Offenburg

Ein kaufmännischer Pionier

Ursula Gross
Lesezeit 3 Minuten
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10. März 2009
Günter Spinner lebt nicht mehr. Der Vertreter der dritten Generation der Offenburger Handels- und Kaufmannsdynastie ist am 7. März, einen Tag nach seinem 92. Geburtstag. Bis zuletzt war Günter Spinner geistig rege.
Offenburg (ug). »Erfolg ist in dieser Familie hausgemacht«, bilanzierte der Verstorbene zu seinem 85. Geburtstag, nicht ohne zu erwähnen, dass zwei Generationen seiner Familie den Grundstein für das gelegt hatten, was mit diesem Namen untrennbar verbunden ist. Der wirtschaftliche Aufschwung der Stadt Offenburg im Bereich Handel. Der Verstorbene führte nicht nur die Erfolgsstrategie seiner Vorfahren weiter, er wurde zum Erneuerer, zum Pionier dieser Branche und Vorreiter moderner Geschäftsideen. »Ideen muss man mit Energie und Fleiß verfolgen, braucht aber immer auch ein Quäntchen Glück. Und Mut«, war seine Philosophie. Zwei erfolgreiche Brüder Sein Großvater, Firmengründer Adolf Spinner, hatte 1882 mit einem Kolonialwarengeschäft in der Innenstadt begonnen. Im Jahr 1942 musste Günter Spinner, da die Mutter, von der Gestapo verhaftet worden war, sie hatte den Betrieb tatkräftig anstelle ihres kranken Mannes geleitet, die Groß- und Einzelhandelsfirma seines Vaters Gustav Spinner übernehmen. Während der Bruder Adolf an der Front war, hatte Günter Spinner aufgrund einer Kriegsverletzung Volkswirtschaft studieren können, nachdem er im renommierten Salem das Abitur gemacht hatte. Nach dem Krieg wurden die Geschäftsbereiche in Groß- und Einzelhandel getrennt. Bruder Adolf Spinner führte den Großhandel weiter und war Gründer der »A & O-Handelskette«, während Günter Spinner die Einzelhandelsgeschäfte fortführte. Nach der Währungsreform hatte man den »Handelshof« in der Hauptstraße ausgebaut. Mitte der 50er-Jahre wurde das Warenhaus in der Steinstraße als Einrichtungshaus wiedereröffnet. Günter Spinner brachte in den frühen 50er-Jahren den ersten SB-Laden nach Südwestdeutschland. Mit der Trennung von den Lebensmittelfilialen startete er zugleich einen spektakulären Coup. 1958 kam die erste Warenhausgastronomie nach Offenburg, die Kaufhaus Cafeteria entstand im »Handelshof«. Die Geschäftsidee wurde deutschlandweit kopiert. Wiederum einen mutigen Schritt in die Moderne wagte Spinner mit der Gestaltung der Kaufhausfassade in der Hauptstraße. Nach einem Entwurf des Designers Anton Stankowski prägte sie ab 1974 das City-Gesicht mit. Im Jahr 1998 trennte sich die Familie vom Kaufhaus, es folgte die Konzentration auf die Geschäftsbereiche in der Steinstraße. Günter Spinner übergab die Leitung an Sohn Ulrich. Bis ins hohe Alter ließ der Senior es sich nicht nehmen, täglich im Büro in der Steinstraße vorbeizuschauen. Günter Spinner war Träger des Bundesverdienstkreuzes. Für seinen Berufsstand war er im Präsidium des Verbandes der Mittel- und Großbetriebe des Einzelhandels. Er wirkte zudem im Handelsausschuss der IHK-Oberrhein und im Verkehrsausschuss der Stadt. Mitarbeiter erinnern sich an den Seniorchef als einen ruhigen, mit Autorität und Gerechtigskeitssinn handelnden Chef. »Er hat in schweren Zeiten nach dem Krieg vielen seiner Mitarbeitern und Geschäftspartnern geholfen, ohne viel Aufhebens zu machen«, weiß Sohn Ulrich Spinner. Die Familie musste selbst schwere Zeiten während des Nationalsozialismus durchmachen. So hatte der Gemeinderat 1933 beschlossen, dass die Firma keine Aufträge von öffentlicher Stelle mehr bekommt. Bücher begeisterten ihn Günter Spinner war Gründungsmitglied des Lions-Club Offenburg. Mit Ehefrau Ilse, geborene Bienz, die aus einer Koblenzer Fabrikantenfamilie stammt, gestaltete er aktiv den Ruhestand nach einem arbeitsreichen Leben. Er war begeisterter Bücherliebhaber, besonders habe der Vater die Musik geliebt, so die Familie. Schließlich hat die Dynastie der Spinners über Generationen die Stadt nicht nur mit Artikeln des täglichen Bedarfs, sondern auch mit Büchern und Musik versorgt. Mit Ilse Spinner trauern die Familien von Sohn Ulrich Spinner und Tochter Ilona Freifrau von Seckendorff. Die Beisetzung findet am Freitag, 13 März, 13.30 Uhr, auf dem Stadtfriedhof Weingarten in Offenburg statt.

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