, wie Schnäpse gebrannt werden.

Ludwig Hettig (Dritter von rechts) erläuterte seinen Gästen, wie Schnäpse gebrannt werden. ©Gerhard Harmuth

Die VHS-Außenstelle Appenweier hat kürzlich eine Veranstaltung zum Thema »Edelbrände und Liköre« angeboten. In der neuen Schaubrennerei von Ludwig Hettig trafen sich elf wissbegierige Ortenauer zwischen 30 und 64 Jahren.

»Wir wollen einfach nur das Interesse am Herstellungsverfahren wecken«, erklärte Thomas Wiedemer, Leiter der VHS-Außenstelle Appenweier, zu Beginn des lehrreichen Abends. Es wurde deutlich: Selbst modernste Technik kann den Menschen mit seinem Sachverstand und Gespür für die Destillation nicht ersetzen.

Der »Beste Brenner Badens 2016« erklärte den Gästen während eines Schaubrennens sämtliche Einzelheiten, die bei der Herstellung von Edelbränden wichtig sind. Dabei ging er nicht nur auf die Klassiker wie Kirschwasser und Topinambur ein (»Echtes Schwarzwälder Kirschwasser darf absolut keinen Zucker enthalten«), er erklärte auch die Zubereitung und Lagerung von Vogelbeerbrand, Zibärtle, Gin und Whiskey. »Sogar Starkbier kann ich in Edelbrand umwandeln, wenn ich weiß, worauf es ankommt«, sagte Hettig. 

Einblicke in den Prozess

Immer wieder forderte er die Kursteilnehmer auf, die Vorgänge in der Brennereianlage zu beobachten. Sichtfenster und eingebaute Beleuchtung ermöglichten Blicke auf Kräuterkorb, Heißwassertank und Aromat. »Im Aromat sind 50 Meter Kupfer, gewendelt wie eine Schnecke«, lehrte der staatlich geprüfte Fachmann für Brennereiwesen. »Alles Gute steigt hier hoch, Dämpfe, Nachläufe und Fuselöle laufen durch die Schnecke wieder zurück.« Dampf sei vor allem für Kräuterbrände wichtig, deren Aromen ohne Dunst verbrennen würden.

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Die Zuhörer hatten jede Menge Fragen rund um das Brennereiwesen. So erfuhren sie unter anderem, dass die Geschwindigkeit des Rührwerks den Geschmack von Gin oder Kräuterschnaps mitbestimmt. »Viele brennen zu schnell und zu scharf«, sagte der Experte. Weiter berichtete er, dass der »Williams Edelgold« seine Farbe durch die Birnenschalen erhält und dass ein »Destillat mit Fruchtauszügen« nicht zu verwechseln sei mit »Likör«. 

Für Laien zu verstehen
Die »Glasglocke über dem Ablauf« sorge für besseres Aroma, der amtlich geeichte »Alkoholmeter« sei unentbehrlich, um den Alkoholgehalt des Edelbrandes exakt zu bestimmen. Fachbegriffe wie »Herabsetzen« und »Filtration« machte Hettig durch einfache Sprache auch Laien verständlich. Themen wie Temperatur, Hygiene, Qualität, Lagerung, Sicherheit, Brennereirecht und Maische-Entsorgung »packte« er in dichte drei Stunden.

Die Gäste äußerten sich zufrieden. Nur wenige brennen selbst. »Wir picken die Rosinen aus dem fachlichen Wissensschatz«, war ein Kommentar. Doch auch jene, die nur selten ein »Schnäpsle« trinken, fühlten sich nach der Vorführung um eine Erfahrung reicher. 

Für Thomas Wiedemer war es die erste Veranstaltung dieser Art. »Eine Wiederholung kann ich mir gut vorstellen«, sagte er abschließend.

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