Serie

Einzigartigkeit des Menschen

Raphael Jung, Klaus Krüger
Lesezeit 4 Minuten
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16. September 2022
Melanie Friedrich

Melanie Friedrich ©Privat

Serie Leben mit Krebs (6): Gespräch mit Melanie Friedrich, der Leiterin des Hospizes Maria Frieden, über fürsorgliche Betreuung und individuelles Leben dort.

Krebs ist eine heimtückische Krankheit, wie das Schicksal von Tina Jung (42) zeigt. Die Altenheimerin starb im Dezember 2021 an den Folgen ihrer Krebserkrankung. Ihr Mann Raphael, einst Bürgermeisterkandidat für Neuried, begleitete ihr Leiden und Sterben über Monate hinweg. Er regte an, Aspekte einer solchen Krankheitsgeschichte in einer Serie zu würdigen – wir lassen darin Experten zu Wort kommen. Heute: Melanie Friedrich, Leiterin des Hospizes Maria Frieden.

Wie viele Patienten betreuen Sie im Hospiz?

Maximal acht Bewohnerinnen und Bewohner sind es.

Und wie viele Mitarbeiter haben Sie im Moment?

15 Pflegefachkräfte, eine Hauswirtschaftskraft, zwei Ärzte, eine katholische Pastoralreferentin, fünf ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, ein Musiktherapeut und eine Kunsttherapeutin.

Wie würden Sie das Besondere Ihrer Arbeit beschreiben?

Wir wollen unseren Bewohnerinnen und Bewohnern unter fürsorglicher Betreuung ein individuelles Leben ermöglichen. Gerade in dieser Situation gilt es, die Autonomie und Einzigartigkeit des Menschen zu wahren bis zuletzt. Es ist unser Anliegen, allen Menschen in Offenheit und mit Respekt zu begegnen, unabhängig von ihrer Herkunft, Weltanschauung oder Lebensform. Unser Bewohnerinnen geben den Tagesablauf vor. Wir beeinflussen nicht, sondern sind begleitend tätig.

Warum ist es aus Ihrer Sicht eine Überlegung wert, die verbleibende Zeit im Hospiz zu verbringen (und nicht zu Hause oder im Krankenhaus)?

Grundsätzlich gilt immer ambulant vor stationär. Aber wenn die Situation zu Hause nicht mehr händelbar ist, macht es Sinn, ins Hospiz zu gehen. Die Betroffenen und An-und Zugehörigen können Familie und nicht Pflegende sein.

Wer bezahlt das Hospiz und wie wird es finanziert?

95 Prozent der anfallenden Kosten übernehmen die Kranken- und Pflegekassen. Der Restbetrag wird vom Träger durch Spenden, ehrenamtliche Mitarbeiter, Mitgliedsbeiträge des Fördervereins und sonstige Zuwendungen aufgebracht.

Wann ist es aus Ihrer Sicht sinnvoll, sich mit dem Hospiz in Verbindung zu setzen?

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Je früher desto besser. Manchmal braucht es zur eigenen Sicherheit einen „Plan B“. Und wenn die Betroffenen noch in einem stabilem Zustand sind, können sie das Hospiz auch anschauen. Somit haben die Betroffenen einen Eindruck, wo der Weg hinführen könnte. Offene Fragen können geklärt und Ängste genommen werden.

Wer wird im Hospiz behandelt?

Überwiegend leben bei uns Patientinnen und Patienten mit onkologischen Krankheitsbild. Aber auch neurologische Erkrankungen; Vollbild AIDS; Herz- oder Niereninsuffiziente und COPD-Erkrankte haben eine Hospizindikation. Die Krankheitsbilder alleine reichen aber nicht aus. Die Erkrankung muss progredient (progressiv) verlaufen und bereits ein weit fortgeschrittenes Stadium erreicht haben. Die Erkrankung lässt lediglich eine begrenzte Lebenserwartung von wenigen Wochen bis Monaten zu. Eine Heilung ist ausgeschlossen und eine palliativ-medizinische Behandlung notwendig oder vom Patienten gewünscht. Eine Krankenhausbehandlung im Sinne des Paragrafen 39 SGB V ist nicht erforderlich. Eine ambulante oder stationäre Versorgung in einer Pflegeinrichtung ist aufgrund der hohen Symptomlast nicht möglich.

Welche Therapien/ Programme bieten Sie an für Patienten?

Wir haben Kunsttherapie, Musiktherapie, Physiotherapie, Aromapflege/Wickel/Auflagen und Basale Stimulation. Und seit Ende 2021 bekommen wir einmal im Monat Besuch von unserem Hospizpony Even.

Finden sich alle Bewohner mit dem Sterben ab?

Da sage ich ganz spontan Nein. Es gibt Bewohner, die bis zum letzten Tag kämpfen und hoffen. Und das ist auch vollkommen in Ordnung. Denn auf den Verlust der Hoffnung folgt der Tod.

Wie verarbeiten Sie für sich die Schicksale Ihrer Bewohner?

Wir haben im Team regelmäßig Teamsupervision in denen Fälle, die uns nahe gegangen sind, aufgearbeitet werden können. Außerdem besteht auch die Möglichkeit der Einzelsupervision für jeden Mitarbeiter.

Wir reflektieren und reden im Team viel darüber. Jeder von uns hat seine Selbstpflege für sich gefunden. Sei es Sport oder sich mit Freunden treffen oder Ähnliches. Selbstpflege ist in unserem Bereich ein sehr wichtiger Punkt.

Auch Emotionen zulassen ist ein wichtiger Aspekt und vollkommen zulässig und muss nicht hinter verschlossenen Türen stattfinden.

Info

Melanie Friedrich

... ist gelernte Gesundheits- und Krankenpflegerin. Sie hat einige Jahre auf der Onkologie im Klinikum in Offenburg gearbeitet. Dort hat sie die Fachweiterbildung für Onkologie und Palliative Care absolviert. Bei dieser Fachweiterbildung hatte sie eine sechswöchige Hospitation Haus Maria Frieden in Oberharmersbach. Dort ist ihr wieder bewusst geworden, warum sie den Beruf ergriffen hat. Sie möchte Zeit haben für die Betroffenen und die An- und Zugehörigen. Sie möchte nach der getanen Arbeit nach Hause gehen und sagen können, dass sie allen gerecht geworden ist.
2016 hat sie eine Stelle als Fachkraft im Haus Maria Frieden begonnen. Sie machte eine Weiterbildung zur Praxisanleiterin und zog mit dem Hospiz und dem Team 2017 nach Offenburg. Dann wurde sie stellvertretende PDL und begann die Weiterbildung zur PDL. 2018 hat sie die Leitung des Hospiz Maria Frieden übernommen.

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