Offenburg - Fessenbach

Die Stolpersteine sind ihr Werk

Ursula Haß
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02. November 2016
Gerda-Marie Lüttgen zeigt ein Exemplar der »Stolpersteine«, die in Offenburg an das Schicksal der NS-Opfer erinnern. Sie hat das Projekt damals initiiert.

Gerda-Marie Lüttgen zeigt ein Exemplar der »Stolpersteine«, die in Offenburg an das Schicksal der NS-Opfer erinnern. Sie hat das Projekt damals initiiert. ©Ursula Haß

Sie hat sich als Initiatorin der »Stolpersteine« in Offenburg einen Namen gemacht: Heute feiert Gerda-Marie Lüttgen in Fessenbach ihren 70. Geburtstag. Noch immer hält sie das Rechercheprojekt auf Trab.

In Offenburg bekannt wurde Gerda-Marie Lüttgen, die heute ihren 70. Geburtstag feiern kann, durch das Offenburger »Stolperstein-Projekt«, das von ihr im Jahr 2003 initiiert und mit dem Künstler Gunter Demnig dann auch in den Jahren 2004 bis 2011 verwirklicht werden konnte. Inzwischen sind in Offenburg 120 Steine, die aus Beton gegossen und an der Oberseite eine zehnmal zehn Zentimeter große Messingtafel mit Namen, Geburtsjahr und weiteren Daten tragen, in der Innenstadt verlegt worden – immer dort, wo die Verfolgten bis zuletzt wohnten. Diese Steine erinnern an viele Offenburger Opfer der Nationalsozialisten, die durch Flucht, Festnahme und Deportation aus ihrem Lebensumfeld verschwanden und dann auch in Konzentrationslagern zu Tode gekommen sind. 

Einprägsame Erfahrung
Schon früh erfuhr die Rheinländerin Gerda-Marie Lüttgen, die in Eschweiler bei Aachen geboren wurde, von den Vertreibungen und Leiden der jüdischen Bevölkerung während der NS-Zeit. »Mein Vater hat mich nicht aus dem Zimmer geschickt, als ich bereits 1956, zehnjährig, von den schrecklichen Folgen der Judenvertreibungen im Fernsehen erfahren habe, die mich sehr berührten«, berichtet Gerda-Marie Lüttgen. 

Viele Jahre später, da wohnte sie schon längst in Offenburg, wurde sie durch die Medien auf den Künstler Gunter Demnig und sein Projekt der Stolpersteine aufmerksam. Sogleich engagierte sie sich dafür in Offenburg und fand in Oberbürgermeisterin Edith Schreiner auch eine Fürsprecherin. Unterstützt wurde sie auch durch Wolfgang Gall, der als städtischer Archivar die Recherche in Angriff nahm, und auch Martin Ruch konnte hilfreich mit Informationen zur Seite stehen. 

Mit Eva Mendelsson-Cohn verbindet sie noch heute eine lange Freundschaft, und so stehen Besuche in London und in Offenburg immer wieder an.

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»Ich habe durch dieses Projekt so viele neue Freunde gewonnen und somit auch eine große Bereicherung für mein Leben erfahren«, freut sich die Jubilarin, die sich zusammen mit ihrem Mann in Fessenbach sehr wohl fühlt. Ihren Mann Franz-Matthias Lüttgen, der aus Kreuzau bei Düren stammt, lernte sie schon früh durch seine Schwester kennen, die mit ihr im Internat war. Studiert hat sie in Fribourg in der Schweiz Heilpädagogik und später auch Logopädie. Sie konnte sich schon in jungen Jahren selbstständig machen und ihre fünf Kinder, neben ihrer beruflichen Tätigkeit, gut betreuen. 

Mit ihrem Mann, den sie 1969 heiratete und der Medizin in Freiburg studiert hat, lebte sie zunächst 20 Jahre in Gundelfingen, wo auch die ersten drei Kinder groß wurden, bevor sie dann nach Offenburg wechselten, wo Franz-Matthias Lüttgen im Ortenau-Klinikum zuerst als Facharzt und später als Chefarzt der Inneren Medizin tätig war. 
1993 bezogen sie ihr Haus in Fessenbach, wo auch noch die beiden jüngeren Kinder groß wurden. Heute sind die Kinder längst aus dem Haus, haben eigene Familien, wohnen in Stockholm oder Denzlingen, in Weil, in Mainz, aber auch in Offenburg. 

Goldschmiedin
Neben dem Familienleben, ihrem Beruf als Logopädin, den sie bis vor zwei Jahren noch in ihrer Praxis im Erdgeschoss ihres Hauses ausübte, fasziniert Gerda-Marie Lüttgen schon seit 15 Jahren das Handwerk der Goldschmiedin. Und dieses Hobby wird gepflegt, aber auch Bastelarbeiten nach dem Motto »Aus Alt mach Neu« zeugen von ihrem künstlerischen Talent und verschönern ihr Heim in der Senator-Burda-Straße. 

Und auch nach wie vor widmet sie sich den »Stolpersteinen«, denn abgeschlossen ist dieses Thema nicht. Es stehen immer wieder Recherchearbeiten an und noch so manches Schicksal der jüdischen Bevölkerung in Offenburg ist noch offen. 
Zum runden Geburtstag, zu dem die ganze Familie, die fünf Kinder mit Ehepartnern und sechs Enkelkinder erwartet werden, treffen mit Sicherheit viele Glückwünsche ein.

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