Offenburg

»Steuersünde« Offenburger Fahrradzähler

Autor: 
Florian Pflüger
Lesezeit 3 Minuten
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13. Januar 2015
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(Bild 1/2) Anfangs endete die Skala des Fahrradzählers noch bei 250 000. Ende 2012 war er dadurch "voll". Daraufhin... ©Archivfoto: Florian Pflüger

Er kam als Geschenk des Landes und landete nur wenige Monate nach seiner Errichtung im Schwarzbuch der Steuersünden: Seit April 2012 ist der Fahrradzähler am Offenburger Stadtbuckel in Betrieb, mehr als eine Million Radfahrer haben ihn bisher passiert. Und bei der Stadtverwaltung ist man überzeugt, dass er wichtige Arbeit leistet.

Als der baden-württembergische Verkehrsminister Winfried Herrmann am 26. April 2012 mit seinem modischen Halbschalenhelm auf dem Leihfahrrad den Stadtbuckel hinunterrollte, war sein Geschenk schon da. Der Grünen-Politiker überreichte der Stadt Offenburg an diesem Tag einen Fahrradzähler, der nur noch enthüllt werden musste. Es war der versprochene Preis des Landes für die Auszeichnung als »Fahrradfreundliche Kommune«. Die Freude über die 2,50 Meter hohe Säule war bei den Anwesenden groß.

Noch wäre wohl weder Herrmann noch Bürgermeister Oliver Martini in den Sinn gekommen, dass das 25 000 Euro teure Gerät kaum ein halbes Jahr später im Schwarzbuch erscheinen würde, in dem der Bund für Steuerzahler alljährlich die Steuersünden in der Republik aufführt. Und auch sonst ist der Fahrradzähler immer mal wieder mit Hohn und Spott bedacht worden – der Sinn des Geräts hat sich bis jetzt nicht allen Offenburgern erschlossen.

Amrei Bär vom städtischen Fachbereich Tiefbau und Verkehr ist nach wie vor überzeugt vom Fahrradzähler und hält auch die Investition für gerechtfertigt. Schließlich handle es sich um eine Marketingmaßnahme und nicht um eine Verkehrserhebung. »Steter Tropfen höhlt den Stein«, sagt die Radverkehrsbeauftragte – und meint damit die Einstellung der Autofahrer, die an der Säule vorbeifahren und nach Möglichkeit aufs Rad umsteigen sollen. »Ich halte es für eine gute Maßnahme, immer mal wieder darauf hinzuweisen: Es gibt auch noch das Fahrrad«, betont Bär. Dass der Fahrradzähler im September 2012 im Schwarzbuch auftauchte, war aus ihre Sicht »bedauerlich«.

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Ständig am Zählen
Seitdem der Fahrradzähler am Stadtbuckel läuft, hat er (Stand Sonntag, 11. Januar) bereits 1 201 270 Radfahrer gezählt. Er sei rund um die Uhr in Betrieb gewesen, versichert Bär. Zwischendurch sei lediglich einmal die Anzeige ausgefallen, die Kontaktschleifen hätten aber weiterhin funktioniert. Anfangs endete die Skala noch bei 250 000 und wurde dann auf 500 000 erweitert. 2013 wurden 399 446 Radfahrer gezählt, 2014 waren es 454 195. »Das ist eine satte Steigerung«, stellt Bär fest.

Eine naheliegende Erkenntnis drückt der Fahrradzähler in Zahlen aus: dass Radfahrer am liebsten bei schönem Wetter unterwegs sind. So wurden im vergangenen Jahr im Monat Mai die meisten Radfahrer gezählt (52 832), im Januar (25 800) oder Dezember (27 000) waren es deutlich weniger. Schwächster Monat im Hinblick auf die Zahlen war 2014 der Februar (24 705). In diesem Jahr sind bereits mehr als 30 000 Radfahrer gezählt worden.

Auf die Frage, ob es ihr Wunsch wäre, die 500 000 endlich einmal voll zu machen, kommt die Antwort von Amrei Bär übrigens wie aus der Pistole geschossen: »Ja.«

Info

Die Kosten

Laut Amrei Bär vom städtischen Fachbereich Tiefbau und Verkehr entstehen durch die Unterhaltung des Fahrradzählers nur geringe Kosten: 150 Euro seien jährlich für die eingebaute SIM-Karte zur Datenübermittlung nötig, dazu kämen die Stromkosten. Die Reparatur der Anzeige übernahm der Hersteller.

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