Offenburg

Die Zeit am Handy wird meist unterschätzt

Autor: 
Antonia Höft
Lesezeit 3 Minuten
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07. November 2016
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Jugendliche scheinen immer mehr in ihr Smartphone vertieft zu sein. Henriette von Uckro, Ärztin für Psychotherapeutische Medizin am Ortenau Klinikum, erklärt, wann es zu einer Sucht werden kann. ©Pixabay


Kaum ertönt der Whatsappton, liegt das Smartphone schon in den Händen und viele Nutzer versinken in der digitalen Welt. Ob beim Arbeitsplatz oder zu Hause auf der Couch – das Handy scheint in der heutigen Zeit zu dem Prestigeobjekt Nummer eins geworden zu sein. Doch ab wann wird das Immer-online-sein zu einer Gefahr? Und welche Symptome deuten auf eine Sucht hin? Das Offenburger Tageblatt hat dazu Oberärztin Henriette von Uckro aus der Abteilung für Psychosomatik im Ortenau Klinikum befragt.

Wie oft schauen Sie am Tag aufs Handy, Frau von Uckro? 
Henriette von Uckro: Eigentlich relativ häufig. Ob ich nun ins Internet gehe oder meine E-Mails abrufe – das Handy ist ein wichtiges Arbeits­instrument. 

Gibt es eine Anzahl an Minuten, die schon auf eine Smartphone-Sucht hindeutet?
Von Uckro: Eine kritische Zeitspanne gibt es nicht. Aber meistens geht es schleichend. Denn das »kurz mal nebenbei« wird wirklich unterschätzt. So wie stark übergewichtige Menschen nicht merken, dass sie immer wieder an den Kühlschrank gehen, so realisiert jemand, der unter Smartphone-Sucht leidet auch nicht, wie viel Zeit vergangen ist. 

Jeder Facebook-Like, jeder Instagram-Abonnent mehr – ist das der Kick, auf den Handysüchtige hoffen? Oder welche Symptome deuten auf eine Sucht hin? 
Von Uckro: Ja, das kann man so vergleichen. Vor allem wenn jemand seine sozialen Kontakte vernachlässigt oder den Verpflichtungen im Alltag nicht mehr nachkommt, wie zum Beispiel in die Schule zu gehen, dann sollte man sich durchaus Gedanken machen. Virtuelle Beziehungen und Kontakte sollten nicht überwiegen und dann Begegnungen in der realen Welt nachlassen.

Das Jugendwort im vergangenen Jahr lautete »Smombie«. Zusammengesetzt aus den Begriffen »Smartphone« und »Zombie«. Was sagt das über unsere Gesellschaft aus?
Von Uckro: Das hör ich zum ersten Mal (lacht). Meine Befürchtung ist, dass sich manche Menschen fernab von zwischenmenschlichen Kontakten bewegen und sich nur noch im Internet sicher fühlen. 

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Ab wann sollten Kinder ein eigenes Smartphone haben – was würden Sie Eltern raten?
Von Uckro: Meine Erfahrung ist, dass viele Kinder in der Grundschule ein Smartphone besitzen. Dabei ist es nicht entscheidend, ob sie eins haben oder nicht, sondern vielmehr der Gebrauch. Denn an sich ist ein Smartphone ja auch nützlich. Um Abholtermine zu vereinbaren und bereits in der Schule wird intensiv mit den neuen Medien gearbeitet. Eltern sollten sich auf jeden Fall für den Smartphonegebrauch ihrer Kinder interessieren und hierauf Einfluss nehmen.

Paare, die sich im Café oder zu Hause gegenübersitzen, aber kein Wort miteinander reden, weil sie hochkonzentriert auf ihr Smartphone blicken, ist ein Bild, das man immer häufiger sieht. 
Von Uckro: Ich denke, dass bei solchen Fällen oftmals schon Beziehungsprobleme vorausgehen und das Smartphone eine gute Überbrückung für Streits bietet. Jeder sollte aber wachsam bleiben und sich gelegentlich die Frage stellen: Verbringe ich  genügend Zeit mit meinem Partner, Freunden und Familie?

Das Smartphone ist in der Gesellschaft integriert und vor allem akzeptiert. Macht es das nicht noch schwieriger, um eine Sucht festzustellen?
Von Uckro: Das ist allerdings ein Problem, denn die jetzige Generation wächst damit auf – sodass es vielmehr in der heutigen Gesellschaft verankert ist, als bei älteren Generationen. 

Wird sich das Kommunikationsverhalten noch weiter verändern?
Von Uckro: Ich würde mir wünschen, dass die zwischenmenschlichen Beziehungen durch die Technik nicht verkümmern, sondern dadurch bereichert werden, als eine Möglichkeit, Kontakte zu pflegen und Beziehungen zu gestalten.

Welche Tipps geben Sie Menschen, die zu oft an ihrem Smartphone »kleben«?
Von Uckro: Oft merkt man gar nicht, dass man zu viel Zeit mit dem Handy verbringt. Man könnte sich Regeln schaffen. Wenn man zum Beispiel am Abend nach Hause kommt, könnte man nur eine gewisse Zeit am Smartphone arbeiten, und es dann freiwillig weglegen, um sich dann anderen Dingen oder Menschen zu widmen. 
 

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