Offenburg

Die Wahlpartys: Zwischen Enttäuschung und Zufriedenheit

Autor: 
Ursula Groß und Volker Gegg
Lesezeit 5 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
25. September 2017
Gebannte Blicke: Im Weingut Franckenstein in der Weingartenstraße verfolgten die Anhänger der CDU die ersten Hochrechnungen im Fernsehen.

(Bild 1/3) Gebannte Blicke: Im Weingut Franckenstein in der Weingartenstraße verfolgten die Anhänger der CDU die ersten Hochrechnungen im Fernsehen. ©Volker Gegg

Schock bei der CDU, Frust bei der SPD, und die AfD schaut im Wahllokal genau hin: Der gestrige Wahlabend ist für die im neuen Bundestag vertretenen Parteien ganz unterschiedlich verlaufen. Wir haben uns bei den Wahlpartys in Offenburg umgesehen.

Von Party nach der ersten Hochrechnung ist bei den 36 CDU-Anhängern im Weingut Freiherr von und zu Franckenstein nichts zu spüren. Stattdessen zeigen sich die Anwesenden perplex und geschockt über die ersten Zahlen. »Ich nehme es hin, wie es kommt«, sagt die Bundestagsabgeordnete Kordula Kovac. »Obwohl ich bis zuletzt gehofft habe, dass wir die 35 Prozent erreichen«, fügt sie hinzu. 
Da sie nicht in einem Wahlkreis als Direktkandidatin kandidierte, hat sich Kovac sehr stark im Offenburger Wahlkreis für Wolfgang Schäuble engagiert. Bei fünf von sechs Podiumsdiskussionen hat sie den Bundesfinanzminister vertreten. »Ich habe alles gegeben, so, wie man mich eben kennt«, betont sie. Auch der anwesende Staatssekretär Volker Schebesta zeigt sich enttäuscht vom Wahlergebnis. Bei der in der ARD zu sehenden Rede des AfD-Spitzenkandidaten Alexander Gauland erschallen erste Buh-Rufe in der Runde. 

»Wahnsinnig enttäuscht«
»Ich bin wahnsinnig enttäuscht«, bekennt eine sichtlich geschockte Elvira Drobinski-Weiß. »Ein Ergebnis in dieser Deutlichkeit habe ich nicht erwartet«, sagt die Bundestagsabgeordnete und Kandidatin der SPD. Sie verfolgt mit etwa 25 Parteifreunden die Auszählungsergebnisse in ihrem Wahlbüro in Offenburg. »Wir haben einen engagierten Wahlkampf geleistet, und ich bedanke mich bei allen meinen Wählern«, ringt Drobinski-Weiß um Fassung. 

Die Anwesenden sind einfach nur traurig, ein junger Mann wischt sich eine Träne aus dem Auge. Entsetzte Ausrufe sind zu hören, als AfD-Spitzenkandidat Alexander Gauland ankündigt: »Wir werden Frau Merkel jagen.« Der ein oder andere nimmt ein Glas Rosé-Wein in die Hand und verfolgt die Stimmen-Entwicklung am großen Bildschirm weiter. Worte wie »Erdrutsch«, »Desaster« oder »Katastrophe« sind zu hören. Fassungslosigkeit, Trauer, Enttäuschung, aber auch kämpferische Haltung wechseln. Vor allem über die Zusammensetzung einer künftigen Koalition wird spekuliert. 

Der Kandidat der Alternative für Deutschland (AfD), Taras Maygutiak, ist zu zwei Wahlbeobachtungen im Historischen Rathaus anwesend. Knapp vor der ersten Live-Übertragung auf den Fernsehkanälen steht er vor dem Rathaus und tippt gelassen in sein Handy. »Ich habe heute an zwei verschiedenen Uhrzeiten die Briefwahl im Sitzungssaal des Historischen Rathauses beobachtet«, berichtet Maygutiak, der in Begleitung eines Parteikollegen gekommen ist.

Zum Thema Wahlbeobachtung äußert sich der städtische Wahlleiter Oliver Basten insofern, als dass es am Sonntag insgesamt drei Leute in den Sitzungssaal gezogen habe. Die Wahlbeobachtung, obgleich öffentlich, sei eine wenig genutzte Gelegenheit der Bürger. Über eine Wahlfeier der AfD gab es im Vorfeld Andeutungen, dass sie in einem Gasthaus in Friesenheim stattfände. Auch eine Feier im Offenburger Jergerheim stand wohl zur Debatte, fand jedoch nicht statt. »Dort ist aber gerade meine Lebensgefährtin«, so Maygutiak.   

- Anzeige -

Sorge wegen der AfD
Volles Haus haben an diesem Abend die Grünen. Nicht nur, weil es im Café Kakadu für jeden Gast ein Freigetränk gibt – auch das Interesse am Abschneiden ihrer Partei wird von den Gästen auf dem Bildschirm aufmerksam verfolgt. Viele sind mit kompletter Familie gekommen. Der Landtagsabgeordnete Thomas Marwein zeigt sich dann »zufrieden« mit dem Ergebnis. Bundestagskandidat Norbert Großklaus indes diskutiert mit Gästen vor dem Lokal, Schulterklopfen oder gar Jubel ist hier nicht auszumachen. 

Dafür herrscht viel Frust und Sorge über den hohen Stimmenanteil der AfD. »Das ist wie bei McDonald’s, keiner gibt zu, dass er hingeht, aber alle tun es«, analysiert Wahlhelfer Mamkalo Rezan die Wählerschaft der AfD. Das Ergebnis der Grünen findet Egon Ketterer immerhin »ermutigend«. Als Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt vor die Fernsehkameras tritt, brandet doch noch kräftiger Beifall auf.  

Das Ergebnis von 2013  verdoppelt und die Zehn-Prozent-Marke geknackt: Bei der Wahlparty der FDP in der Ortenberger Straße wird bereits kurz nach 18 Uhr mit Sekt und Eis auf den Wiedereinzug in den Bundestag angestoßen. Wahlkreiskandidat Trutz-Ulrich Stephani stößt wegen eines privaten Termins erst gegen 18.30 Uhr zu seinen Parteifreunden. »Ich habe an uns geglaubt, und es ist so eingetreten. Jedenfalls ein gutes Ergebnis für die FDP«, erklärt der Chemiker mit Doktortitel. 

Eine Sieger-Zigarre anzünden darf Stephani allerdings nicht, denn im Park herrscht Rauchverbot. Dass Stephani bei  seinem Listenplatz nicht mit einem Sitz im Bundestag rechnen durfte, war klar, »aber das wissen wir erst heute am späten Abend«, kommentiert der Kandidat. 25 Parteifreunde beobachten auf drei Bildschirmen den Wahlvorgang. »Schaltet mal zur ARD rüber, da sind unsere Zahlen besser«, bemerkt Stephani mit einem Lächeln auf dem Gesicht. 

Gut gelaunte Linke 
Gute Stimmung herrscht kurz vor 19 Uhr auch bei den Linken im Linken Zentrum in der Rammersweierstraße. Wahlkreiskandidatin Karin Binder beobachtet gut gelaunt mit ihren 20 Parteianhängern die Medienberichterstattung. Seit 2005 saß Binder für die Linke im Bundestag, zuletzt für den Wahlkreis Karlsruhe. »Ich wollte aufhören, konnte allerdings den Wahlkreis Offenburg nicht im Stich lassen, und so habe ich nochmals kandidiert und beim Wahlkampf den ländlichen Raum kennen- und schätzen gelernt«, erklärt Binder, die keinen Listenplatz hatte und nicht wieder in den Bundestag kommt. 

»Mehr als zehn Prozent hätten wir uns schon gewünscht. Aber wir sind zufrieden, auch wenn man sieht, dass immer mehr junge Leute zu uns kommen und sich engagieren wollen«, bemerkt Paul Bauer, Vorsitzender des Ortsverbands Kehl. »Wir sind eine stabile Partei, das haben wir in den letzten Jahren gezeigt«, sagt Binder, bevor sie wieder ihr Augenmerk auf die Wahlberichterstattung auf der Leinwand legt.

Weitere Artikel aus der Kategorie: Offenburg

vor 5 Stunden
Der Schutterwälder an sich
Ein Narri, Narro muss drin sein: Darum geht es in der aktuellen Kolumne des Schutterwälders an sich natürlich um die närrische Zeit, insbesondere um die kulinarischen Besonderheiten. 
vor 8 Stunden
Offenburger Stadtgeflüster
Narri, Narro! Im aktuellen Offenburger Stadtgeflüster gibt es natürlich auch die ein oder andere närrische Anekdote. Daneben sind seltsam angeordnete Verkehrsschilder, städtische Ordnungshüter und eine prominent vermeldete Neuanstellung Thema. 
vor 11 Stunden
„Frühjahrsputz für die Seele“
Nach den tollen Tagen beginnt mit dem Aschermittwoch die Fastenzeit. Die katholische Kirchengemeinde Sankt Ursula bietet zum Auftakt eine Reihe von Veranstaltungen an. Ein Kaplan, ein Pastoralreferent und eine Theologie-Studentin sagen, worauf es ihnen persönlich  in der Fastenzeit ankommt.
vor 12 Stunden
Die Kleidung ist stets elegant
Helene Bötzel aus dem Dietrich-Bonhoeffer-Haus in Bohlsbach feiert am Fastnachtssonntag ihren 100. Geburtstag. „Tante Lenchen“ präsentiert sich auch heute noch schick, wie eh und je.
vor 23 Stunden
Anfang März gepflanzt
Im Park der Villa Bauer soll Anfang März ein Ersatz für die im August 2019 gefällte Blutbuche gepflanzt werden. Der neue Baum hat gegenüber seinem Vorgänger aus Sicht der Stadt einen entscheidenden Vorteil.
21.02.2020
Offenburg
Dass das „Rée-Carré“ unaufhörlich in die Höhe wächst, ist unübersehbar. Ab März wird auch die Stadt Offenburg am aktuellen „Baustellen-Hotspot“ in der Innenstadt aktiv und gestaltet die Gustav-Rée-Anlage neu. Der Investor verrät, ob der Zeitplan fürs Einkaufszentrum eingehalten werden kann.
21.02.2020
„Ein fast perfektes Winzerjahr“
Die Winzergenossenschaft Durbach behauptet ihren Platz im oberen Weinsegment, das wurde bei der Jahresversammlung deutlich. Der Umsatz konnte im Vergleich zum Vorjahr gesteigert werden.
21.02.2020
Knerbli-Traumschiff legte ab
Die Knerbli-Zunft Berghaupten feierte am Donnerstag einen gelungenen Abend. Er bot alles – spitzenmäßige närrische Unterhaltung, gepfefferte Kritik (siehe Hintergrund) und viel fürs Herz: Bürgermeister Philipp Clever und seine Victoria sind tags zuvor zum zweiten Mal Eltern geworden. Sie bekamen...
21.02.2020
Baumfällarbeiten
Die Verlängerung der B3 zwischen dem Autobahn-Zubringer und der Otto-Hahn-Straße in Offenburg ist am kommenden Samstag, 29. Februar, gesperrt. Grund sind Baumfällarbeiten. Eine Umleitung ist eingerichtet. 
21.02.2020
Umfrage der Interessengemeinschaft
Die Interessengemeinschaft (IG) „Verkehrssicherheit auf dem Schulweg“ hat Anwohner von Schulstraße und „Im Winkel“ gefragt, was sie von einem verkehrsberuhigten Bereich bei der Weingartenschule halten. Der Großteil der Anwohner befürwortet die Idee, machte die IG im Ortschaftsrat deutlich.
Bei der Auszeichnung als offizielles Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt (von links): Nikolas Stoermer (Erster Landesbeamter Ortenaukreis), Marie-Luise Schebesta (Chefredakteurin „Mein schönes Land“), Nina Winter (Managing Director Burda Home und Projektverantwortliche) und Speerwerfer und Pate Johannes Vetter.
21.02.2020
„#beebetter“ ist jetzt offizielles UN-Projekt
Die bundesweite Bienenschutzinitiative „#beebetter“ hat die Auszeichnung als offizielles Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt erhalten. Entsprechend groß war die Freude der Initiatoren aus dem Hause Burda, als Speerwerfer Johannes Vetter die Auszeichnung überreichte.
21.02.2020
Vertragslaufzeit verlängert
Zum 1. April wird die Schutterwälder Jagd als Regiejagd von den Technischen Betrieben Offenburg (TBO) übernommen. Der Gemeinderat hat nun über ein aktualisiertes Jagdkataster entschieden. Auch die Mitglieder der Jagdgenossenschaften müssen noch zusammenkommen und beschließen, wie ihre Bezirke...

Das könnte Sie auch interessieren

- Anzeige -
  • Paaaaaarty! Kehl Marketing lädt auf den Fasentssamstag zum Gammlerball in die Stadthalle ein.
    14.02.2020
    Feiern, tanzen, Freunde treffen
    In Kehl bleibt es beim närrischen „Gammeln“ am Fasentssamstag – die Terminverschiebung vom Schmutzigen auf den Fasentssamstag vergangenes Jahr hat sich bewährt: Diesmal steigt die Riesenfete am 22. Februar. Saalöffnung ist um 19 Uhr. 
  • 14.02.2020
    Achern
    Kaminöfen spenden nicht nur wohltuende Wärme, sondern verwandeln das Wohnzimmer auch in einen gemütlichen und romantischen Ort. Bei Süd-West-Kachelofenbau in Achern wird der Kunde vom ersten Treffen bis zur Fertigstellung des Traumofens bestens betreut. 
  • Hauskauf ist Vertrauenssache: Mit einem guten Makler kommen nicht nur Familien in die eigenen vier Wände.
    11.02.2020
    Mit dem Makler auf der sicheren Seite
    Standort, Zustand, reelle Bewertung, Verkaufsstrategie, Expose, Verkaufsverhandlung und Notartermin – auch wenn der Markt für gebrauche Immobilien seit Jahren enorm in Bewegung ist, die Preise auch hier klettern, kann es fatal sein, die „Entscheidung des Lebens“ selbst in die Hand nehmen zu wollen...
  •  Der Freizeitpark "Funny World" in Kappel-Grafenhausen ist mit mehr als 50 Attraktionen ein ideales Ausflugsziel für groß und klein.
    07.02.2020
    Spiel, Spaß, Abenteuer in Kappel-Grafenhausen
    Der In- & Outdoor-Familienpark in Kappel-Grafenhausen wartet auch in diesem Jahr mit neuen Attraktionen, Workshops und vielen weiteren Aktivitäten für die gesamte Familie auf. Im Funny World können Kinder und Eltern ganzjährig einen Tag voller Spiel, Spaß und Abenteuer erleben.