Offenburg

Ein Jurist aus Begeisterung

Autor: 
Regina Heilig
Lesezeit 3 Minuten
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04. Dezember 2013
Mit dicken Wälzern hat Peter-Christian Kunkel seine Erfahrung. Heute wird er 70 Jahre alt.

Mit dicken Wälzern hat Peter-Christian Kunkel seine Erfahrung. Heute wird er 70 Jahre alt. ©Regina Heilig

Eifriger Student, Weltreisender, Professor an der Verwaltungshochschule: Der Jurist Peter-Christian Kunkel hat einiges aus seinem Leben zu erzählen – nicht nur zum Thema Jugendhilfe. Heute wird der leidenschaftliche Tennisspieler 70 Jahre alt.

Auch wenn er in Schlesien zur Welt gekommen ist, so hat er längst in Offenburg seine Heimat gefunden: Der Jura-Professor Peter-Christian Kunkel aus der Schwarzwaldstraße feiert heute seinen 70. Geburtstag. Geboren wurde der Jubilar auf dem Rittergut »Erlenhöhe« in der Nähe von Breslau, das seinem Großvater gehörte. Nach dem Krieg kam die Familie nach Bayern. 1963 machte Peter-Christian Kunkel am Humboldt-Gymnasium in Ulm das Abitur und begann, in München Jura und Politische Wissenschaften zu studieren.

Zu seinen Professoren zählte der spätere Bundespräsident Roman Herzog, und als dieser einen Ruf an die Universität Berlin erhielt, folgte Kunkel ihm nach. Dem humanistischen Bildungsideal folgend, das die Ausbildung an verschiedenen Universitäten befürwortet, studierte er auch in Tübingen und Heidelberg, bevor er in München das erste juristische Staatsexamen ablegte.

Einser-Examen abgelegt

»Ich war ein sehr beflissener Jurist«, sagt Peter-Christian Kunkel schmunzelnd, und dieser Eifer schlug sich auch in der ersten Examensnote nieder, die ihn unter die seltene Spezies der »Einserjuristen« einreihte. Trotzdem oder gerade deswegen betrachtet er es im Nachhinein als überaus wichtig, dass er ein Jahr einschob, in dem er »per Anhalter durch Indien, Nepal und Afghanistan« reiste. Er sei »als anderer Mensch zurückgekehrt«. Dieser gefiel seiner Kommilitonin Franziska Merkle so gut, dass die Französisch- und Germanistik-Studentin später seine Frau wurde. Beide Kinder aus der Ehe, Julia und Patrick, folgten den Spuren des Vaters, der mit dem Beruf des Juristen »sehr glücklich war«.

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Nach dem zweiten juristischen Staatsexamen im Jahr 1973 begann Peter-Christian Kunkel im Rheinland-Pfälzischen Sozialministerium zu arbeiten, dessen Chef damals Heiner Geißler war. Wenig später fand er im Gebiet der Jugendhilfe seine Berufung. 1979 wechselte er als Professor an die Verwaltungshochschule Kehl. Noch heute schreibt er an Kommentaren und Lehrbüchern zum Jugendhilferecht. Seine Kenntnisse lassen ihn die modernen Trends in der Kinderbetreuung übrigens kritisch sehen: »Es klingt alles so schön und ist doch nur Lug und Betrug!« Nicht »das Kindeswohl, sondern das Wohl der Wirtschaft« stehe hinter dem Ruf nach mehr frühkindlicher Betreuung.

Nach 1990 im Osten

Als herausfordernd und »beruflichen Höhepunkt« sieht Professor Kunkel die Zeit ab 1990 an, als er in Meißen im Fach Staatsrecht Aufbauhilfe leisten konnte. Darüber, dass die Unterkunft der westdeutschen Professoren in einer alten »LPG« – kurz für eine »Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft« – immer mal wieder fantasiereich boykottiert wurde, kann er im Nachhinein lachen. Wichtig sei gewesen, dass man »echt noch etwas bewegen konnte«. Vor Studenten, für die die Bindung der Verwaltung an die Gesetze ein völlig unbekanntes Konzept war, sei er sich vorgekommen »wie ein Missionar – so muss sich Bonifatius gefühlt haben«, zieht das langjährige Mitglied des Pfarrgemeinderats Dreifaltigkeit einen gut katholischen Vergleich.

Der Jubilar, der bis heute beim TCO Offenburg und Blau-Weiß Reichenbach begeistert Tennis spielt, hat kein Verständnis für den »grassierenden Jugendwahn«: Das Alter anhalten zu wollen, sei »so falsch, wie im Winter Erdbeeren zu essen.« Er betont: »Wie die Jahreszeiten haben auch die Lebensalter jedes für sich ihre schönen und ihre Schattenseiten«. Die freie Zeiteinteilung als Pensionär entschädige für so manches Zipperlein, und die Momente mit den Enkeln Philipp, Nicolas, Alicia und Clara genießen Opa und Oma, die den heutigen Geburtstag bei ihren Kindern und deren Familien verbringen.

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