Offenburg

Die fliegenden Burda-Drillinge

Autor: 
Joachim Faber
Lesezeit 5 Minuten
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23. Dezember 2005
Vor 50 Jahren war die Geburtsstunde einer Werbeform, die weit über Offenburg hinaus zur Legende werden sollte: die Burda-Staffel. Die drei Piper-Maschinen waren jedoch nicht nur mit den Werbebannern für den Verlag in der Luft. Sie machten auch sich einen klingenden Namen bei Flugtagen.
Offenburg. Im Mai des Jahres 1955 flogen die drei Piper-Maschinen mit ihren Werbebannern zum ersten Mal über Offenburg. Franz Burda hatte ein großes Herz für die Sportfliegerei, die er auch in den Dienst seines Unternehmens stellen wollte. Der Hamburger Buchhändler Claus Kühl, der bereits 1954 mit Franz Burda zusammen kam, hatte die Idee einer Staffel aus drei Sportflugzeugen, die im Bannerschlepp für die Produkte des Verlages werben sollten. Burda ließ sich überzeugen. Drei amerikanische Sport-Flugzeuge des Typs Piper bildeten das erste Trio. Franz Burda war ein ausgesprochener Mäzen der Fliegerei, obwohl er nicht selbst Flieger war. Viele flugsportliche Ereignisse und Konferenzen gingen nicht nur auf seine Initiative zurück, sondern wurden auch von ihm gesponsert. Start auf dem Titisee Die Burda-Piloten flogen durch ganz Europa. Von Pisa bis Kapstadt und von Ljubljana bis Lympne wurden sie bekannt. Kaum ein Flugtag in Deutschland fand ohne Beteiligung der Burda-Staffel statt. Zum ersten Mal trat die Staffel auf einem Flugtag auf, der noch nicht einmal auf einem Flugplatz stattfand. Der im Februar 1956 dank eisiger Kälte zugefrorene Titisee im Südschwarzwald stellte mit einer Eisdicke von 20 Zentimetern einen idealen Start- und Landeplatz für die Flugzeuge dar. Auch andere ausgefallene Start- und Landeplätze konnten die Piloten der Burda-Staffel nicht schrecken, sei es das Wattenmeer der Nordseeinsel Büsum, dessen nasser Strand der Staffel ebenfalls als Landeplatz diente, oder das 2600 Meter hoch gelegene Zugspitzplateau auf dem die Piper-Maschinen im März 1958 mit zünftiger Skiausrüstung unter dem Rumpf landeten. Die meisten Flugtage fanden aber unter durchaus zivilen Bedingungen statt. Bei all ihren Auftritten begeisterten die Piloten der Burda-Staffel durch ihr fliegerisches Können und das attraktive Programm, nicht nur in der Luft, sondern auch am Boden. Noch heute können sich Besucher damaliger Flugtage an die humoristischen Einlagen von Staffelchef Gerhard Maier erinnern, der mal als »Rebbäuerle von Durbach-Gebirg«, mal als »Fliegender Professor« oder als »Luftverhinderungsinspektor« auftrat. Gleich in welcher Verkleidung startete eine Burda-Maschine mit dem des Fliegens unkundigen Fluggast, der nach entsprechend halsbrecherischem Start einen ebenso schlechten Flug hinlegte, wobei sogar der Propeller stehenblieb und erst kurz vor dem »Absturz« des Flugzeuges zur großen Erleichterung des Publikums wieder ansprang. Kein Wunder, dass auch die Landung des unfreiwilligen Fliegers so ziemlich gegen alle Regeln der Zunft erfolgte. Viel Applaus erhielt Gerhard Maier für diese fliegerischen Spitzenleistungen vom Publikum, das nicht selten zu Beginn von Maiers Vorführung ein nahendes Unglück befürchtete und erst nach einiger Zeit bemerkte, daß hier eine Einlage der Burda- Staffel ablief. Luftballon-Rammen Nicht weniger attraktiv waren auch die übrigen Programmpunkte wie der Luftzirkus, das Luftballonrammen, der Bannerschlepp oder der enge Verbandsflug. »Dieser war immer das schwierigste Flugmanöver«, erinnert sich der ehemalige Burda-Pilot Helmut Auer. Bei der Banneraufnahme seien auch viel Geschicklichkeit erforderlich gewesen, erzählt Auer. Natürlich konnte auch das beste fliegerische Können nicht verhindern, dass hier und da einmal etwas nicht so ganz nach Plan lief. So endete der Tiefflug einer Burda-Maschine über dem Piz Buin mit einer nicht ganz freiwilligen Landung im Tiefschnee. Der Versuch durchzustarten endete in einem Kopfstand der Maschine, die zerlegt auf einem Tieflader wieder nach Offenburg zurück gebracht werden musste. Die Burda-Staffel war fast jeden Tag in der Luft. An Wochenenden fanden die Flugtage statt. Das fliegerische Personal des Burda-Verlages bestand aus gut einem Dutzend Piloten. Den Anfang machte Claus Kühl, der von 1955 bis 1958 Chef der Burda- Staffel und sozusagen ihr Erfinder war. Zusammen mit Gerhard Maier, Erwin Rohm und Joachim Illenberger bildete er das erste Pilotenteam. Nachfolger von Kühl wurde Gerhard Maier, der die Staffel bis zum Schluss führte. Maier flog mit den Piloten Erwin Rohm, Emil Schmelzinger, Heinz Schönefeld, Wolfgang Widow, Helmut Auer, Kurt Dombacher, Helmut Gebenus, Ingomar Lindner und Hansjörg Streifeneder. Willi Buss stand jahrelang als Ersatzpilot zur Verfügung. Die Burda-Maschinen mussten aber auch gewartet werden. Das besorgten am Boden Chefmechaniker Paul König und Heinz Becker. Aber auch alle Piloten legten im Winterhalbjahr mit Hand an, wenn es darum ging, die Flugzeuge für die kommende Saison einsatzbereit zu halten. Das erforderte einige Sorgfalt. 1973 kam das Ende Auch das Glück über den Wolken währt nicht ewig. Nach einer Flugstrecke von über sechs Millionen Kilometern und 41 000 Flugstunden nahte im Jahr 1973 das Aus für die Burda Staffel. Steigende Treibstoffkosten und eine bewusstere Wahrnehmung der Umwelt führten bei der Geschäftsleitung zu dem Entschluss, auf die Luftwerbung fortan zu verzichten. Die moderne Technik bot außerdem effektivere und kostengünstigere Möglichkeiten. So stellte die Staffel am 31. Juli 1973 ihren Dienst ein. Die Piloten zerstreuten sich in alle Winde, nur Gerhard Maier blieb dem Burda-Verlag treu. Manchmal treffen sich noch einige inzwischen betagte Herren, um über die alten Zeiten zu klönen. Dann fliegen sie wieder, die Burda-Drillinge. Die Banner wehen, die Luftballons knallen, die Zuschauer beklatschen die humoristischen Einlagen von Maier. Das dauert aber nur wenige Minuten, dann sind die Pilotenpensionäre wieder auf dem Boden der Tatsachen.

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