Nordracher Geschichtstag

"Eindrücke in Auschwitz gehen unter die Haut"

Autor: 
Redaktion
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10. Oktober 2019

Michael Paul sprach in Nordrach vor kleiner Runde über seine Eindrücke aus Auschwitz. ©Herbert Vollmer

Der neunte Nordracher Geschichtstag am Samstag im Pfarrheim befasste sich mit der Reise­schilderung des Lahrer Schriftstellers Michael Paul zum ehemaligen Konzentrationslager nach Auschwitz. Der Besuch dort gehe unter die Haut, so der Referent.

„Schon beim Gedanke daran vermischt sich das Interesse mit einem unguten Gefühl, einem Schmerz, manchmal auch mit Angst“, hatte der Historische Verein Nordrach in seiner Einladung geschrieben. Der schwache Besuch am Samstag bestätigte offensihtlich diese These. Der Vorsitzende Herbert Vollmer bedauerte bei seiner Begrüßung sehr das mangelnde Interesse der Bevölkerung an diesem Geschichtstag. 

Vollmer stellte danach die Bedeutung des Lungensanatoriums Rothschild für Nordrach heraus, das einen Teil der jüngeren deutschen Geschichte widerspiegle: Jüdisches Lungensanatorium bis 1942, dann Haus Schwarzwald des Lebensborns, nach dem Krieg Lazarett, von 1947 bis 1949 Sammelstelle für Kinder französischer Soldaten und deutscher Mütter, ab 1952 Lungensanatorium Zajac, ab 1993 St. Georg Pflegeheim bis August 2019, seither leerstehend. 

„Rothschild“ oder „Zajac“, wie die Nordracher immer noch das Haus bezeichnen, sollte unter allen Umständen wieder sinnvoll genutzt werden. „Die Gemeinde sollte die Verkaufsverhandlungen aktiv begleiten. Wenn sich in absehbarer Zeit kein geeigneter Investor finden lässt, sollte die Gemeinde das Grundstück erwerben und so den Erhalt des denkmalgeschützten Gebäudes sichern“, appellierte Vollmer.

Michael Paul schilderte anschließend in bewegenden Worten seine Reise zusammen mit einer kleinen Reisegruppe nach Auschwitz im Mai 2018. Dort wurde im April 1940 auf Befehl des Reichsführers der SS, Heinrich Himmler, in einer ehemals polnischen Kaserne ein Konzentrationslager eingerichtet, das Bahnanschluss hatte und so die Deportation der Juden aus vielen Gebieten Europas vereinfachte. Im Oktober 1941 begann der Bau des riesigen zweiten Arbeitslagers Auschwitz-Birkenau für zunächst 100 000 Häftlinge. Die SS ließ es als industriealisiertes Vernichtungslager ausbauen mit mehreren Gaskammern und Krematorien. 

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Millionenfacher Mord

In den beiden Lagern kamen rund 1,3 Millionen Menschen ums Leben, darunter rund 1,1 Millionen Juden, aber auch Sinti und Roma, Kriegsgefangene und politische Häftlinge. 
Heute sind von diesen Konzentrationslagern noch viele Teile erhalten oder originalgetreu ergänzt. Sie sind öffentlich zugänglicher Bestandteil des Staatlichen Museums Au­schwitz-Birkenau, Gedenkstätte des Holocaust. Das Museum ist zugleich Gedenkstätte, internationales Begegnungs- und Holocaust-Forschungszentrum. 

Zunächst besichtigte Michael Paul mit seiner 18-köpfigen Reisegruppe das Stammlager Auschwitz I, das auch als Verwaltungszentrum gedient hatte. Der Rundgang durch die riesige Anlage gehe den Besuchern unter die Haut, sagte er. Besonders betroffen sei er gewesen, als er vor den riesigen Bergen von Geschirr, Prothesen, Schuhen und mit Namen versehenen Koffern gestanden habe, die bei der Befreiung des Lagers vorgefunden worden seien und in riesigen Vitrinen aufbewahrt werden. 
In einem der Gebäude waren die Haare der Opfer bis zur Decke aufgeschichtet, was ihn besonders emotional berührt habe, berichtete Paul. In einem überdimensionalen Buch sind die Namen aller jüdischen Opfer eingetragen. 

Am folgenden Tag besichtigte Michael Paul das Lager Auschwitz-Birkenau. Dort ist nur noch ein kleiner Teil der riesigen Gesamtanlage vorhanden, immerhin noch 36 Gebäude aus Stein und wohl ebenso viele aus Holz. Die gesprengten Gaskammern zu sehen, deren Trümmer liegen gelassen wurden und in denen bis zu 2000 Menschen zusammengepfercht den Tod fanden, sei ebenfalls sehr bedrückend gewesen, berichtete Paul. 

Auschwitz habe nur eine einzige Aufgabe gehabt, Menschen zu töten, so zweckmäßig wie möglich, erklärte Michael Paul. Über allem stehe immer wieder die Frage: „Warum wurde dies möglich?“

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