Offenburg

Der Baron liebt die Natur

Autor: 
Volker Gegg
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28. Dezember 2011
Foto: Volker Gegg

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Täglich draußen in der Natur und nach den Reben schauen: Heinrich Freiherr von Neveu feiert heute seinen 80. Geburtstag. Den Weinbau hat er von der Pike auf gelernt. Seit 183 Jahren ist seine Familie im Durbacher Hespengrund beheimatet.
Durbach. »Für meinen Geburtstag kann ich nichts«: Wenn man Heinrich Freiherr von Neveu auf seinen heutigen Ehrentag anspricht, dann gibt sich der Baron ganz bescheiden, »das ist ein ganz normaler Tag wie jeder andere auch«. Aber trotzdem, ein 80. Geburtstag ist auch für einen Spross einer Jahrhunderte alten Adelsfamilie aus dem Durbacher Hespengrund ein Tag zum Feiern – dafür sorgt allein schon seine Familie. »Natürlich feiern wir, aber im kleinen Familienkreis«, verrät seine Gemahlin, Johanna Freifrau von Neveu. »Ohne die Johanna ginge heute vieles nicht mehr, sie hält mich jung«, ergänzt der Baron, der zusammen mit seinen vier Geschwistern im Durbacher Hespengrund aufwuchs. Seit 183 Jahren ist die Familie von Neveu im Seitental direkt hinter der Pfarrkirche St. Heinrich zu Hause. »Meine Familie stammt aus dem westfranzösischen Anjou«, beginnt Heinrich von Neveu zu erzählen. Ahnherr Carl Neveu de la Folie erwarb sich bei den Habsburgern im 30-Jährigen Krieg hohe militärische Verdienste, und so wurde ihm 1650 die Verwaltung der vorderösterreichischen Landvogtei Ortenau übertragen. 1656 kam dann auch Windschläg als Lehen dazu. Seither ist die Familie in der Ortenau beheimatet. Für 3000 Gulden erworben Carls Nachfahre Anton Freiherr von Neveu erwarb 1828 von der Familie von Ried das Schlösschen im Hespengrund für 3000 Gulden. Die Familie selbst, aus der als berühmtester Vertreter auch ein Erzbischof von Basel hervorgegangen ist, nutzte das Anwesen anfangs nur als Sommerresidenz. Als Hauptsitz diente noch lange Jahre das heute nicht mehr vorhandene Palais in der Offenburger Innenstadt. Von Anfang an betrieben die Vorfahren von Heinrich von Neveu ein Weingut im Hespengrund. »Und ich bin jetzt die fünfte Generation hier«, rechnet von Neveu nach. Die Kriegswirren sorgten dafür, dass er die Schulzeit am Offenburger Grimmelshausen-Gymnasium nur mit einem Mittleren Bildungsabschluss abschließen konnte. »Die Schule war einfach zu.« Danach startete Heinrich von Neveu seine Winzer-Lehre im Weingut Lang in Reichenbach. Im Hinblick darauf, das Weingut seines Vaters und Ehrenbürgers von Durbach, Hubert von Neveu, zu übernehmen, ging er auf Wanderschaft durch verschiedene Weinbaubetriebe. Nach einer Stelle in einem Weingut an der Mosel besuchte er noch zwei Jahre in Weinsberg die Weinbauschule, bevor es ihn nach Südfrankreich und für ein halbes Jahr in ein Weingut am Bodensee zog. »In Südfrankreich war ich unter anderem auch bei Chateauneuf du Pape«, erklärt der Baron. Auch ein Rebveredelungsbetrieb im Medouc gehörte zu seinen Stationen, bevor er von 1955 bis 1956 beim staatlichen Weinbauinstitut in Geisenheim angestellt wurde. »Hier hatte ich die Gelegenheit, in den Pausen oder an freien Tagen die Vorlesungen zu besuchen«, erzählt von Neveu. Bevor er im Dezember 1959 endgültig wieder im heimischen Betrieb arbeitete, leitete er für drei Jahre ein Weingut an der Saar. »In Durbach hatten wir anfangs einen Mischbetrieb mit Viehhaltung und Obstbau«, erzählt er. Auf sein Hinwirken hin entwickelte sich der Familienbetrieb in ein reines Weingut um: »Wo früher Wiesen oder Hecken waren, haben wir Reben angepflanzt.« Mit »Obama« auf Achse Von 1967 an saß der Baron für zehn Jahre im Durbacher Gemeinderat. 1970 heiratete er die aus Lahr stammende Johanna von Neveu. 1974 übergab Vater Hubert an seinem 80. Geburtstag den Betrieb an Sohn Heinrich. »So lange habe ich aber nicht gewartet, bis ich den Betrieb an meinen Sohn Franz-Michael und seine Ehefrau Diana überschrieben habe, das habe ich schon im Jahre 2002 getan«, erklärt von Neveu. Aber trotz Gutsübergabe­ kümmert sich der Baron auch noch heute gerne um den heimischen Betrieb. Täglich schaut er mit seinem Hund Oba­ma nach dem Rechten und kümmert sich um die Gartenpflege rund um das herrschaftliche Anwesen. Bis vor ein paar Jahren war der Jubilar noch ein begeisterter Skifahrer, »das geht jetzt leider nicht mehr«. Aber ein zweiwöchiger Strandurlaub gehört noch jedes Jahr dazu. Obwohl er rund um das Hofgut jeden Tag noch enorm viel zum »Schaffen« findet, gönnt sich der Jubilar auch noch eine ruhigere Beschäftigung, das Lesen in seiner eigenen Bibliothek.

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