Mundgeblasen aus der Dorotheenhütte

Echte Glasbläserkunst am Häs der Nordracher Glashansel

Autor: 
Inka Kleinke-Bialy
Lesezeit 3 Minuten
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23. Februar 2019

(Bild 1/2) Mundgeblasen: Die neuen Fläschchen für das Häs der Nordracher Glashansele kommen aus der Dorotheenhütte. ©Inka Kleinke-Bialy

Erstmals seit vielen Jahren werden die Glasfläschchen an den Kostümen der Nordracher Narren wieder in der Wolfacher Dorotheenhütte hergestellt.

Das närrische Nordracher Glashansele erinnert an die Glasfabrik, die vor über 300 Jahren in Nordrach ansässig war. Unter anderem farbige Miniaturflaschen aus Glas baumeln daher an den Gewändern, je zwölf bis dreizehn Stück.
»Insgesamt benötigen wir jedes Jahr etwa 200 bis 250«, weiß Häsmeister Claudius Welle. Nicht nur für neue Kostüme. Denn immer mal wieder geht eines der Fläschchen, die aus Gewichtsgründen hohl sind, kaputt oder verloren. »Manche Zuschauer reißen uns auch einfach was vom Häs ab«, schildert Welle.

Schon in den ersten Jahrzehnten nach der Zunftgründung 1974  waren die Utensilien in der Wolfacher Dorotheenhütte hergestellt worden. Welle erklärt: »Da sahen sie anders aus, waren bauchiger, an manchen alten Kostümen sieht man sie noch.« Dadurch, dass die Wolfacher Mundblashütte irgendwann das Sortiment und auch den Besitzer wechselte und die Nordracher Mini-Fläschle nicht mehr ins Programm passten, gingen die alten Formwerkzeuge verloren. 

Die Glashansele behalfen sich mit Parfüm- und ähnlichen Fläschchen, einer Großbestellung aus China, die neun Jahre reichte. In Ralf Müller dann, dem jetzigen Geschäftsführer sowohl der Dorotheenhütte als auch der Zeller Keramik, fand sich ein neuer Partner. 

Drei Jahre Vorbereitungszeit

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Insgesamt drei Jahre Vorbereitungszeit waren vonnöten. Zunächst ging es um die Form der kleinen Flaschen. Man einigte sich auf ein schlankes Rechteckformat, »weil das relativ einfach zu machen ist und trotzdem schön aussieht.« Anschließend mussten die Werkzeugformen gezeichnet und hergestellt werden. Die Herstellung  der Fläschchen gestaltete sich für die Dorotheenhütte zunächst als Herausforderung. Welle: »So kleine Gläser blasen die nicht oft – und wenn, dann sind sie massiv.« 

Wie aufwändig das Erstellen eines einzigen Fläschchens ist, hat der 34-Jährige am eigenen Leib erfahren. Der als Bauleiter tätige Bautechniker durfte selbst einen Tropfen glühender Glasmasse mit dem Glasbläserstab »vorblasen«, also vorformen,  und in eine Metallform geben. Die ersten Versuche gingen prompt daneben.

Um ein Zerspringen zu vermeiden, werden die Fläschchen acht Stunden lang langsam im Ofen heruntergekühlt. Anschließend gilt es, überstehende Wulste sowie den Flaschenhals mit Diamantscheiben glattzuschleifen.
In die richtige Produktion ging es nach dem Weihnachtsgeschäft Ende 2017, zur Fasent 2018 dann erhielten die Glashansele die ersten 50 Fläschchen aus der Dorotheenhütte. 250 weitere folgten jüngst, 100 davon in einer neuen, geschwungenen Form. Die zeigt auf Vorder- und Rückseite entweder Glashanselemaske oder Hanselestock. Teils sind die Fläschchen zudem glasperlengestrahlt, zwecks Mattierung. Neue Formen sollen im Laufe der Jahre hinzukommen.

Für die Narrenzunft – die heute, Samstag, in der Hansjakobhalle ihren Zunftabend abhält – heißt es nun, von Hand Schraub-Ösen einzukleben, um die Fläschle ans Häs nähen zu können. Überdies laufen in Wolfach Versuche, die bisher aus Kunststoff bestehenden Plättchen am Häs ebenfalls aus Glas herzustellen. 

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