Wunderland Löwenberg

Eine Führung im Gengenbacher Museum lohnt sich

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19. August 2019

(Bild 1/5) Reinhard End bei einer sonntäglichen Sonderführung durchs Wunderland »Löwenberg«: Es erwartet die Besucher viel zum Wundern und Staunen aus der Zirkus- und Marionettenwelt, das alles mit einem kräftigen Schuss Humor präsentiert. ©Thomas Reizel

Das Gengenbacher Museum bietet die Ausstellung »Wunderland Löwenberg«. Jeden Sonntag im August gibt Kurator Reinhard End eine Sonderführung. Das OT hat ein einer teilgenommen. Es stimmt, was Reinhard End angekündigt hat: Es gibt viel zu staunen.
 

»Museen waren früher Wunderkammern, die sich nur Herrscher leisten konnten«, führt Kurator Reinhard End in die Ausstellung »Wunderland Löwenberg« ein. Sie setzt ihren Schwerpunkt auf die Zirkus- und Marionettenwelt, hat aber noch mehr zu bieten. Schon beim Betreten des ersten Raumes wünscht eine Figur, der Grüß-August, in mehreren Sprachen einen angenehmen Aufenthalt.

Die nachgebaute Orgel »Knödelfresser« steht da. »Wenn es sich die Kinder ganz fest wünschen, spielt sie«, sagt Ende. Und wie durch ein Wunder tut sie es auch. »Wundern und Staunen sind wunderbare menschliche Eigenschaften. Sie sind die Voraussetzungen, dass wir nicht mehr in Höhlen  sitzen«, leitet er zur nächsten Station über, das »ganz große Kino in Gengenbach«.

Plakate sind ausgestellt über die teilweise in Gengenbach gedrehten Filme »25 km/h«, »Charly und die Schokoladenfabrik«, »Die Powenz­bande« mit Theo Lingen, Gustav Knuth, Ruth-Maria Kubitschek. »Gengenbach kommt gleich nach Hollywood«, witzelt End und weiß zu dem Streifen Hintergründiges und Witziges zu berichten.

»Stramme Katholiken«

Etwa als im Löwenbergkino – Betreiber war seit 1933 Franz Hügel – der Skandalfilm »Pariser Nächte« lief. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam das Adler-Kino (Familie Schimpf) dazu.

Heute würde diese Art von Erotik in »Les Nuits de Paris« niemanden mehr hinter dem Ofen vorlocken, aber damals war das anders: »Die Kolpingfamilie hielt vor dem Kino eine Mahnwache, weniger um vom Kinobesuch abzuhalten, sondern eher, um zu registrieren, wer da reingeht«, erzählt End. Und als Monate später ein »frommer« Film lief, hätten sich einige der »strammen Katholiken Gengenbachs« geweigert, diesen anzusehen, weil zuvor so viel Schmutz lief.

Und schon ist Reinhard End bei der Schauspielerin Lina Carstens, die in dritter Ehe mit dem Journalisten und Schriftsteller Otto Ernst Sutter (1884 bis 1970) verheiratet war, aber nie Gengenbacherin wurde, weil das Filmgeschäft in München oder Berlin lief. Sie war die erste »Mutter Courage« auf deutschem Boden, stand mit Ringelnatz auf der Kabarett-Bühne, war Film-Partnerin von Heinz Rühmann, Zarah Leander und Gerd Fröbe.

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In Sutters Haus aber wurde eine fünfbändige Buchreihe aus dem Jahr 1834 entdeckt, die sich bereits im Besitz der Gebrüder Grimm befunden hatte und später im Eigentum des Eisenbahn- und Stahl-Unternehmers Bethel Henry Strousberg war. »Das war ein steinreicher Mann in Berlin, der aber in Konkurs gehen musste, weshalb alles versteigert wurde.«  Irgendwie kam diese Buchreihe zu Lina Carstens und viel später ins Haus Löwenberg, weil sie gerettet wurde, bevor sie von den Erben aus im Altpapier landet.

Nur wenige Schritte weiter strahlen drei Sonnen über Gengenbach. »Namhafte  Gengenbacher hatten das Phänomen notiert mit dem Hinweis, dass sie keine Säufer sind«, blickt End auf diesen »Fingerzeig Gottes« aus dem 16. Jahrhundert zurück, genauer gesagt auf einen Druck aus Straßburg, wobei die abgebildete Altstadt beliebig austauschbar war. So erschienen vor selbiger Kulisse in Bamberg Kälber mit fünf Köpfen.

Brillante Fotos

Wirklichkeit indes sind die Fotos von Manuela Seiler, die unter anderem Polarlichter, ein Unwetter über Venedig, Landschaften in Bali und den Dolomiten, ja sogar die Milchstraße über dem Lothar-Denkmal fotografiert hat. »Glauben Sie ja nicht, das kann jeder«, rückte End Manuela Seilers Können ins rechte Licht.

Mit brillanten Fotos geht es weiter, etwa des Zirkusfotografen Kurt Sikora (Aachen), der mit Paul Roncalli eng befreundet ist und ihm so Aufnahmen von Clowns und Feuerschluckern möglich waren, die so kaum jemand vor die Linse bekommt. »Wir haben diese Fotos mit den Marionetten aus der Schenkung Cohnen gemischt«, erklärt End.

Darunter befinden sich Karussellpferde und ein komplettes Wandertheater aus Böhmen sowie ein Kunstwerk von Otmar Alt. »Wir sagen damit willkommen in Gengenbach«, weist End auf die Elemente »Gengfisch« (Lachs) im Stadtwappen, den Mönch für das Kloster und den Ritter als Wahrzeichen hin.

Die 45-minütige Führung endet bei Briefmarken als Werbeträger für Städte und Firmen. »Briefe waren damals die einzige Möglichkeit der Kommunikation, das muss man den Jugendlichen erklären«, betont End. Somit können auch diese staunen und sich wundern.

  • Öffnungszeiten: Museum Haus Löwenberg, Gengenbach, Dienstag bis Freitag, 11 bis 17 Uhr, Samstag/Sonntag 13 bis 18 Uhr. Sonderführungen sonntags, 16 Uhr.

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