Nach tödlicher Messerattacke auf Arzt

Demos in Offenburg: Viele Teilnehmer, keine Zwischenfälle

Autor: 
Thorsten Mühl
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19. August 2018
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(Bild 1/5) ©Ulrich Marx

Friedlich verliefen die beiden Demonstrationen am Samstag vor dem Offenburger Rathaus. Die AfD hatte nach der Messerattacke auf einen Arzt zu einer Mahnwache aufgerufen, die Linke Jugend demonstrierte dagegen. Beide Demonstrationen verzeichneten laut Polizei jeweils 300 Teilnehmer.

Durchgehend friedlich, aber auch emotional verliefen am Samstagnachmittag die Kundgebungen vor dem Offenburger Rathaus. Rund 300 Teilnehmern der AfD-Veranstaltungen standen ebenso viele Teilnehmer bei der durch das Bündnis »Aufstehen gegen Rassismus Offenburg« der Linken Jugend organisierten Gegenveranstaltung gegenüber. Abgesehen von einigen energischeren Diskussionen am Rande kam es zu keinen Vorkommnissen, was auch der klaren Polizeipräsenz samt entsprechender Absperrungen festzumachen war. 

Auch die Polizei bestätigte, dass »die Demos weitestgehend friedlich verliefen und sich gegen 15.30 Uhr auflösten«.

Räpple: »Mediziner würde auf AfD-Seite stehen«

Vor 14 Uhr sammelten sich die Teilnehmer der AfD-Veranstaltung in einem speziell abgesperrten Bereich, während die Gegendemonstranten ab 13.15 Uhr am Pfählerpark sammelten. Als mehrere hundert Köpfe zählender Zug zogen sie, von der Polizei begleitet, anschließend schweigend stadtaufwärts zum Rathaus. Warum von diesen zur späteren Kundgebung »nur« noch etwa 200 verblieben, dafür hatten auch die Organisatoren nur vage Erklärungsansätze. »Auf AfD-Seite war zunächst keine Soundanlage vorhanden. Der eine oder andere hat wohl nicht erwartet, dass es noch zu Redebeiträgen kommen würde«, sagte Yannik Hinzmann (Linksjugend).

Nach einer längeren Schweigephase, in der sich beide Seiten gegenüberstanden, nahmen die Veranstaltungen doch noch Dynamik auf. Unter anderem ergriff AfD-MdL Stefan Räpple das Wort. Er behauptete, dass der getötete Mediziner, wenn er überlebt hätte, auf der AfD-Seite der Demonstration stehen würde. Die AfD-Gegner kommentierten dies mit lauten Buhrufen und ebenso deutlichen Aussagen. »Ihr sprecht nicht in seinem Namen«, »Ehrliches Mitgefühl statt rechter Hetze« und »Ihr seid keine Alternative« waren nur einige der zu hörenden Rufe.

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Asylpolitik unter Beschuss

Auf diese Weise ging es eine Weile hin und her. Die linken Demonstranten reagierten kaum auf die AfD-Parolen wie »Volksverräter« oder »Merkel muss weg«. In den AfD-Reden wurde die Asylpolitik der Bundesregierung ebenso unter Beschuss genommen wie das Verhalten von Asylbewerbern in Deutschland. Werde nicht endlich reagiert, zum Beispiel in Form einer klaren Abschiebepolitik, prophezeite Stefan Räpple »afrikanische Verhältnisse«. Außerdem fügte er an: »Wenn wir so weitermachen wie bisher, erkennen wir dieses Land in zehn Jahren nicht wieder.« 

Gefordert wurde unter anderem eine Schließung der Grenzen, Beschleunigung der Asylverfahren sowie eine konsequente Abschiebung sämtlicher straffällig werdender Asylbewerber. 

Auf der anderen Seite erklärte Yannik Hinzmann: »Die AfD instrumentalisiert die tödliche Messerattacke, indem sie zwei Tage danach eine Demonstration organisiert. Hier fehlen einem die Worte, denn mit den heute getätigten Aussagen und Parolen hat sich die AfD endgültig enttarnt.« 

Die Organisatoren beider Demonstrationen zogen nach dem Ende der 1,5-stündigen Veranstaltungen ein jeweils zufriedenstellendes Fazit.

Ein Video zu den Demonstrationen finden Sie hier.

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