Offenburg

Die Ära Rudigier geht zu Ende

Autor: 
Ursula Groß
Lesezeit 3 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
09. Januar 2013
Christoph Breithaupt - Hier trägt er noch den Arztkittel: Der Chirurg Jürgen Rudigier war seit 1989 am Offenburger Klinikum tätig. Morgen wird er verabschiedet.

Christoph Breithaupt - Hier trägt er noch den Arztkittel: Der Chirurg Jürgen Rudigier war seit 1989 am Offenburger Klinikum tätig. Morgen wird er verabschiedet.

Mehr als 23 Jahre lang war er im Offenburger Klinikum tätig – und er wird ohne Zweifel seine Spuren hinterlassen: Der Chirurg Jürgen Rudigier war Gründer und Chefarzt des Traumazentrums. Morgen, Donnerstag, wird er offiziell in den Ruhestand verabschiedet.

Offenburg. In seine Verabschiedungsrede zum Festakt am morgigen Donnerstag wird Jürgen Rudigier einen vielsagenden Satz einbringen. »Keine Vorschriften ließen mich von meinem Leitbild, dem unbeirrbaren Bestreben, dem Menschen zu helfen, abbringen.« Was der damals 43 Jahre alte Professor für Chirurgie, Unfallchirurgie, Handchirurgie und Orthopädie im Jahr 1989 vorfand, war der politische Wille, »dass das Kreiskrankenhaus zur zentralen medizinischen Versorgungseinrichtung für die Ortenau wird«. Die ersten fünf Jahre seien schwierig gewesen, permanente Unruhe und steter Wandel charakteristisch.

Man muss ihm die Zahlen ein wenig entlocken. Das Ortenau-Klinikum Offenburg-Gengenbach verfügt heute über ein Traumazentrum, dessen Gründer der nun in Ruhestand gehende Chefarzt Rudigier ist. »Unsere Statistik weist im letzten Jahr etwa 1600 unfallchirurgische und 1800 handchirurgische Operationen aus«, konstatiert er sachlich. Das hört sich nach Understatement an, denn sein Name ist ein geflügeltes Wort geworden. »Wir gehen zum Rudigier«, hieß es in der Bevölkerung.

Rudigier hat die Traumatologie der Klinik im Klinikum für alles, was mit Behandlung von Verletzungen, Fehlbildungen, Degenerationen und Verschleißerkrankungen des Knochen- und Sehnenapparates des Körpers zu tun hat, nach modernsten medizinischen Kriterien weiterentwickelt. Dazu kamen die Spezialisierungen auf Handchirurgie, Einführung und der Ausbau der Endoprothetik des Sprunggelenkes sowie der Fußchirurgie. Unter seiner Leitung wurden zahlreiche Re-Implantionen von Gliedmaßen durchgeführt. Zudem befasste sich Rudigier als hoch geschätzte Kapazität seines Fachs mit der Ausbildung und der Förderung des medizinischen Nachwuchses.

Auch als Autor tätig

- Anzeige -

Als der Mediziner anfügt, dass er in arbeitsintensiven Jahren noch Zeit für eine Autorentätigkeit gefunden hat, blitzt ein wenig Schalk auf. »Kurz gefasste Handchirurgie« heißt der Titel seines Buches, das seit 1985 in der sechsten Auflage erscheint. »Kurz gefasst« deshalb, »damit man mir keine Auslassung nachweisen kann«.

Dass er einmal fast in einer Boulevard-Zeitung genannt worden wäre, erzählt Rudigier mit einem leichten Schmunzeln. Man habe einem Patienten an einer ganz bestimmten Stelle wieder zur Funktion verholfen, das habe man »kräftig ausschlachten« wollen. Mit Genugtuung berichtet er viel von der Ausbildung junger Kollegen. In Fach-und Fortbildungstagungen, durchschnittlich um die zwölf bis 16 Vorträge jährlich, habe er sich um deren Qualifikation bemüht.

Das habe er auch in all den Jahren im Klinikum so gehalten. »Ich versuchte stets, mit kollegialem Führungsstil die Eigenverantwortlichkeit der Mitarbeiter zu fördern«, sagt Rudigier. Der nach dem »Modell Rudigier« ausgebildete Nachwuchs kam dem Klinikum in Offenburg und zahlreichen niedergelassenen Ärzten der Region zugute.

Noch ist in seinem Sprechzimmer wenig von Aufhören zu spüren. Während des Gespräches suchen zahlreiche Mitarbeiter seinen Rat. Nur langsam will man gewahr werden, scheint es, dass die Rudigier-Ära zu Ende geht. Es sind allerdings bereits einige ehrenamtliche Tätigkeiten eingeleitet, verrät Rudigier. Wenn er denn Luft hat, möchte er sich dort einbringen. Denn etwas Zeit kostet sein Hobby »ich fahre leidenschaftlich gerne mit dem Mountainbike«.

Sportliche Unternehmungen, lange gehegte Wünsche, wie der, bei einem Schnitzer in Südtirol in die Lehre zu gehen und der Waldgarten beim Haus in Ohlsbach werden ihn in Schwung halten. Ebenfalls soll die musische Seite des bislang vielbeschäftigten Mediziners ein bisschen gehört werden. Man habe da schon seine Ideen, lächelt er freundlich.

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeigen
Bertold Thoma, hier in seinem Zuhause in der Schubertstraße, feiert seinen 75. Geburtstag. Im kommenden Jahr tritt er wieder für den Gemeinderat an.
Fit und noch mit vielen Zielen
15.12.2018
Kommunalpolitiker mit Herzblut und Sachverstand – auch noch mit 75 Jahren: Berthold Thoma, seit 39 Jahren für die SPD im Gemeinderat feiert am Sonntag Geburtstag. Aktiv für die Stadt und für seine Mitmenschen, ist er stets mit dem Fahrrad unterwegs. Zu seinem vielseitigen Engagement gehört auch die...
Goldschmiede Patrick Schell in Achern
11.12.2018
Schmuck zu Weihnachten ist ein besonderes Geschenk. Doch welches Stück ist das richtige für einen lieben Menschen? Die Goldschmiede Patrick Schell in Achern gibt hier individuelle Beratung – und als besonderes Highlight: Personalisierte Schmuckstücke und Uhren mit Gravur.
Fachberatung aus Ortenberg
07.12.2018
Smart Home vernetzt das eigene Zuhause und spart Zeit und senkt Energiekosten. Es sorgt aber vor allem für mehr Sicherheit – wenn man die passende Ausrüstung hat. Der Einstieg ist mit dem richtigen Fachmann aber gar nicht schwierig.
Netzwerk Fortbildung
06.12.2018
Die Weiterbildung boomt – und immer mehr Arbeitgeber und Arbeitnehmer erkennen, wie wichtig es ist, sich durch eine Weiterqualifizierung sicher in der Welt zurecht zu finden. Wer eine geeignete Weiterbildung sucht, ist beim „Netzwerk Fortbildung“, dem Weiterbildungsportal des Landes Baden-...

Weitere Artikel aus der Kategorie: Offenburg

Freie Wähler Hohberg arbeiten auf Kommunalwahl 2019 hin
vor 2 Stunden
Die Kommunalwahl 2019 rückt näher – die Hohberger Parteien und politischen Organisationen bereiten sich schon intensiv auf die Wahl vor. Das zentrale Thema: Wie finde ich genügend Kandidaten für meine Liste? Wir haben uns umgehört – nach der CDU kommen heute die Freien Wähler Hohberg zu Wort. Wir...
Verantwortliche meldeten sich beim OT
vor 3 Stunden
Aufgehübschter Weihnachtsbaum auf dem Durbacher Friedhof: Neben einer Lichterkette hängen seit Donnerstagnacht auch Christbaumkugeln und Lametta am Weihnachtsbaum. Die Schmücker meldeten sich telefonisch beim Offenburger Tageblatt. 
Pläne für Container ruhen in der Stadtverwaltung
vor 4 Stunden
In Bohlsbach gibt es zu wenige Kindergartenplätze. Mit Containern sollte Abhilfe geschaffen werden. Zum Ärger des Ortschaftsrates wurden die Planungen dafür aber nicht weiter verfolgt.
Pläne für Container ruhen in der Stadtverwaltung
vor 4 Stunden
In Bohlsbach gibt es zu wenige Kindergartenplätze. Mit Containern sollte Abhilfe geschaffen werden. Zum Ärger des Ortschaftsrates wurden die Planungen dafür aber nicht weiter verfolgt.
Offenburger Baugenossenschaft würdigte Geschäftsführer und Aufsichtsrat
vor 5 Stunden
Im Rahmen eines feierlichen Abendessens wurden am Freitag Geschäftsführer Rolf Litterst und Aufsichtsrat Walter Wolber von ihren Posten bei der Offenburger Baugenossenschaft verabschiedet. 
Wallfahrtskirche Zell
vor 8 Stunden
Wer zum Kirchturm der Zeller Wallfahrtskirche "Maria zu den Ketten" schaut, der sieht wieder, was die Stunde geschlagen hat. Die seit Oktober von vielen so vermissten Zifferblätter der Kirchturmuhr sind  in neuem Glanz wieder an ihrem Platz.
Dem Motto »Weihnachtszauber« alle Ehre gemacht
vor 11 Stunden
Unter dem Titel »Weihnachtszauber« präsentierten die Aktiven des Musikvereins Rammersweier (MVR) am Samstagabend in der voll besetzten Turn- und Festhalle ein glanzvolles Jahreskonzert. Besinnlich, poppig, aber auch knallig fielen die Darbietungen aus.
Räte Waltersweiers sprachen bekannte Probleme an
vor 19 Stunden
Einige Dauerthemen standen auf der Tagesordnung des Ortschaftsrats Waltersweier.
Zum Abschied gab es von Hubert Burda einen Empfang für Edith Schreiner. Als Geschenk erhielt sie eine von Aenne Burda persönlich gestaltete Collage.
Collage von Aenne Burda zum Abschied
15.12.2018
Nachdem Hubert Burda bei der offiziellen Verabschiedung von Edith Schreiner als Oberbürgermeisterin von Offenburg leider terminlich verhindert gewesen war, hat er ihr zu Ehren am Mittwoch einen Empfang mit Mittagessen in der Schanzstraße gegeben.
Zum Wohnhaus von Martina und Uwe Vogel gehört auch das Atelierhaus von Karl Vollmer. Hier hat der Glaskünstler bis zu seinem Tod 1975 gearbeitet.
Serie »Offenburger Adventstürchen«
15.12.2018
In unserem Adventskalender, den »Offenburger Adventstürchen«, öffnen wir jeden Tag eine Tür in Offenburg mit der passenden Hausnummer – von 1 bis 24. Heute: das Zuhause von Martina und Uwe Vogel in der Zähringerstraße 15, wo ein Blick in die Stadtgeschichte möglich ist.
Lawrence Grey, Jürgen Siegloch, Claudio Labianca und Dominic Müller freuen sich auf die »Jazz Nights« im März des nächsten Jahres.
»Jazz Nights« starten im März 2019
15.12.2018
Europäische Jazzgrößen wie Till Brönner, Dieter Ilg oder Thomas Förster kommen nach Durbach: Im März 2019 startet die große Premiere der »Jazz Nights« mit hochkarätigen Musikern auf Schloss Staufenberg. Klavierhausbesitzer Claudio Labianca und Hotelier Dominic Müller stellten zusammen mit...
Famlientradition fortgesetzt
15.12.2018
Seit der Lossprechung in der Freiburger Messe am vergangenen Wochenende ist es offiziell: Der verliehene Meisterbrief berechtigt Katja Rombach, als erste Frau in Oberharmersbach die Berufsbezeichnung »Zimmermeisterin« zu führen.