Hohberg - Diersburg

Diersburger Vogelstraße wird zum Folterinstrument

Autor: 
Klaus Krüger
Lesezeit 4 Minuten
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16. Februar 2017

Schwertransporte rollen derzeit zum Windpark hoch – dementsprechend sieht die Vogelstraße aus. ©Klaus Krüger

Die Transporte zum Steinfirst hinauf über die Vogelstraße in Diersburg sorgen für Unmut. Anwohner klagen über Lärm und Dreck. Die Verantwortlichen reagieren jetzt und Geschwindigkeitsbegrenzung und Putzaktionen.

In der Vogelstraße kocht der Unmut hoch. Die ehemalige Militärstraße am Diersburger Waldrand wird stark befahren; von Lastwagen mit schwerer Fracht. Anwohner beschweren sich über Lärm, Nachtfahrten und massiven Dreck. Über die Vogelstraße rollt derzeit die Anlieferung für den Bau des Windparks auf Steinfirst und Rauhkasten.
Auch die Gemeinderäte schalten sich ein. Daniela Bühler (CDU) brachte es im Rat zur Sprache: Die Fahrzeuge seien zu schnell und teilweise mitten in der Nacht unterwegs, die Straße sehe schlimm aus. Bürgermeister Klaus Jehle erwiderte, es habe Gespräche mit der zuständigen Firma Enercon gegeben: »Mir ist auch der Hut hochgegangen.« Er habe gesagt: »Wenn es so weitergeht, dann blockieren wir auch mal.« Und einen gepfefferten Brief habe er geschrieben. Fahrten nachts seien nicht vereinbart gewesen, das müsse sich ändern. Jehle: »Man hat uns nie informiert!« Die Geschwindigkeit werde jetzt gemessen, offiziell gelte dort Tempo 20. Und: »Wir kümmern uns drum, wir stehen täglich in Kontakt mit der Baufirma Enercon.«

Schlechter Zustand
Im Gespräch mit unserer Zeitung sagte der Bürgermeister, der Zustand der Straße sei »äußerst schlecht«, der Dreck werde nur weggeschoben und blockiere Einfahrten. Schlimm findet er die »Unverfrorenheit«, mit der die Baufirma vorgehe: Sie schütte die Gräben zu und grabe die Straße ab, ohne etwas zu sagen. Das ärgere ihn maßlos. Andererseits: »Das Ding muss jetzt hoch« – sprich, es gibt kein Zurück mehr.
Auch die Freien Wähler hatten einen Ortstermin. Ihr Fazit: »Die Vogelstraße zeigt sich aktuell nicht nur in einem desolaten Zustand, sondern ist gleichsam ein Schlammweg«, schreibt Wolfgang Seitz in einer Pressemitteilung. Trotz der Reinigungsarbeiten seien die Gemeinderäte entsetzt gewesen über die Verschmutzung und die beschädigte Fahrbahndecke.
Nach so viel Protest haben die Verantwortlichen reagiert. Am Donnerstag gab es einen Besichtigungstermin mit Vertretern des Bauunternehmens Enercon, der Endura kommunal und der Gemeinde. Das Ziel: Die Vogelstraße sauberer zu bekommen. Rolf Pfeifer von der Endura kommunal, der beteiligten Beratungsgesellschaft, gesteht die erhebliche Verschmutzung der Straße zu. Allerdings nimmt er die Gemeinde Hohberg ein Stück in die Pflicht – auch der Bau des Wasserhochbehälters verschmutze die Straße erheblich. Endura habe veranlasst, dass die Vogelstraße zwei- bis dreimal in der Woche gereinigt werde – mechanisch und mit »reichlich Wasser«. Und mit den Anwohnern stehe man in engem Kontakt, habe deren Fragen schriftlich beantwortet.
Anfang Januar habe es viele Transporte gegeben, derzeit wieder (siehe Hintergrund). Es arbeiteten zwei Teams parallel, um den Zeitplan einzuhalten, so Rolf Pfeifer. Denn Zeitverlust bedeute Geldverlust. Vor zwei Wochen hätten 40 Lkws den zweiten Kran angeliefert, 80 das Fundament. Im März seien noch einmal zwei Wochen Transporte geplant, die ersten Komponenten wie Rotorflügel und Maschinengehäuse werden angeliefert.
Jetzt seien es noch vier am Tag – zwei um 11 Uhr, zwei um 19.30 Uhr. Die würden entladen und führen leer zurück. Die Nachtfahrten hingen mit der Schwertransportgenehmigung zusammen, die vom Landratsamt komme. »Das hängt nicht von uns ab.« Und der Bürgermeister habe das auch nicht zu entscheiden.

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Zeitweise voll gesperrt
Auf Nachfrage sagte Kai Hockenjos, Pressesprecher des Landratsamts Ortenaukreis, die Transporte würden nach der Straßenverkehrs-Ordnung (§ 29 Abs. 3, Großraum- und Schwertransporte) abgewickelt. Sie seien nicht auf eine bestimmte Uhrzeit festgelegt; ausgenommen sind Stoßzeiten im Berufsverkehr. Die Kreisbehörde habe allerdings eine zeitweise Vollsperrung (je nach Bedarf) der Vogelstraße von montags bis freitags in der Zeit von 12 Uhr bis 16 Uhr sowie von 19 Uhr bis 21 Uhr angeordnet. Die Schwertransporte Richtung Windpark fahren mit Polizeibegleitung. 

Keine Anzeigen
Verstöße stellten eine Ordnungswidrigkeit dar, Anzeigen lägen seiner Behörde aber keine vor. Betonmischer und Baustellenfahrzeuge dürften jederzeit fahren. Nach den Anwohnerbeschwerden habe das Landratsamt auf Bitten der Gemeinde eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 20 Stundenkilometer in der Vogelstraße umsetzen lassen. 
Einige Anwohner, die namentlich nicht genannt werden wollen, betonen, dass sie keine Probleme mit der Windkraft haben: »Wenn wir die Atomkraftwerke loswerden wollen, brauchen wir die«, sagt eine Anwohnerin. Aber das Ausmaß der Belastung habe sie schon überrascht. 
◼ Am Sonntag, 19. März, gibt es eine öffentliche Baustellenbesichtigung. Infos: www.windenergie-gengenbach.de.

Hintergrund

Auch Betonlaster durch den Ort

Vom entstehenden Windpark über Diersburg bekommt Hohberg nur den geringsten Teil der Gewerbesteuer, der Löwenanteil steht Gengenbach und Friesenheim zu. Diersburg hingegen hat jetzt den Verkehr. Ursprünglich sollten die Betontransporter über Strohbach hochfahren, doch das ging nicht, sagt uns Rolf Pfeifer. Pfeifer: »Die Strecke hat 300 Meter lang 15 Prozent Steigung, das schafft kein Betonfahrzeug.« So haben die Diersburger seit November das zweifelhafte Vergnügen, all die Betonlaster über die Vogelstraße fahren zu haben. 

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