Forum Weißtanne informierte in Nordrach

Ein Plädoyer für die heimische Weißtanne

Autor: 
Herbert Vollmer
Lesezeit 4 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
17. Oktober 2019

Die Grünen-Abgeordneten Reinhold Pix und Thomas Marwein (von links), Sägewerksbetreiber Manuel Echtle und Ewald Elsäßer vor dem Weißtannen-Rundholzlager. ©Herbert Vollmer

Die schnell wachsende Fichte hat die Weißtanne im Laufe der Jahre mehr und mehr verdrängt. In Zeiten des Klimawandels rächt sich das nun, so Vertreter des „Forums Weißtanne“. Diese lobten in Nordrach die Eigenschaften der heimischen Baumart, die den Wald stabilisiere und gute Holz­eigenschaften habe.

Das Sägewerk Echtle, im Nordracher Hintertal gelegen, hat eine rund 100-jährige Tradition. Seit 1987 ist Manuel Echtle Geschäftsführer des elterlichen Betriebs, der sich auf hochwertiges Weißtannen-Starkholz spezialisiert hat. 
Manuel Echtle engagiert sich in mehreren Gremien und Verbänden. Er ist Sprecher der baden-württembergischen Säger auf Bundesebene und 2. Stellvertreter des „Forum Weißtanne“, das im Jahre 2000 gegründet worden ist. Zweck des Vereins ist die Förderung und Erhaltung der Weißtanne als natürliche Hauptbaumart des Schwarzwalds und des übrigen Verbreitungsgebiets.

Diesem Zweck diente auch am Montag im Sägewerk das Gespräch mit den Landtags-Abgeordneten Thomas Marwein und Reinhold Pix (beide Grüne), an dem neben Manuel Echtle auch Ewald Elsäßer als regionaler Ansprechpartner des Forums Weißtanne teilnahmen.

Echtle und Elsäßer erläuterten den Abgeordneten den Wert und die Bedeutung der Weißtanne im Schwarzwald. Die Weißtanne sei ursprünglich die Hauptbaumart in den süddeutschen Mittelgebirgen gewesen. Die schneller wachsende Fichte habe sie aber mehr und mehr verdrängt. Im Schwarzwald habe die Weißtanne immer noch einen Anteil von 15 bis 20 Prozent, in Baden-Württemberg noch acht Prozent, bundesweit nur noch 1,5 Prozent. 

Dies räche sich jetzt, da durch die Klimaerwärmung die Fichte als Flachwurzler zum Verlierer werde. Man benötige jetzt auch verstärkt Fremdländerbaumarten wie Douglasie und Roteiche zur Stabilisierung der Wälder. Die Weißtanne müsse aber der Hauptnadelbaum naturnaher Wälder bleiben, quasi als „Vater des Waldes“, neben der Buche als „Mutter des Waldes“.

Die Weißtanne habe sogar bessere Holzeigenschaften wie die Fichte, sie sei harzfrei und bleibe heller. Als Tiefwurzler könne sie sich auch in trockenen Perioden noch mit Wasser versorgen, sei sturmfester und stabilisiere den Wald. Gestresste Weißtannen würden auch von Weißtannen-Borkenkäfern befallen, der Schaden sei aber deutlich geringer als bei der Fichte. Die Weißtanne habe auch einen Nachteil. Da das Weißtannenholz mehr Feuchtigkeit enthält, ist der Aufwand beim Trocknen größer, deshalb ist es teurer als Fichtenholz.

Billigprodukte

- Anzeige -

Heimische Zimmereien würden längst nicht mehr automatisch heimisches Holz verwenden. Der Bauherr gehe zwar davon aus, aber Billigprodukte, oft auch aus Osteuropa und Russland, kämen aus Kostengründen vermehrt zum Einsatz.
Echtle forderte die Politiker auf, sich dafür einzusetzen, dass erstens mehr mit Holz gebaut werde und zweitens dass Holz aus der Region verwendet werde. Die Wertschöpfungskette beginne dann schon bei der Holzernte im Wald und nicht erst beim Säger. „Außerdem kann der wirtschaftliche und ökologische Unsinn vermieden werden, das Holz durch halb Europa zu karren“, so Echtle.

Klimastabile Wälder

Die Argumente von Echtle und Elsäßer fanden die uneingeschränkte Zustimmung der Abgeordneten. Thomas Marwein lobte, dass Echtle und Elsäßer anerkannte Experten seien, die sich erfolgreich für die Weißtanne einsetzen würden. Er bekräftigte, dass die Weißtanne künftig eine wesentliche Rolle im idealen Mischwald spielen sollte.

Reinhold Pix stellte sich als Abgeordneter des Wahlkreises Freiburg vor. Er habe ein Forststudium absolviert und sein Prüfungsfach sei die Weißtanne gewesen. Pix unterstrich, dass klimastabile Wälder wichtig seien, um den Klimawandel zu verlangsamen oder gar zu stoppen, und zwar als Daueraufgabe. Künftig wolle das Land nur noch naturnahen Waldbau fördern, einen gesunden Mischwald mit allen Altersklassen, dessen Baum­arten abhängig seien von der Höhenlage. Die Weißtanne sei dafür bestens geeignet, zumal sie auch im Schatten anderer Bäume wachsen könne. Einen Nachteil gebe es allerdings. Die Terminalknospe (Spitzentrieb) der Weißtanne stehe auf dem Speiseplan der Rehe. Deshalb müsse der aktuell zu hohe Rehwildbestand weiter reduziert werden.

Pix berichtete, dass das Land einen gesunden Mischwald als CO²-Speicher fördern wolle. 150 neue Stellen in der Forstverwaltung würden geschaffen, um den Umbau der Wälder und die Wiederbewaldung zu unterstützen. Seit zwei Jahren gäbe es auch eine Holzbauoffensive des Landes. 

Mit Bedauern stellten alle fest, dass die Weißtanne nicht in der Menge vorhanden sei wie die Fichte. Man habe es leider versäumt, auch genügend Veredelungsbetriebe in Baden-Württemberg zu schaffen. Zu oft werde das heimische Rundholz nach Bayern oder Österreich gefahren und moderne Holzprodukte kämen dann zurück.

Weitere Artikel aus der Kategorie: Offenburg

vor 2 Stunden
Schutterwald
Swinging Spirit, der Ortenauer Gospelchor mit Sitz in Schutterwald, löste bei seinem Benefizkonzert in der Schutterwälder Pfarrkirche Beifallsstürme aus. 
vor 2 Stunden
Hohberg - Hofweier
In der Hauptversammlung des Förderverein der Handballjugend in Hofweier gab es Positives zu hören. Der Verein hat 45 Mitglieder – und das im ersten Jahr.
vor 2 Stunden
Räumlichkeiten besichtigen
Mit „Unverpackt“-Läden soll möglichst viel Verpackungsmüll im Alltag vermieden werden. Auch in Offenburg soll so ein Geschäft eröffnen. Die Initiative „Unverpackt Offenburg“ hat jetzt passende Räumlichkeiten gefunden. 
vor 2 Stunden
Gemeinderat Zell
Der Zeller Gemeinderat hat am Dienstag einstimmig dafür gestimmt, dass die Firma Bresch Henne Mühlinghaus (bhm) die Gestaltung des Unterharmersbacher Rat-hausvorplatzes plant und die genauen Kosten berechnet. Erst wenn diese vorliegen, wird über die endgültige Ausstattung des Platzes entschieden.  
vor 3 Stunden
Hohberg
Das neue Gebäude der Gemeinschaftsschule in Hofweier bekommt einen Balkon an der Mensa und einen hohen, verglasten Eingangsbereich – so, wie es der Siegerentwurf des Büros Kopfarchitekten vorgesehen hatte. Das beschloss der Gemeinderat am Montag.
vor 3 Stunden
Neues Inklusionsprojekt
Durch gemeinsames Kochen in der Volkshochschule soll in diesem Semester das Band zwischen jungen und älteren, behinderten und nicht behinderten Menschen gestärkt werden. Nicole Schilli (VHS) und Rosina Heuberger (Lebenshilfe) stellten nun das Projekt vor. Die Kurse sind am 20. November und 10....
vor 3 Stunden
Offenburg - Bühl
Begeisterte Zuhörer hinterließ der Bühler Projektchor in einer voll besetzten Kirche. Das dargebotene Beatles-Repertoire fiel offensichtlich auf fruchtbaren Boden.
vor 3 Stunden
Für den guten Zweck
Freudige Überraschung für das Ortenauer Kinder- und Jugendhospiz: Das Offenburger Traditions-Autohaus Linck hat der Einrichtung 2500 Euro zukommen lassen.
vor 3 Stunden
Aufführung im Januar
Etwa 280 Sänger kamen am Wochenende in der evangelischen Auferstehungskirche zusammen. Sie probten für das Musical „Martin Luther King“. Insgesamt beteiligen sich 750 Chorsänger aus der Ortenau an dem Projekt.
vor 4 Stunden
Göppingen/Offenburg
Ignacio Lausen ist allen davongeschwommen: Der 19-jährige Auszubildende im Freizeitbad Stegermatt hat am Sonntag bei den Deutschen Meisterschaften der Schwimmmeister in Göppingen gleich fünf Goldmedaillen gewonnen. Dafür gab es die Ehrung von OB Marco Steffens.
vor 10 Stunden
Für Kinder ab vier Jahren
Am Samstag, 16. November, um 15 Uhr gastiert das Theater Liberi aus Bochum mit der Produktion „Die Schöne und Biest – das Musical“ in der Oberrheinhalle. 
vor 10 Stunden
Sitzung der Bezirkssynode
Die evangelische Landeskirche in Baden muss sich wegen rückläufiger Einnahmen von einem Drittel des Gebäudebestands, vor allem Gemeindehausflächen, trennen.

Das könnte Sie auch interessieren

- Anzeige -
  • 11.11.2019
    Bewegung analysieren
    Die moderne Arbeitswelt kann krank machen. Körperliche Unterforderung und psychische Überforderung resultieren in Rückenschmerzen, Gelenkproblemen, Burnout und Stoffwechselstörungen. Stinus Orthopädie bietet Unternehmen Bewegungsanalysen für Beschäftigte an – die auch im Betrieb durchgeführt werden...
  • 08.11.2019
    Medizinische Therapie und Fitness-Training
    „Fit werden – Fit bleiben“ – das ist das Motto des Rehazentrums Offenburg. Darum bietet es in familiärer und freundlicher Atmosphäre vielfältige Therapiemöglichkeiten an. Egal, ob chronische Schmerzen oder Beschwerden nach einer Operation – das Rehazentrum Offenburg findet die individuelle Hilfe...
  • 05.11.2019
    "Maschinen-Wagner" lädt ein
    Ob drehen, fräsen, bohren oder schleifen – „Maschinen-Wagner“ in Renchen ist der Experte auf dem Gebiet der Metallverarbeitung. Im November lädt das Unternehmen zur Hausmesse ein. Hier können sich die Besucher rund um die Themen Innovative Technologien, 5-Achs-Fräsen und Automatisierung informieren...
  • 04.11.2019
    Ausbildung und Praktikum
    Hermann Uhl KG in Schutterwald: Seit über 85 Jahren steht die Firma UHL aus Schutterwald für hohe Qualität rund um Sand, Kies, Beton und Betonerzeugnisse. Ohne gute Mitarbeiter geht so etwas nicht. Genau deshalb investiert UHL viel in die persönliche berufliche Entwicklung und in die Ausbildung...