Ehepaar Wiedemer traf Nachfahren von André Thomas

Deutsch-französische Geschichte lebte wieder auf

Autor: 
Gottfried Wiedemer
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19. Oktober 2019
Im Park „Jardin Christian Dior“ (von links): Adelheid Wiedemer mit Gérard und Veronique Thomas.

Im Park „Jardin Christian Dior“ (von links): Adelheid Wiedemer mit Gérard und Veronique Thomas. ©Gottfried Wiedemer

Im Sommer 2018 nahm Eric Thomas aus Rennes Kontakt auf mit Gottfried Wiedemer, weil er im Zuge seiner Familienforschung erfahren wollte, was sein Großvater André Thomas 1940/41 in Offenburg erlebt hatte.

Das Offenburger Tageblatt berichtete am 1. September 2018, wie Eric Thomas den Sohn des Gärtnermeisters Wiedemer ausfindig gemacht hatte. Eric schickte die „souvenirs de la guerre et de l’évasion“ (Erinnerungen an Krieg und Flucht) nach Offenburg, wo sie vor wenigen Wochen in der „Ortenau“ (Band 99, Seite 410 ff.) erschienen sind. 

Am 6. Oktober trafen sich  Gottfried und Adelheid Wiedemer mit dem Sohn Gérard und zwei Enkeln von André Thomas – Veronique und Eric. Dazu mussten die Offenburger Frankreich von Ost nach West durchqueren, denn Gérard lebt mit seiner Frau Thérèse in Granville in der Normandie. Er hat ein Appartement über der Felsenküste und blickt übers Meer zur Inselgruppe Chausey und zur bretonischen Küste von St. Malo.

Gastfreundschaft

Die zehn Tischgenossen der französischen und deutschen Familien hatten sich vorher nur auf Fotos gesehen, aber die herzliche Gastfreundschaft überbrückte spielend die Jahrzehnte, die seit dem letzten Treffen 1975 vergangen waren. Dazu schaute man alte Fotos an und erzählte Episoden von 1955, als der 14-jährige Gottfried seine Sommerferien in Avranches/Normandie in der Konditorei von André verbringen durfte. Den damals zwölfjährigen Gérard traf er nicht, weil der bei einem Onkel auf Mallorca war. 

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Weitere Besuche in Avranches gab es 1960, als der Gymnasiast mit vier Kameraden eine Fahrrad-„Tour de France“ machte, 1971, als er, damals Assistent im Bundestag, mit Ehefrau Adelheid und Schwägerin Hildegard durch Frankreich campte, und 1975, als er mit seiner inzwischen verwitweten Mutter und den Schwiegereltern Hilde und Johannes Schulze den ehemaligen Kriegsgefangenen André besuchte. 

Von 1976 an unterrichtete Wiedemer fünf Jahre an der Deutschen Schule Lissabon und der Kontakt riss ab, was sehr bedauerlich ist, weil André erst 2008 mit 97 Jahren starb. Aber nun besteht die Verbindung wieder und die Familien Thomas wurden zum Gegenbesuch  nach Offenburg eingeladen.

Der 6. Oktober, als man sich in Granville traf, war ein sonnig warmer Tag und am Strand hüpften die Kinder in die Brandungswellen. Auf einem Spaziergang sah man den „Jardin Christian Dior“, einen Park rund um die Villa der wohlhabenden Eltern des Modeschöpfers. Granville ist das Ziel einer Eisenbahnlinie aus Paris und war in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ein mondänes Seebad mit Casino. Auch heute noch verdoppelt sich die Einwohnerzahl im Sommer von 10 000 auf 20 000. 

Das alte Piraten-Nest, von Vauban befestigt und von den Nazis in den Atlantikwall einbezogen, ist mit seinen engen Straßen nicht gerade autogerecht. Aber man akzeptiert manchen Umweg, um ein bisschen nostalgischen Charme zu retten. Die Wiedemers jedenfalls haben schon konkrete Pläne für ein Wiedersehen im kommenden Jahr.

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