Offenburg

Die Faszination Bunker erleben

Autor: 
Stefanie Müller
Lesezeit 4 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
12. Februar 2011
Foto: Stefanie Müller - Der Bunker wurde zum Teil mit originalen Gegenständen wieder eingerichtet.

Foto: Stefanie Müller - Der Bunker wurde zum Teil mit originalen Gegenständen wieder eingerichtet.

Michael Truttenbach hat ein ungewöhnliches Hobby. Er ist von Westwall-Bunkern fasziniert. In Altenheim hat er eine der alten Vertreidigungsanlagen als Museum hergerichtet.
Neuried-Altenheim. Von außen nimmt man den Bunker gar nicht wahr. Wer nicht weiß, dass die Terrasse des darüberliegenden Hauses auf der alten Anlage liegt, geht daran vorbei. Schwer zu erkennen war der Bunker übrigens auch damals, als er noch in Betrieb war. »Er war mit einem Dach getarnt«, weiß Michael Truttenbach. Umfassendes Wissen Bis 1944 waren hier 27 Soldaten untergebracht. Den Namen »Emilie« verdankt der Bunker übrigens einer Bewohnerin des Dachgeschosses. Als der Bunker gesprengt werden sollte, weigerte sie sich, auszuziehen, weil sie nicht ihr Dach über dem Kopf verlieren wollte, weiß Truttenbach und noch viel mehr. Doch nicht nur das. Ob es um die Bauweise, Ausstattung oder Geschichte der Bunker geht, Truttenbach weiß Bescheid. Die einen begeistern sich für Modelleisenbahnen, die nächsten für Fußball. Doch für Bunker? Ein wenig befremdlich ist das schon. Da ist ein junger Mann, der sich brennend für Verteidigungsanlagen, insbesondere Westwall-Bunker, interessiert. Sogar so sehr, dass er einen der Luftschutzräume in Altenheim für viel Geld (»Das hätte ein bis zwei Neuwagen gegeben«) und Zeit (»pro Tag etwa zwei bis drei Stunden«) hergerichtet hat. Schon als Kind haben den 25-jährigen Kfz-Lackierer Michael Truttenbach Bunker fasziniert. Beim Zelten im Wald ist er darauf gestoßen, erinnert er sich, hat sich darauf gesonnt. Vor allem die dicken Wände haben einen großen Reiz auf ihn ausgeübt. Noch heute ist er davon fasziniert. »Die Deckenstärke beträgt zwei Meter und die Wände sind 1,50 Meter dick«, weiß er. Im Herbst vor einem Jahr ging nun ein Traum von ihm in Erfüllung. Im Internet ist der Kittersburger auf den Bunker in Altenheim aufmerksam geworden. Er bekam die Möglichkeit, ihn zu nutzen. Eigentlich gehören die Bunker dem Bund. Als Grundstücksbesitzer hat man jedoch die Möglichkeit, diese zu kaufen. Das war auch bei »Emilie« der Fall. Zunächst ließen die Besitzer den Bau ungenutzt, auch weil er nach dem Krieg mit Beton verfüllt wurde. Später haben die Besitzer angefangen, die Räume wieder freizuräumen, und ein Motorradclub hat sie als Vereinsheim genutzt. Truttenbach hat dort begonnen, ein kleines Bunkermuseum einzurichten. Obwohl er Helfer hatte, hat er vieles selbst in die Hand genommen, etwa Streichen und Leitungen verlegen, Informationstafeln erstellen. Dabei hat er sich an den Vorgaben des Denkmalschutzamtes orientiert, um die Einrichtung so authentisch wie möglich zu halten. »Mein Ziel ist es, den Zustand von 1938 wiederherzustellen«, verrät er seine Pläne. Zu Beginn war der Bunker komplett leer. Mittlerweile konnte er einiges an Mobiliar beschaffen, zum Teil Originalteile, zum Teil Nachbildungen. Dabei scheut er keine Kosten und Mühen. So gibt er schon einmal 450 Euro für ein originales Bunkertelefon aus. Vor allem über das Internet findet er Einrichtungsgegenstände. Dabei stieß er auch auf Leute, die selbst ein Bunkermuseum betreiben. »Vor allem im Saarland gibt es das häufiger«, so Truttenbach. Das Museum ist rein privat und nur auf Anfrage hin geöffnet. Große Resonanz gab es vor allem am Tag des offenen Denkmales. Rund 200 Besucher waren da, schätzt Truttenbach. Er kann sich durchaus vorstellen, dass das auch für Schulklassen interessant sein könnte. Geschichte dahinter »Die Nachbarn hatten zunächst Angst, dass der Bunker Leute aus rechtsextremen Kreisen anzieht«, erzählt Truttenbach. Doch davon distanziert er sich. »Mit Nazi-Ideologie will ich nichts zu tun haben«, macht er deutlich. Er ist sich im Klaren, dass man die Geschichte und die Hintergründe der Anlage kennen muss, aber ihn interessiert vor allem die Technik. Eher skeptisch steht Thomas Frenk dem Bunkermuseum gegenüber. Er beschäftigt sich seit Jahren mit dem Westwall in der Region, hat am Westwall-Kulturpfad mitgearbeitet. Auch wenn er Truttenbach als »harmlos« einschätzt, befürchtet er, dass hier schlafende Hunde geweckt werden. »Eine rein militärische Auslegung halte ich für problematisch«, meint er. Er plädiert eher dafür, die Bunker so zu belassen wie sie sind und von Seiten des Naturschutzes her zu betrachten. Wer den Bunker besichtigen will, kann sich mit Michael Truttenbach in Verbindung setzen, • 01 51 / 26 86 68 86.

Weitere Artikel aus der Kategorie: Offenburg

vor 3 Stunden
Corona-Hilfe
Ein junger Gengenbacher kauft in Corona-Zeiten ehrenamtlich für Menschen in Risikogruppen ein und erfährt dabei ein hohes Maß an Dankbarkeit und Wertschätzung.
vor 15 Stunden
Der Schutterwälder an sich
Der Schutterwälder an sich, in dem Fall ich, kummt momentan nid um das Thema Corona drumrum.
vor 17 Stunden
Alles nach historischem Vorbild
Ein Kleinod schlummert in der Werkstätte: Die historische Bühler Feuerwehrspritze von 1868 wird restauriert. Dabei ist Maßarbeit gefragt.  
vor 18 Stunden
„Werde die Freizeit vermissen“
Die 16-jährige Mami aus Thailand war acht Monate als Austauschschülerin bei Familie Lauber/Timons in Offenburg. Sie erzählt, was sie hier Lustiges erlebt hat und was sie vermissen wird.
vor 20 Stunden
Offenburg
Zeichen und Wunder! Im Stadtgeflüster gibt es tatsächlich zwei Themen, die nichts mit dem Coronavirus zu tun haben – leider kein Indikator dafür, dass die Rückkehr zur Normalität naht. Unter anderem geht es um die Knöllchenkrise, röhrende Motorsägen und ein Käpsele aus der Region.
28.03.2020
Gemeinschaftspraxis Stunder in Zell a. H.
Viele Anrufe besorgter Menschen, Praxisalltag mit Mundschutz: Der Corona-Stress ist längst bei den Hausärzten angekommen. Auch in der Gemeinschaftspraxis Stunder in Zell. 
28.03.2020
Offenburg
Nadja Ebert steht kurz vor der Geburt ihres dritten Kindes, das im Klinikum am Ebertplatz zur Welt kommen soll. Wie die Hochschwangere die Corona-Pandemie erlebt und was ihre größte Sorge war.
28.03.2020
Kirchenchor Weingarten/Herz-Jesu pausiert
Statt mehrmals die Woche fleißig zu proben, pausieren die Sänger des Kirchenchors Weingarten/Herz-Jesu seit Anfang März. Am Samstag, 28. März, wollen sie aber gemeinsam mitsingen – beim „Queerbeetsingen“.
28.03.2020
Aktion von Stadtmarketing und HGV
Örtliche Firmen und Dienstleister präsentieren ihre Angebote auf www.zell.de. Loyalität der Einwohner soll dafür sorgen, dass die Stadt auch noch nach der Krise vielfältig ist.
27.03.2020
Durbacher Winzerehepaar: „Es war zeitweise schon heftig“
Inge und Alfred Männle, besser bekannt als die „Bienengarten-Männles“, haben ihre Covid-19-Infektion überstanden. Das Virus hat sich das Durbacher Winzerehepaar im Urlaub in Südtirol geholt. 
27.03.2020
Hohberg - Hofweier
Ingrid Krämer wird heute 80 Jahre alt. Als Standesbeamtin erlebte sie die Umstellung von Schreibmaschine auf Computer. Nun engagiert sie sich im Erzählcafé in Hofweier.
27.03.2020
Geburtsstation am Ebertplatz Offenburg
Auf der Geburtsstation gelten besondere Maßnahmen in Zeiten von Corona, wie Hebamme Ingrid Vogt berichtet. Väter dürfen bei der Geburt dabei sein, aber Besuch am Wochenbett ist nicht gestattet.

Das könnte Sie auch interessieren

- Anzeige -
  • 19.03.2020
    Neuer Service: Alles, was die Karte bietet, kann ab sofort abgeholt oder geliefert werden
    Mitten im Herzen Gengenbachs lädt das italienische Lokal „Michelangelo“ seit elf Jahren zum Genießen ein. Das bleibt auch weiterhin so, denn ab sofort werden Gerichte und Eisspezialitäten entweder geliefert, oder die Kunden holen ihre Bestellungen vor Ort ab.
  • Pizza, Salat oder Pasta - alles wird frisch zubereitet.
    19.03.2020
    Das mediterrane Restaurant in Hohberg
    Gerade in diesen turbulenten Tagen will das Team des mediterranen Restaurants Casamore in Hohberg für seine Gäste auch weiterhin da sein. Zu diesem Zweck wurde ab sofort ein besonderer Service eingerichtet und das „to go“-Angebot erweitert. Fast alle Gerichte auf der Speisekarte können nun auch...
  • Leckere Pizzavariationen, Salate und Getränke werden ab sofort geliefert oder können auch nach der Bestellung selbst abgeholt werden..
    18.03.2020
    "Wenn die Gäste uns nicht besuchen können, kommen unsere Spezialitäten zu ihnen"
    „Wenn die Gäste in nächster Zeit durch die Coronavirus-Pandemie nur eingeschränkt zu uns kommen dürfen, dann kommen unsere Spezialitäten eben zu Ihnen“, erklären Sülo und Aslan Keles, Inhaber der bekannten Ruster Pizzeria „Garibaldi“, mit Nachdruck. Ab sofort kann telefonisch und online bestellt...
  • a2 Unikat hat alles, was das Leben und Wohnen noch schöner macht.
    11.03.2020
    a2 Unikat: Ihr Partner rund um Gartendeko und mehr
    Frühlingszeit – eine wunderbare Zeit, es sich in Heim und Garten besonders schön zu machen. Wer dafür pfiffige und individuelle Gestaltungsideen sucht, ist bei a2 Unikat in Oberwolfach genau richtig.