Erneut scharfe Kritik aus der Landwirtschaft 

Diskussion zu Volksbegehren: „Wie ein Schwerverbrecher“

Autor: 
Thorsten Mühl
Lesezeit 3 Minuten
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18. Oktober 2019
Diskutierten in der Abtsberghalle (von links): Hans Bartelme, Gottfried Mayer-Stürmer, Matthias Drescher, Egon Busam und Reiner End.

Diskutierten in der Abtsberghalle (von links): Hans Bartelme, Gottfried Mayer-Stürmer, Matthias Drescher, Egon Busam und Reiner End. ©Thorsten Mühl

Auch wenn sich die Ausgangslage beim Volksbegehren „Artenschutz“ seit Dienstag geändert hat, traf die Infoveranstaltung am Mittwoch in der Abtsberghalle mit Expertendiskussion auf reges Interesse. Pro und Contra wurden dabei konstruktiv beleuchtet.

Der zweistündige Austausch zum Volksbegehren „Artenschutz“ traf am Mittwoch das Interesse von über 200 Zuhörern. Ortsverwaltung und Ortschaftsrat hatten in die Abtsberghalle eingeladen, um das Thema aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten. Ziel war, eine fundierte, sachliche Diskussion in der Öffentlichkeit zu bieten. Zwei Stunden lang tauschten jeweils zwei Vertreter Argumente für und gegen das Volksbegehren aus, sachlich moderiert von Matthias Drescher. 

Bereits seit Dienstag war die Veranstaltung von einer neuen Entwicklung überholt worden. Die Initiatoren des Begehrens haben angesichts eines vorgelegten Eckpunktepapiers der Landesregierung Dialogbereitschaft signalisiert. Die Initiatoren haben zugesagt, die aktive Bewerbung des Begehrens bis Dezember auszusetzen. Sollten die Gespräche annehmbare Vorschläge beinhalten, werde das Begehren zurückgezogen. 

Nach einleitenden Worten von Ortsvorsteher Willi Wunsch referierten Gottfried Mayer-Stürmer (BUND) und Hans Bartelme (Naturland) als Befürworter, Reinhard End (Weinmanufaktur Gengenbach/Offenburg) und Egon Busam (Vorsitz BLHV-Kreisverband Offenburg) als Kritiker des Volksbegehrens. 

Mayer-Stürmer sah keine Landschaftsschutzgebiete in Offenburgs Umgebung von den im Begehren angesprochenen Regelungen betroffen. Seitens der Ökoverbände begrüßte Bartelme die sich zuletzt entwickelnde kontroverse Diskussion. „Dass der Landesregierung Druck gemacht werden konnte, ist bereits ein eigentlicher Erfolg“, sagte er. Da die Regierung nun Vorschläge vorlege, seien diese weder einem Kopplungsverbot (wie ein Volksbegehren) noch Haushaltszwängen unterworfen. Das Eckpunktepapier sei „sehr gut“, biete die Basis zu einer konstruktiven Diskussion. 

„Sündenbock“

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End kritisierte, die Landwirte seien wieder einmal „zum Sündenbock“ gemacht worden. Lebensmittelproduktion sei ohne Pflanzenschutz nicht zu erreichen. In Teilbereichen wie Ammoniak sei die Landwirtschaft Hauptverursacher von Problemen, „aber wir verbessern uns. In den nächsten zehn Jahren wird sich einiges tun“, so End. Konsumverhalten und das System seien Hauptprobleme. Auch weiter fortschreitende Versiegelung (100 Hektar pro Tag) sei anzuprangern. „Wir sind für Bienen, aber gegen die Art und Weise des Volksbegehrens“, betonte End. Busam monierte, der Landwirt werde „wie ein Schwerverbrecher hingestellt“. Er warnte, dass sich die Situation schnell drehen könne, „wenn der Verbraucher merkt, dass ihm vorgeschrieben wird, was er konsumieren soll“.

Einigkeit herrschte, dass der Landwirtschaft kein Schuld-Stempel aufgedrückt werden dürfe, ebenso beim Problem Flächenverbrauch. Gottfried Mayer-Stürmer sprach an, das Problem des Insektensterbens sei seit 20 Jahren erkennbar, der breiten Öffentlichkeit aber erst seit drei Jahren bekannt. „Unterschiedliche Probleme werden zu unterschiedlichen Zeiten erkannt“, merkte er an. Geschehe das, würden aber auch Lösungen entwickelt. Ein Beispiel sei der Katalysator als Reaktion auf das Waldsterben. 

Die Zuhörer stellten Fragen und bezogen Position. Kritik gab es beim Thema festgeschriebene Quote beim Öko-Landbau, wenn der Markt fehle. Hans Bartelme sah Chancen eines Wachstums, wenn es gelinge, Handelsstrukturen zu verändern. Bisher seien Landwirte und Kunden Leidtragende. 

Große Versiegelung

Beim Thema Eigenversorgung kritisierte Reiner End nochmals die Versiegelung landwirtschaftlicher Flächen. „Sieben Hektar wurden für den Seidenfaden für immer zerstört. Dass in Betonruinen keine Insekten leben, liegt auf der Hand“, sagte er. Andere Zuhörer mahnten, Verbraucher müssten zu Änderungen des eigenen Kaufverhaltens bereit sein.

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