Offenburg - Zell-Weierbach

Ein Hoch auf die Muettersproch

Autor: 
Ursula Haß
Lesezeit 3 Minuten
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02. November 2015
Margot Müller freute sich über die gelungene Jubiläumsfeier der Muettersproch-Gsellschaft Offenburg mit Otmar Schnurr (links) alias Nepomuk, der Bruddler, sowie den Liedermacher Wolfgang Mießmer.

©Ursula Haß

Beste Unterhaltung mit zwei urwüchsigen Alemannen gab es beim 50-jährigen Bestehen der Muettersproch-Gsellschaft: Otmar Schnurr alias Nepomuk, der Bruddler, und Liedermacher Wolfgang Mießmer brachten den Burgundersaal zum Brodeln.

Offenburg-Zell-Weierbach.
Alfons End vom Heimat- und Geschichtsverein, der auch bewirtete, musste im Burgundersaal noch weitere Stühle herbeischaffen, um die vielen Besucher unterzubringen: Alle wollte das Jubiläum der Muettersproch-Gsellschaft Offenburg mitfeiern.
Margot Müller, die Vorsitzende der Offenburger Gruppe, freute sich über die große Resonanz der Gäste aus allen Winkeln der Ortenau und sogar dem Elsass. Sogar Horst Lapp, Heimatdichter aus dem hinteren Wolftal, kam zum 50-jährigen Bestehen. Sie beleuchtete die Geschichte der Muettersproch-Gsellschaft, erinnerte an Hubert Braun, der sich der Mundart verschrieben hatte und 1954 zu einem Treffen Elsässer, Schweizer und Deutsche einlud. Am 16. Juni 1965 wurde dann die Muettersproch-Gsellschaft gegründet, deren heutiger Präses Winterhalter Grüße aus Freiburg schickte. Im Jahr 1981 kam die Offenburger Gruppe dazu und inzwischen sind es 17 Regionalgruppen, so Margot Müller.
»Gschwätzt un gsunge«
»Schwätz Mundart, Maidli«, hatte ihr Klaus Poppen, der ehemalige Vorsitzende, der immer noch seine schützende Hand über den Verein hält, mit auf den Weg gegeben. Und dann wurde auch nur noch »Alemannisch gschwätzt un gsunge«. Wolfgang Mießmer eröffnete mit einem Liedle »S’isch alles ei Ding, ob ich lach oder sing«, dazu mit Varianten aus der Schweiz. Lieder zu den Jahreszeiten »s‘ Gretel het gsait« und auch die Vertonung eines wunderschönen Gedichts von Rosemarie Banholzer »Ei Blatt bisch Du Dein Leben lang« wurden vorgetragen. Sein reichhaltiges Repertoire holt er sich gerne aus dem Volksliederarchiv aus Freiburg, wie er erzählte.
Sarkastischer Blick
Und was hatte Otmar Schnurr nicht alles auf Lager, so das Klassentreffen im Gasthaus »Engel«: Beim 30. galt das Interesse der tollen Bedienung, beim 50. den großen Schnitzeln, beim 70. »dass ma ebe nielaufen kann« und beim 90. im »Engel« waren wir noch nie. Dann wurde die Mentalität der Ottenhöfener, seinem Heimatort, präsentiert, die Verwandtschaft der Frau mit viel Sarkasmus unter die Lupe genommen, die Geburtstags- und Weihnachtsfeiern bespöttelt. Und dass solche Feiern nur mit viel »Klingelberger« geschafft werden, versteht sich von selbst. Köstlich auch sein noch unentdecktes Talent beim Häkeln einer Stola für seine Frau, sein Englisch beim Austauschschüler, so wird Bibiliskäs ganz einfach mit »little chicken cheese« übersetzt. Aber auch die Geschichten vom Seniorennachmittag, von der Fortbildung, von den Krankheiten oder der Grausamkeit der Frauen beim »Schneckentöten« zeigten einmal mehr, wie Otmar Schnurr den Leuten auf den Mund schaut. Auch »pädagogische« Geschichten, Schnurr war ja 40 Jahre lang Religionslehrer, kamen gut beim Publikum an.
Wolfgang Mießmer, ein vehementer Verfechter der alemannischen Sprache und Gründungsmitglied der Gälfiaßler , brachte weitere elsässische Lieder wie »Gang mit mir an d‘r Rhin« oder das »Studentenlied vom Ferili« (Xaverli), das als einziges im vierhundert Lieder umfassenden Almanach (Liederbuch)  von 1861 vertreten ist, zu Gehör. Die Besucher sangen mit, wie natürlich auch beim Lied »Z’Mülle an der Post« des großen Dichters Johann Peter oder der Alemannischen Internationalen »Hans im Schnoogeloch«, der wirklich als Gastwirt gelebt haben soll.
Viel zu lachen
Hintergründiges zu den Liedern, aber auch zu alemannischen Interpreten wie Roger Siffer oder Philipp Brucker, den Lohrer OB und Mundartdichter, konnte Mießmer weitergeben.
Ohne Zugabe wurden die beiden von Margot Müller nach dem herzerfrischenden Abend natürlich nicht fort gelassen. Und dann gab es nur noch Applaus, Applaus, Applaus.

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