Zell am Harmersbach

»Joy & Fun«-Chorus bietet ganze Vielfalt des Gesangs

27. Oktober 2015
&copy Dieter Petri

Rund 400 Besucher kamen am Sonntagabend in die katholische Kirche Zell, um sich vom »Joy&Fun«-Chorus auf eine musikalische Reise über fünf Kontinente mitnehmen zu lassen. Dirigent Wolfram Dreher hatte die 31 Sängerinnen und Sänger wiederum meisterhaft vorbereitet.

Im ersten Teil bot der Chor geistliche Musik von der Renaissance bis ins 20. Jahrhundert. Das »Alta trinita beata«, das schon länger zum festen Bestandteil des Chores gehört, machte den Anfang. In frühbarocker Opulenz kam das »Miserere« von Gregori Allegeri daher. Dirigent Wolfram Dreher übernahm dabei die lateinische Rezitation von Psalm 51. Das Quartett, das sich mit dem Chor abwechselte, wurde bestritten von Amelie Dreher (Sopran I), Birgit Maier (Sopran II) Christiane Bergsträsser (Alt) und Siggi Lachmann (Bass).

Dass auch Igor Stravinski sich mit geistlicher Musik befasst hat, dürfte wenigen bekannt sein. Der musikalische Duktus des vorgetragenen »Pater noster« lehnte sich stark an die Strenge des gregorianischen Vorbildes an. Dagegen spiegelte der Marienhymnus von Sergei Rachmaninov »Bogoroditse Dev« die Seele der russisch-orthodoxen Tradition. 

Felix Mendelsohn Bartholdy hat die Tradition der deutschen geistlichen Musik im 19. Jahrhundert fortgesetzt. Verhalten und erhaben der Choral »Wirf deine Sorgen auf den Herrn«, stürmisch das »Jauchzet dem Herrn alle Welt«. Der Chor wurde den beiden unterschiedlichen Charaktern in gleicher Weise gerecht. 

Während im ersten Konzertteil um Zurückhaltung beim Applaus gebeten wurde, durften die Besucher im zweiten Teil nach jedem Titel ihrer Begeisterung Ausdruck geben. Bei den temperamentvollen Titeln hätte sich der Applaus auch nur schwer zurückhalten lassen. Das ungarische Lied »Dana Dana« von Lajos Bardos entwarf mit seiner stakkatohaften Artikulation ein holzschnittartiges Bild. Dagegen schwang im traditionellen Song »Shenandoah« wehmütige Verliebtheit in den nordamerikanischen Nationalpark mit. »Ein wenig sing doch, ein wenig tanz doch« lautete die Aufforderung aus Lateinamerika, die von Jens Marius John mit akustischen Akzenten verstärkt wurde.

Überraschung mit Fagott

Für eine Überraschung sorgte Dirigent Wolfram Dreher, als er kurz in der Sakristei verschwand und mit einem Fagott wiederkehrte. Zusammen mit Dieter Benson am Klavier präsentierte er insgesamt zwei Stücke, die das Konzert in seiner Vielfalt bereicherten. Auch Valérie Friedmann begleitete mehrmals  den Chor am Klavier. Mit heller Begeisterung wurden vom Publikum zwei Tango-Lieder aufgenommen: »Tango to Evora« von Loreena McKennitt und »Libertango« von Astor Piazolla.

Der Chor ist seit längerem für seine Liebe zu afrikanischen Songs bekannt. Beflügelt wird diese Leidenschaft durch Marguerite Kraft, die vor zehn Jahren aus Kamerun nach Deutschland kam und seit neun Jahren im »Joy&Fun«-Chorus mitsingt. Im Wechsel mit dem Chor sang Marguerite das Lied »Senzenina«. Mit dem Schlusslied »Ladumalam tsa tsa« führte der Chor gesanglich mitten in den afrikanischen Dschungel. Nach der Forderung nach einer Zugabe lud Wolfram Dreher das Publikum dazu ein, zusammen mit dem Chor gleichfalls den Dschungel durch Geräusche präsent zu machen. Und das Spektakel gelang. Der Dirigent applaudierte nun seinerseits dem Publikum und machte Werbung für neue Chormitglieder.

Hintergrund

Der Chor hilft

Schon im Vorfeld hatte der Chor "Joy & Fun" angekündigt, die Hälfte des Erlöses aus dem Konzert für die Operation eines jungen Afghanen zu spenden. Eva Gimmel vom Gengenbacher Arbeitskreis Asyl berichtete vom Schicksal des Asylbewerbers, dessen Gesicht bei einer Bombardierung entstellt wurde und dem mit plastischen Operationen im Ortenau-Klinikum geholfen werden kann.   dp

Autor:
Dieter Petri

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