„Wir können ein gutes Beispiel sein“

Deutsch-französisches Gedenken an elf Widerstandskämpfer

Autor: 
Thorsten Mühl
Lesezeit 3 Minuten
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08. Dezember 2019
Bei der Gedenkfeier: Trudpert Hurst (links) und sein elsässischer Kollege Daniel Neff.

Bei der Gedenkfeier: Trudpert Hurst (links) und sein elsässischer Kollege Daniel Neff. ©Thorsten Mühl

Zum 25. Mal ist am Freitagmittag auf dem Talebuckel bei Rammersweier der Ermordung elf elsässischer Widerstandskämpfer vor 75 Jahren feierlich gedacht worden. Betont wurde die tiefe Verbundenheit zwischen Rammersweier und Vieux-Thann.

Die Gemeindepartnerschaft  zwischen Rammersweier und Vieux-Thann sei ein Beispiel, das veranschauliche, „dass Freundschaft alles überwinden kann und Dialog die Basis für alles sein kann“, wie es Rammersweiers Ortsvorsteher Trudpert Hurst auf den Punkt bringt. Dabei ist Ausgangspunkt und Ursprung der späteren Freundschaft ein schrecklicher, während der Spätphase des Zweiten Weltkriegs begangener Akt feigen Mordes. Am 6. Dezember 1944 wurden auf dem Talebuckel bei Rammersweier elf elsässische Widerstandskämpfer aus Thann und Umgebung durch die Gestapo ermordet und wie Vieh verscharrt. Erst drei Jahre später erfuhren die Angehörigen Einzelheiten zu den Umständen der Gräueltaten. 

Die Familie von Alice Bruckert, deren Großvater unter den Ermordeten war, stellte 1994 erste Kontakte nach Rammersweier her. In jenem Jahr fand auch erstmals eine deutsch-französische Gedenkstunde am Talebuckel statt, die seither jährlich wiederholt wird. 2003 wurde die Jumelage zwischen Rammersweier und dem 138 Kilometer entfernten Vieux-Thann geschlossen.

Am Freitagmittag versammelte sich eine große Besucherzahl beim Mahnmal am Talebuckel. Neben den Gästen aus Vieux-Thann mit Maire Daniel Neff an der Spitze wohnten auch Rammersweiers Ortschaftsrat um Trudpert Hurst, die Alt-Ortsvorsteher Gerhard Hurst und Ulrich Hartmann, Fessenbachs Ortsvorsteher Paul Litterst sowie Offenburger Gemeinderäte dem Gedenken bei.

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Trudpert Hurst rief die Ereignisse von 1944 in Erinnerung, zeigte ebenfalls auf, dass das Areal auf dem Talebuckel noch immer „eine ernsthafte und nachdenkliche Stimmung“ erzeuge. Er dankte Familie Bruckert für „einen großen, mutigen Schritt“, den Kontakt nach Rammersweier zu suchen. „Über das, was damals geschah, muss gesprochen werden“, betonte der Ortsvorsteher, das gelte umso mehr auch für die heutigen Tage.

Auch Daniel Neff nahm in seinen Worten Bezug auf den Ort des Geschehens. „Es lässt sich, wenn man hier steht, nicht vermuten, welch schreckliches Verbrechen hier verübt wurde“, so Neff. Es seien „Erinnerungen an dunkle Zeiten im deutsch-französischen Verhältnis“, die den Hintergrund des Zusammenkommens bildeten. Heute kämen dagegen „Menschen guten Willens“ zusammen, um zu demonstrieren, dass Krieg vermeidbar sei. „Wir können ein gutes Beispiel dafür sein“, warb Neff, der die deutsch-französische Freundschaft und Europa hochleben ließ. Dekan Matthias Bürkle nahm Bezug auf Jesaja 2,2 bis 4 – die Weisung Gottes an alle Völker, die Kriegsgeräte überflüssig mache. Die Völker werden dann „ihre Schwerter zu Pflugscharen schlagen und ihre Speere zu Winzermessern“. 

Mehr denn je gefordert

Pfarrer Daniel Ahrnke (Johannes-Brenz-Gemeinde) betonte: „Je weiter das Geschehens zurück liegt, je mehr muss das Gedenken aufrechterhalten werden“. Er zitierte aus der Meditation „Ich möchte ein Mensch des Friedens werden“. Musikalisch begleitete ein Quartett des Musikvereins Rammersweier mit den Stücken „Hallelujah“ und „Ich hatte einen Kameraden“ das Gedenken, ehe Hurst und Neff abschließend Blumengestecke am Mahnmal niederlegten.

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