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Neuried

Die Machenschaften der Waffenindustrie

Rüstungsexperte und -gegner Jürgen Grässlin spricht auf Einladung von vier Gruppierungen im Löwen
27. Januar 2017
&copy Sabine Knäble

»Statistisch wird alle 14 Minuten ein Mensch von einer Kugel aus einer HK-Waffe getötet.« Mit diesen und ähnlichen Äußerungen machte Jürgen Grässlin am Dienstagabend unter anderen auf die Verantwortung des deutschen Rüstungsunternehmens Heckler & Koch mit Sitz in Obersdorf am Neckar, aufmerksam. Rund 150 Zuhörer bei der gemeinsamen Veranstaltung der Wählervereinigung Umwelt und Leben, des Netzwerks Gastfreundschaft, vom Globus Weltladen und des Kulturvereins »Läwe im Lewe« folgten im vollbesetzten Löwensaal mit großem Interesse seinen Ausführungen über die Machenschaften der deutschen Waffenindustrie und ihrer Lobby. 
»Wer Waffen sät, wird Flüchtlinge ernten«, lautete das Thema seines Vortrags. Grässlin weiß, wovon er spricht. Seit den 80er-Jahren beschäftigt er sich mit Rüstungsunternehmen in Deutschland und gründete das Rüstungsinformationsbüro mit, das seinen Sitz in Freiburg hat und eines der größten Archive zum Thema besitzt. 
Seinen Kampf gegen die Waffenexporteure untermauert Grässlin auch mit Zahlen. So liegt Deutschland nach dem aktuellen Rüstungsexportbericht auf Platz fünf, bei den Kleinwaffen sogar auf dem zweiten Platz. Dabei betont er, dass 95 Prozent der in Kriegen und Bürgerkriegen getöteten Menschen durch sogenannte Kleinwaffen sterben. 

Flüchtlinge für Waffen
Auf der Liste der Empfängerländer finden sich Staaten wie Saudi-Arabien, Algerien oder Ägypten. »Die Länder, in die Waffen geliefert werden, decken sich mit den Ländern, aus denen Deutschland Flüchtlinge aufnimmt«, so der Friedensaktivist. Hartnäckig tritt er für einen Stopp aller Waffenexporte ein. Und das macht er auf vielfältige Weise. 
Als Buchautor zahlreicher Sachbücher über die deutsche Automobil- und Rüstungsindustrie, als Fachberater des Spielfilms »Meister des Todes« von Daniel Harrich, als Bundessprecher der Aktion Aufschrei »Stoppt den Waffenhandel«, als Bundessprecher der »Deutschen Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen«, als Sprecher der Kritischen AktionärInnen Daimler oder als engagierter Gewerkschafter. Die Liste lässt sich beliebig fortsetzen. 
Viele Preise hat er dafür bekommen, darunter den Aachener Friedenspreis und aktuell 2016 den Friedenspreis der Stadt Stuttgart. Doch mit seinem Engagement hat er sich nicht nur Freunde gemacht. Mit zahlreichen Strafanzeigen und Prozessen musste er sich herumschlagen. »Aber ich habe noch keine Verhandlung verloren«, sagt Grässlin stolz. 
Er selbst ist auch nicht untätig. So stellte er zusammen mit seinen Mitstreitern erfolgreich Strafanzeigen gegen Heckler & Koch, SigSauer und Carl Walther unter anderem wegen Verstöße gegen das Kriegswaffenkontroll- und das Außenwirtschaftsgesetz. Doch nicht nur die Konzerne sind die Schuldtragenden. Auch der Sicherheitsrat der Bundesregierung, der für die Genehmigung der Rüstungsexporte zuständig ist, trägt,laut Grässlin, einen großen Teil der Schuld an den vielen Opfern durch den Einsatz der deutschen Waffen. 
Nach dem Vortrag gab es in Ichenheim noch genügend Raum für Gespräche und Diskussionen, der von vielen Zuhörern genutzt wurde.

Autor:
Sabine Knäble

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