Offenburg

Der Hinkelstein von Ortenberg

Autor: 
Volker Gegg
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08. Oktober 2011
Foto: Volker Gegg

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Auf den Spuren von Obelix im Ortenberger Weinberg: Wenige Meter oberhalb des Schlosses steht in den Reben mit dem Bibelistein ein Relikt aus der Jungsteinzeit. Ob als Opferstätte oder Gerichtsort – wie das Gelände rund um den Stein einst genutzt wurde, ist unbekannt.
Ortenberg. »Wir befinden uns im Jahre 50 vor Christus. Ganz Gallien ist von den Römern besetzt. Ganz Gallien?...« Wer kennt ihn nicht, diesen Prolog, der in jedem der bisher erschienenen Asterix-Bände der Geschichte voransteht. Und in genau dieser Zeit wähnt man sich, wenn man wenige Meter von Schloss Ortenberg entfernt in die Reben schaut und dabei einen in den Asterix-Heften vielzitierten Hinkelstein stehen sieht. Aber dieser Hinkelstein, auch Menhir genannt, stammt bestimmt nicht aus der Zeit der berühmten französischen Comicfigur, sondern ist nochmals 2000 Jahre älter. Aus der Jungsteinzeit soll er stammen, dieser markante Felsbrocken mit dem Namen »Bibelistein«. Auf 4000 Jahre schätzen Fachleute das mit Rosen umwachsene Denkmal. Dass Ortenberg weit früher besiedelt war als das unmittelbare Umland, ist kein Geheimnis. So geht die keltische Höhensiedlung auf dem Keugeleskopf auf das Jahr 800 vor Christus zurück. Wer aber diesen Stein gesetzt hat, ist unbekannt. Während in Norddeutschland oder an der französischen Atlantikküste solche jungsteinzeitlichen Bauwerke oft vorkommen, sind Menhire am Oberrhein und im Kinzigtal eine Seltenheit. Das Wort »Menhir« stammt übrigens aus dem Keltischen und bedeutet »langer Stein« – was leider keine Rückschlüsse auf die einstige Bedeutung zulässt. Ob das Gelände um den Ortenberger Menhir vor 4000 Jahren als Gerichtsstein, Fürstengrab oder als Opferstätte diente, ist nach wie vor unklar. Zweifelsfrei nachgewiesen ist aber, dass die Höhensiedlung auf dem rund 500 Meter entfernten Keugeleskopf aus der Halstatt-Zeit stammt. Einigermaßen gefestigt ist auch die Erkenntnis, dass das Gelände um den Stein im Mittelalter als Gerichtsstätte diente. Wie auf Burg Staufenberg wurden bis zum 13. Jahrhundert wohl Gerichtsverhandlungen nicht auf, sondern vor der Burg abgehalten. Was in Durbach die Gerichtslinde war, ist in Ortenberg der Stein. Doch warum wird der Ortenberger Menhir seit Jahrhunderten »Bibelistein« genannt? Hierzu decken sich die Antworten von Ortshistorikern und Einheimischen. »Als Kind hat man uns eingebläut, wenn Du an dem Stein deinen Kopf anhaust, dann kommt unter dem Stein ein Bibeli, also ein kleines Küken heraus«, erklärt der vor zwei Jahren verstorbene Heimathistoriker Friedrich Stigler in seinem Buch »Grutt und Ruewe«. Flecken statt Küken »Das haben unzählige Kinder im Laufe der Jahre auch ausprobiert. Außer ein paar blauen Flecken war da bestimmt kein Küken zu sehen – trotzdem hat sich der Name gehalten«, sagt Bernd Siebert, Leiter des Ortenberger Standes- und Grundbuchamtes. Heute gehört der Rebberg zum Weingut Schloss Ortenberg. Der ehemalige Gutsleiter Winfried Köninger hat sich bei der jüngsten Rebumlegung vor fünf Jahren dafür eingesetzt, dass eine kleine Freifläche rund um den Stein angelegt wird. Auch wurde eine Hinweistafel errichtet, die Auskunft gibt über die Geschichte und die Namensgebung des Ortenberger Bibelisteins. Nächste Folge: Die Schönstatt-Kapelle in Zell-Weierbach

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