Hohberg - Diersburg

Der Hahn erregt die Gemüter

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13. September 2020

Der Diersburger Hahn (links) und eine seiner Hennen. Den Nachbarn ist er zu laut, seine Besitzer, die Famlie Moser, kämpfen vor Gericht darum, dass er bleiben darf. ©Klaus Krüger

Familie Moser, die um den Verbleib ihres Hahnes in seinem Gehege kämpft, hat in den meisten Fällen Zustimmung erfahren. Bundesweite Petition für Tiere im Dorf.

Das Urteil gegen die Besitzer des Diersburger Hahns zieht Kreise. Leserbriefschreiber melden sich zu Wort, auf Facebook (https://www.facebook.com/mittelbadische.presse) tobt die Debatte. Auch Radio und Fernsehen befragten die Mosers. Günter Moser ist der Besitzer des Hahn, der laut Urteil des Offenburger Amtsgericht zum Schweigen gebracht oder entfernt wegen soll – weil er Nachbarn störte. Die Mosers haben über ihren Anwalt Berufung vor dem Landgericht eingelegt.

Wir fassten eine Woche nach unserem Bericht noch einmal nach und fragten Günter Moser, ob er mit einer solchen Resonanz gerechnet hat. Moser: „Nein, mit so viel Resonanz hat meine Familien nicht gerechnet. Es gab ja wirklich viele Reaktionen auf Facebook und als Leserbriefe.“

Viel Zustimmung

Gefragt, wie die Reaktionen im Dorf waren, antwortet der Diersburger, es habe sehr viele persönliche gegeben, die meisten seien zustimmend gewesen und hätten gut befunden, dass die Familie an die Presse gegangen ist. Es habe nur ganz wenige gegeben, die sich bedeckt gehalten hätten. Moser: „Die meisten wünschten sich noch mehr Initiative. Mein Ziel ist es aber in ersten Linie, den Prozess zu gewinnen.“
Bürgermeister Klaus Jehle hatte versprochen, zwischen den Streitparteien zu vermitteln – hat er sich schon gemeldet? Moser: „Nein, das hat er  noch nicht.“ Er werde ihn selbst noch anrufen, um Näheres zum Bebauungsplan zu erfahren. 

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Was die Berufung betrifft, so heiße es abwarten. Günter Moser: „Wir hoffen auf gesunden Menschenverstand. Im Dorf muss es dich noch möglich sein, Tiere zu halten. Und wenn wir gewinnen, nutzt das auch anderen Tierhaltern in Diersburg und darüber hinaus.“ Neben vielen Leserbriefen zum Hahnenstreit in Diersburg gab es auch eine Zuschrift von Silvia Stengel aus Hofheim im Taunus. Sie schreibt: „Mit Empörung haben auch wir das Urteil des Amtsgerichts gelesen und hoffen auf ein Gegenurteil des Landesgerichts!“ 

Sie und Gleichdenkende hätten sich zusammengeschlossen, um Betroffenen zur Seite zu stehen und eine Plattform für Austausch und Hilfestellung zu geben. Und zwar die Facebook-Gruppe „wenn der Hahn kräht“ – https://www.facebook.com/groups/332283247912943/?ref=share. Zudem habe sie im Juni – nachdem ihr Kläger nach drei Jahren die Klage zurück gezogen hatte, da er bei der Messung nach TA-Lärm verloren habe, diese bundesweite Petition ins Leben gerufen: https://openpetition.de/!hahn

Die TA-Lärm besage, dass Hahnenkrähen ein Einzelschallereignis sei und so werde 30dB Toleranz hinzu gerechnet, das Ergebnis seien 90dB im Mischgebiet, die gemittelt würden – das schaffe über den Tag kein Hahn bis zum Nachbarn. Wie in Frankreich im Januar 2020 geschehen, sollte es auch in Deutschland ein Gesetz zum Schutz dörflich/ländlicher Geräusche geben! 

https://meinfrankreich.com/briefe-aus-saint-paul-der-ruf-der-nacht/. Die Petition brauche bis Juni 2021 noch 44 000 Stimmen. Es sei also noch ein langer Weg, daher seien die Initiatoren auf jede Unterstützung angewiesen.

Hintergrund

„Die unterlegene Partei scheint sich mächtig ins Zeug zu legen“

Hitradio Ohr sendete mit dem Kläger-Anwalt Michael Lasar ein Telefoninterview. Darin sagte Lasar unter anderem, er habe noch keinen ähnlichen Fall gehabt. Er verstehe auch die Aufregung über die Gerichtsentscheidung im Dorf nicht: „Die unterlegene Partei scheint sich hier mächtig ins Zeug zu legen.“ Zur richterlichen Zweiteilung Diersburgs in einen Teil, in der Hähne üblich und einen anderen, in der Hähne nicht üblich sind: Das sei richtig.
„Hätte der Richter keine Teilung vorgenommen und gleich entschieden, könnten sich die Bewohner des anderen Teils darüber beschweren, dass sie ebenfalls wie Hobbytierhalter behandelt werden.“ 
Die Gegenseite, die Familie Moser, hat angekündigt, eine Instanz weiter zu gehen – wie schätzt Lasar das ein?
„Hier gilt der alte Spruch: Vor Gericht und auf hoher See ist man in Gottes Hand.“

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