Offenburg

Ein Appell an das Mitgefühl

Autor: 
Antonia Höft
Lesezeit 3 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
01. April 2015

Die Teilnehmer eines ungewöhnlichen »Passionswegs« wollten mit dem Zug zum Schlachthof den Umgang des Menschen mit den Tieren ins Bewusstsein rufen. ©Christoph Breithaupt

Tieren eine Stimme zu geben: Das war das Ziel eines »Passionswegs der Tiere«, der am Samstag knapp 50 Menschen zum Offenburger Schlachthof führte. Die vom Verein »Aktion Kirche und Tiere« organisierte Veranstaltung richtete sich unter anderem gegen Massentierhaltung und Tierversuche.

Offenburg. Sie hielten Schilder in die Höhe mit Sätze wie »Leiden für den Pelz«, »Delfinerie« oder »Stoppt Massentierhaltung« und weckten die Neugier vieler Passanten. Vor der evangelischen Stadtkirche in Offenburg haben sich am Samstagvormittag etwa 50 Menschen versammelt.  Sie alle hatten eine Gemeinsamkeit: Sie wollten mit Organisator Gerhard Siefert vom Verein »Aktion Kirche und Tiere« (Akut) gemeinsam einen »Passionsweg der Tiere« gehen. Ziel war der Offenburger Schlachthof als Symbol für den Umgang der Menschen mit den Tieren, den die Aktivisten kritisieren. Unter ihnen waren Studenten genauso wie Senioren oder Familien mit Kinderwagen.

Bewusstsein ankurbeln

Dass der Termin für den Marsch in die Fastenzeit fiel, sei bewusst ausgewählt worden, erläuterte Siefert. Doch statt zu belehren, wolle man vielmehr das Bewusstsein der Leute ankurbeln. »Es wird höchste Zeit, dass im Alltag der Kirche auch ein Wandel im Bezug auf Tierschutz geschieht«, sagte Siefert. Der »Passionsweg« sei »eine Möglichkeit, um auf das Leid der Tiere aufmerksam zu machen«.

Auch der katholische Pfarrer Peter Altenstetter, Vorstandsmitglied von Akut aus Karlsruhe, bedauert die allgemeine Haltung der Kirche gegenüber dem Tierschutz und sieht sich als »Anwalt der Tiere in der Kirche«. Seine Meinung: »Es muss sich noch viel ändern.« Altenstetter ist selbst Autor eines Buches mit dem Titel »Die Tiere, Boten Gottes«.

- Anzeige -

Christian Kühlewein-Roloff, Pfarrer der evangelischen Stadtkirchengemeinde Offenburg, verwies auf Zahlen: »96 Prozent der Tiere landen bei der Massentierhaltung und bei neun bis zehn Prozent der Tiere klappt die Betäubung nicht«, sagte er. Die Tiere durchlitten dann einen großen Schmerz.

Gerhard Siefert und zwei Weggefährten trugen das schwere Holzkreuz als Symbol für Leid und Schuld durch die Hauptstraße Richtung Ölberg. Die Passanten blieben stehen, schauten skeptisch auf die Schilder. Manche schüttelten den Kopf, andere fragten interessiert nach. »Ich bin 91 Jahre alt und mir liegen die Tiere besonders am Herzen«, sagte die älteste Teilnehmerin. Mit einem Gehstock begleitete sie den Zug. Ihr Begleiter trug unter dem Arm einen Klappstuhl, auf den sich die Dame hin und wieder setzte. »Wir verzichten schon lange auf tierische Produkte«, betonte er. Viele Menschen machten sich keine Gedanken über das Leid der Tiere.

Auf dem Ölberg wurde der erste Zwischenstopp eingelegt. Dort sprach Deborah Vier von der Tierrechtsorganisation »Animals United« über den Pelz als »Modetrend« oder den Stierkampf in Spanien. Sie wolle wachrütteln und auf die »traurige Realität« vieler Tiere aufmerksam machen.

Ziel war der Schlachthof. Dort sprach Pfarrerin Miriam Waldmann Fürbitten, und das schwere Kreuz wurde aufgestellt. »Mitleid reicht leider nicht. Gerechtigkeit muss auch denen widerfahren, die keine Stimme haben«, sagte Siefert.

Zum Schluss ging es wieder auf den Ölberg, wo Siefert mit der Gitarre zwei Taizé-Lieder anstimmte: »Im Dunkeln unserer Nacht« und »Bless the Lord«. Dabei wurden Kerzen angezündet. Kirche und Tierschützer hätten selten miteinander zu tun, doch viele seien sich einig. »Heute haben wir dasselbe Ziel«, stellte eine Tierschützerin von »Animals United« fest. Dennoch müsse sich das Image der Kirche ändern – christliche Verantwortung gelte gegenüber allen Geschöpfen.

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeigen
  • 24.05.2019
    Biberach
    Mit zwei Kandidaten tritt die Alternative für Deutschland (AfD) am 26. Mai bei den Gemeinderatswahlen in Biberach an.
  • 13.05.2019
    »Schöne Zeit« – der zeitlose Weingenuss
    Fruchtig, farbenfroh und voller Lebensfreude – so zeigt sich der neue »Schöne Zeit«-Weißwein der Durbacher WG. Der Name ist Programm und steht für zeitlosen Genuss für jedes Alter – aus dem Herzen des Durbachtals.
  • 09.05.2019
    Experten von Steinhof Fitness in Oberkirch beraten
    80 Prozent der Deutschen haben Rückenschmerzen - viele sogar chronisch. Ursache dafür ist in den allermeisten Fällen eine mangelnde oder falsche Bewegung. Die Experten von Steinhof Fitness in Oberkirch zeigen, wie Rückenschmerzen künftig der Vergangenheit angehören können - und beraten kostenlos.
  • 07.05.2019
    Mitgliederversammlung
    Es war eine geheime Abstimmung beim SV Berghaupten. Doch danach stand fest: Die Führungsmannschaft bleibt bis 2021 im Amt. Robert Harter wurde erneut die SVB-Präsidentenwürde zuteil.  

Weitere Artikel aus der Kategorie: Offenburg

vor 5 Stunden
Hofweierer Zunft tagt
Die Fasentsaison war gelungen, das restliche Jahr auch – die Beiabsäger sind zufrieden. Und sie ehrten verdiente Mitglieder. Hohberg-Hofwe
vor 6 Stunden
Verträge für Hilfe bei Nachbarn
Der Gemeinderat beschloss Verträge über die gegenseitige Hilfe mit den Nachbargemeinden. Es betrifft die Einsätze der Feuerwehr.
vor 13 Stunden
"Uns schickt der Himmel"
Die Uhr läuft: Binnen 72 Stunden wollen fünf kirchliche Jugendgruppen ein Projekt in Offenburg stemmen. Mit ihrem Einsatz wollen die jungen Menschen etwa Kitas unterstützen oder Umweltprojekte umsetzen. Das Motto der bundesweiten Aktion heißt seit vielen Jahren: »Uns schickt der Himmel.«
vor 16 Stunden
Offenburg
Alles richtig gemacht in den vergangenen fünf Jahren? Alles richtig gemacht im Wahlkampf? Und wenn ja – kommt es überhaupt beim Wähler an? Am Montagabend, wenn die Ergebnisse der Gemeinderatswahlen ausgezählt sind, ist die Ungewissheit für die Offenburger Stadträte und Kandidaten vorbei. 
vor 18 Stunden
Körperteil amputiert
Eine Katzenhalterin aus Ortenberg ist fassungslos: Ihre Katze kehrte mit einer schweren Verletzung am Schwanz nach Hause zurück. Dem Tier musste der Schwanz amputiert werden. Laut Tierarzt könnte jemand mit einer Schere die Samtpfote verletzt haben. 
vor 19 Stunden
Endlich auf der großen Bühne
Der 21-jährige Griesheimer Jan Rendels braucht am Sonntag, 26. Mai, die Unterstützung der Ortenauer: Er tritt in der ARD-Live-Sendung »Immer wieder sonntags« an, um in der Schlagersendung »Sommerhitkönig« zu werden.
vor 21 Stunden
Drei Tage Asphaltierungsarbeiten im Juni
Die Sanierung der L 94 in der Ortsdurchfahrt Unterharmersbach biegt auf die Zielgerade ein. Im Juni wartet allerdings noch eine Vollsperrung auf die Autofahrer.
Der Unterstufenchor des Grimmelshausen-Gymnasiums eröffnete den musikalischen Abend im Offenburger Salmen mit zwei Liedern aus dem Musical »Schach 2.0«.
vor 21 Stunden
Junge Ensembles überzeugten
Am Dienstag hatten die Musik-AGs des Grimmelshausen-Gymnasiums zum traditionellen Frühlingskonzert eingeladen, das in diesem Jahr erstmals im Offenburger Salmen stattfand. Die Musiker hinterließen Eindruck.
vor 21 Stunden
Ferienlandschaft Mittlerer Schwarzwald
Vom 26. Mai bis 5. Juli finden zum zweiten Mal die Blasmusik- und Wanderwochen im Mittleren Schwarzwald in den Orten Gengenbach, Biberach, Nordrach, Zell am Harmersbach und Oberharmersbach statt. 
vor 21 Stunden
Viele Veranstaltungen
Am Wochenende werden in Gengenbachs Altstadt Tausende Menschen unterwegs sein. Geboten sind der 4. Altstadt-Antikmarkt, Tag der offenen Tür an der Hochschule und Vernissage im Haus Löwenberg, Parkfest der Nonnen, Start des Kultursommers und verkaufsoffener Sonntag. Außerdem ist Wahltag.
Karin Weißer von der VHS Offenburg.
vor 21 Stunden
»Das Thema ist schambesetzt«
»Grundbildung für Erwachsene« ist ein Fachtag überschrieben, der am 4. Juni stattfindet und von der Volkshochschule organisiert wird. Thematisiert wird unter anderem der funktionale Analphabetismus als gesellschaftliches Problem. Die Botschaft der Veranstalter: Viele Kenntnisse lassen sich...
vor 21 Stunden
Frankreichbesuch
Rund 40 Zell-Weierbacher festigten ihre Beziehungen zu der französischen Partnergemeinde Saint-Jean-de-Losne mit einem weiteren Besuch.