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Offenburg

Die Wahlpartys: Zwischen Enttäuschung und Zufriedenheit

25. September 2017
&copy Volker Gegg&copy Christoph Breithaupt&copy Christoph Breithaupt

Schock bei der CDU, Frust bei der SPD, und die AfD schaut im Wahllokal genau hin: Der gestrige Wahlabend ist für die im neuen Bundestag vertretenen Parteien ganz unterschiedlich verlaufen. Wir haben uns bei den Wahlpartys in Offenburg umgesehen.

Von Party nach der ersten Hochrechnung ist bei den 36 CDU-Anhängern im Weingut Freiherr von und zu Franckenstein nichts zu spüren. Stattdessen zeigen sich die Anwesenden perplex und geschockt über die ersten Zahlen. »Ich nehme es hin, wie es kommt«, sagt die Bundestagsabgeordnete Kordula Kovac. »Obwohl ich bis zuletzt gehofft habe, dass wir die 35 Prozent erreichen«, fügt sie hinzu. 
Da sie nicht in einem Wahlkreis als Direktkandidatin kandidierte, hat sich Kovac sehr stark im Offenburger Wahlkreis für Wolfgang Schäuble engagiert. Bei fünf von sechs Podiumsdiskussionen hat sie den Bundesfinanzminister vertreten. »Ich habe alles gegeben, so, wie man mich eben kennt«, betont sie. Auch der anwesende Staatssekretär Volker Schebesta zeigt sich enttäuscht vom Wahlergebnis. Bei der in der ARD zu sehenden Rede des AfD-Spitzenkandidaten Alexander Gauland erschallen erste Buh-Rufe in der Runde. 

»Wahnsinnig enttäuscht«
»Ich bin wahnsinnig enttäuscht«, bekennt eine sichtlich geschockte Elvira Drobinski-Weiß. »Ein Ergebnis in dieser Deutlichkeit habe ich nicht erwartet«, sagt die Bundestagsabgeordnete und Kandidatin der SPD. Sie verfolgt mit etwa 25 Parteifreunden die Auszählungsergebnisse in ihrem Wahlbüro in Offenburg. »Wir haben einen engagierten Wahlkampf geleistet, und ich bedanke mich bei allen meinen Wählern«, ringt Drobinski-Weiß um Fassung. 

Die Anwesenden sind einfach nur traurig, ein junger Mann wischt sich eine Träne aus dem Auge. Entsetzte Ausrufe sind zu hören, als AfD-Spitzenkandidat Alexander Gauland ankündigt: »Wir werden Frau Merkel jagen.« Der ein oder andere nimmt ein Glas Rosé-Wein in die Hand und verfolgt die Stimmen-Entwicklung am großen Bildschirm weiter. Worte wie »Erdrutsch«, »Desaster« oder »Katastrophe« sind zu hören. Fassungslosigkeit, Trauer, Enttäuschung, aber auch kämpferische Haltung wechseln. Vor allem über die Zusammensetzung einer künftigen Koalition wird spekuliert. 

Der Kandidat der Alternative für Deutschland (AfD), Taras Maygutiak, ist zu zwei Wahlbeobachtungen im Historischen Rathaus anwesend. Knapp vor der ersten Live-Übertragung auf den Fernsehkanälen steht er vor dem Rathaus und tippt gelassen in sein Handy. »Ich habe heute an zwei verschiedenen Uhrzeiten die Briefwahl im Sitzungssaal des Historischen Rathauses beobachtet«, berichtet Maygutiak, der in Begleitung eines Parteikollegen gekommen ist.

Zum Thema Wahlbeobachtung äußert sich der städtische Wahlleiter Oliver Basten insofern, als dass es am Sonntag insgesamt drei Leute in den Sitzungssaal gezogen habe. Die Wahlbeobachtung, obgleich öffentlich, sei eine wenig genutzte Gelegenheit der Bürger. Über eine Wahlfeier der AfD gab es im Vorfeld Andeutungen, dass sie in einem Gasthaus in Friesenheim stattfände. Auch eine Feier im Offenburger Jergerheim stand wohl zur Debatte, fand jedoch nicht statt. »Dort ist aber gerade meine Lebensgefährtin«, so Maygutiak.   

Sorge wegen der AfD
Volles Haus haben an diesem Abend die Grünen. Nicht nur, weil es im Café Kakadu für jeden Gast ein Freigetränk gibt – auch das Interesse am Abschneiden ihrer Partei wird von den Gästen auf dem Bildschirm aufmerksam verfolgt. Viele sind mit kompletter Familie gekommen. Der Landtagsabgeordnete Thomas Marwein zeigt sich dann »zufrieden« mit dem Ergebnis. Bundestagskandidat Norbert Großklaus indes diskutiert mit Gästen vor dem Lokal, Schulterklopfen oder gar Jubel ist hier nicht auszumachen. 

Dafür herrscht viel Frust und Sorge über den hohen Stimmenanteil der AfD. »Das ist wie bei McDonald’s, keiner gibt zu, dass er hingeht, aber alle tun es«, analysiert Wahlhelfer Mamkalo Rezan die Wählerschaft der AfD. Das Ergebnis der Grünen findet Egon Ketterer immerhin »ermutigend«. Als Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt vor die Fernsehkameras tritt, brandet doch noch kräftiger Beifall auf.  

Das Ergebnis von 2013  verdoppelt und die Zehn-Prozent-Marke geknackt: Bei der Wahlparty der FDP in der Ortenberger Straße wird bereits kurz nach 18 Uhr mit Sekt und Eis auf den Wiedereinzug in den Bundestag angestoßen. Wahlkreiskandidat Trutz-Ulrich Stephani stößt wegen eines privaten Termins erst gegen 18.30 Uhr zu seinen Parteifreunden. »Ich habe an uns geglaubt, und es ist so eingetreten. Jedenfalls ein gutes Ergebnis für die FDP«, erklärt der Chemiker mit Doktortitel. 

Eine Sieger-Zigarre anzünden darf Stephani allerdings nicht, denn im Park herrscht Rauchverbot. Dass Stephani bei  seinem Listenplatz nicht mit einem Sitz im Bundestag rechnen durfte, war klar, »aber das wissen wir erst heute am späten Abend«, kommentiert der Kandidat. 25 Parteifreunde beobachten auf drei Bildschirmen den Wahlvorgang. »Schaltet mal zur ARD rüber, da sind unsere Zahlen besser«, bemerkt Stephani mit einem Lächeln auf dem Gesicht. 

Gut gelaunte Linke 
Gute Stimmung herrscht kurz vor 19 Uhr auch bei den Linken im Linken Zentrum in der Rammersweierstraße. Wahlkreiskandidatin Karin Binder beobachtet gut gelaunt mit ihren 20 Parteianhängern die Medienberichterstattung. Seit 2005 saß Binder für die Linke im Bundestag, zuletzt für den Wahlkreis Karlsruhe. »Ich wollte aufhören, konnte allerdings den Wahlkreis Offenburg nicht im Stich lassen, und so habe ich nochmals kandidiert und beim Wahlkampf den ländlichen Raum kennen- und schätzen gelernt«, erklärt Binder, die keinen Listenplatz hatte und nicht wieder in den Bundestag kommt. 

»Mehr als zehn Prozent hätten wir uns schon gewünscht. Aber wir sind zufrieden, auch wenn man sieht, dass immer mehr junge Leute zu uns kommen und sich engagieren wollen«, bemerkt Paul Bauer, Vorsitzender des Ortsverbands Kehl. »Wir sind eine stabile Partei, das haben wir in den letzten Jahren gezeigt«, sagt Binder, bevor sie wieder ihr Augenmerk auf die Wahlberichterstattung auf der Leinwand legt.

Autor:
Ursula Groß und Volker Gegg

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