Der Mittelpunkt der Familie fehlt

Nachruf: Annehete Freifrau Roeder von Diersburg ist tot

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18. Januar 2019

Annehete Freifrau Roeder von Diersburg. ©privat

Annehete Freifrau Roeder von Diersburg lebt nicht mehr. Sie starb am 9. Januar nach einem erfüllten Leben mit 91 Jahren im Kreis ihrer Familie. Freitag ist die Beerdigung.

Annehete Freifrau ­Roeder von Diersburg lebt nicht mehr. Sie starb am 9. Januar nach einem erfüllten Leben mit 91 Jahren im Kreis ihrer Familie. Heute ist die Beerdigung.
Von Klaus Krüger
Hohberg-Diersburg. Sie ist friedlich am Ende eines langen Lebens eingeschlafen: Annehete Freifrau Roeder von Diersburg (91) starb am 9. Januar. Am 7. Januar 1928 kam sie als adlige Offizierstochter in der Familie von Geldern-Crispendorf in Darmstadt zur Welt, nach zwei Söhnen (Jahrgang 20 und 25) als Tochter freudig begrüßt, wie sie in ihrem Lebenslauf schrieb. 1934 entschloss sich ihr Vater, wieder Soldat zu werden. So kamen sie nach Weimar und zwei Jahre später dann nach Erfurt. Es folgten Stationen in Kassel und Berlin.
Als die Bombenangriffe auf Berlin begannen, blieb sie bei den Großeltern in Freiburg. Im Januar 1944 fielen ihre beiden Brüder. Im Sommer mussten die Freiburger Schülerinnen am Kaiserstuhl Panzergräben bauen. Eine Klassenkameradin starb durch Tieffliegerbeschuss. Sie kehrte zu den Eltern zurück. Nach dem Krieg arbeitete Annehete von Geldern-Crispendorf zunächst als Landarbeiterin, dann machte sie 1947 am Oldesloer Gymnasiums das Abitur. Ab 1948 lernte sie Krankenschwester – bei Cuxhaven, in Wuppertal und Bonn.
Sie arbeitete im Schwarzwald bei einem praktischen Arzt und machte an der Krankengymnastikschule der Uni Freiburg eine Ausbildung. Schließlich lernte sie ihren Mann Albert Freiherr Roeder von Diersburg kennen. Ihr Lebenslauf schließt: »So endeten meine bewegten Lebenskurven 1955 in einem badischen Weingut, wo ich mich entfalten konnte und zur Ruhe kam.«
Annehete und Albert Roeder von Diersburg bildeten auf dem Hof und für den Aufbau des Weinbaubetriebes nach dem Krieg ein ideales Gespann: er der Kreative, der Geniale, sie die Geschäftstüchtige, Patente, Gastfreundliche. Ihr Sohn Hans-Christoph ­Roeder von Diersburg sieht seine Mutter in dieser Zeit als eine typische Frau in einem landwirtschaftlichen Betrieb: Die Frauen waren das Herz des Unternehmens. Sie kümmerten sich um Büro, Finanzen und Entscheidungen, die Männer koordinierten die Arbeit im Außenbetrieb. Im Februar 1956 waren alle Reben in Baden erfroren. Die dringend benötigten Einnahmen versuchte das junge Paar in den folgenden zwei Jahren mit »Café und Weinstube« im Philippshof zu erzielen. Viele Sommerfeste des Freiburger Jungadels auf dem Philippshof lockten in den 60er-Jahren aufs Land, das Haus diente als großes Nachtlager. Daraus entstand ein treuer Kundenstamm ...  nach und nach erblühte der Betrieb.  

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Vier Kinder

Mit den vier Kindern Philippine, Hans-Christoph, Annette und Caroline, zwischen 1957 und 1965 geboren, war das Leben im Haus turbulent und aufregend. Unvergessen das Gewimmel hinter dem Haus am Schwimmbad, wo zahllose Kinder im Gartenhäuschen auf den Eismann warteten und der Baronin wunderbaren Apfelkuchen genossen. Deren Eltern verbrachten später bei Kullerpfirsich oder Erdbeerbowle und belegten Broten fröhliche Abende auf der Terrasse. Der Duft ihrer Süßspeisen und Kuchen lockte so manchen Weinkunden ins Haus. Legendär ist vor allem ihre Linzer Torte.
Die Baronin war offen und bis ins hohe Alter interessiert an anderen Menschen. Ihre Tierliebe übertrug sie auf jedes Geschöpf Gottes, selbst wenn die Wespen direkt unter ihrem Stuhl auf der Terrasse ein Nest bauten. Das unermüdliche Kümmern um die vier Kinder, später zwölf Enkel und zwei Urenkel, hielt sie ihren Geist agil. Sie war streitbare und stets einsatzbereite Ansprechpartnerin in allen Belangen: Sei es im Bezirkskirchenrat oder im Elternbeirat, wo sie sich erfolgreich für den Erhalt der Diersburger Grundschule einsetzte. Annehete Freifrau Roeder von Diersburg liebte die Musik und las sehr viel, Denkmalpflege und das Aufarbeiten der Schrecken des Zweiten Weltkrieges waren ihr wichtige Anliegen. Sie hatte ein großes Herz und war immer neugierig. Nach dem Fall der Mauer machte sie sich auf und fuhr alleine mit dem Auto in die neuen Bundesländer.
1995 zog die Baronin mit ihrem Mann nach 40 Ehejahren auf das »Altenteil«. 2014 starb ihr lieber »Männi« sanft und behütet im 90. Lebensjahr. Annehete Freifrau Roeder von Diersburg wollte ihm gerne bald nachfolgen – wusste sich aber noch gebraucht. Bis zuletzt genoss sie die Gesellschaft junger Menschen, wie ihr Sohn Hans-Christoph Freiherr Roeder von Diersburg berichtet: Während der Weinlese 2018 saß sie jeden Abend mit 14 bis 15 jungen Leuten im Hof und hatte ihre Freude am Gespräch mit ihnen.
Der Trauergottesdienst findet heute, Freitag, um 13 Uhr in der evangelischen Patronatskirche in Diersburg statt. Anschließend ist die Beerdigung auf dem Familienfriedhof.

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