Offenburg

Eltern wehren sich gegen Ganztagsschul-Pläne

Autor: 
Bettina Kühne
Lesezeit 4 Minuten
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08. Februar 2014

Gegen die grün-roten Gemeinschaftsschul-Pläne formiert sich in Offenburg und im Umland Widerstand. Nachdem der CDU-Landtagsabgeordnete Volker Schebesta vor zwei Wochen bei einer Infoveranstaltung mehr Wahlmöglichkeiten gefordert hatte, werden nun auch Stimmen von Eltern laut, die Kritik äußern. ©dpa

Auch wenn sie die Gemeinschaftsschule nicht grundsätzlich ablehnen, können sich viele Eltern nicht vorstellen, dass ihr Kind am Ganztagsschulbetrieb teilnehmen soll. Insbesondere im Rebland formiert sich Widerstand. Eine Unterschriftenliste soll an Thomas Marwein überreicht werden.

Offenburg. Gegen eine Gemeinschaftsschule spricht sich niemand aus, wohl aber wehren sich immer mehr Eltern in Offenburg und Umgebung gegen den verbindlichen Ganztagsbetrieb. Sie plädieren für ihre Familien auch für mehr Wahlmöglichkeiten – inklusive einer Realschule am Ort. »Ein Oberzentrum wie Offenburg sollte schon eine Realschule haben«, findet Christine Vollmer aus Ortenberg. Die Mutter zweier Kinder gehört wie Andrea Decker zu denen, die ihre Kinder nachmittags lieber zu Hause haben möchten. Beide sagen: »Der Knackpunkt an der Gemeinschaftsschule ist die Verbindlichkeit der Ganztagsbetreuung.«  Die Eltern sind der Meinung, dass eine Ganztagsschule viel Stress mit sich brächte. »Man müsste alles drum herum organisieren«, sagt Andrea Decker. Vier Kinder hat sie und möchte sie auch gerne selbst betreuen – von der Idee, in Offenburg nur noch ganztägige Gemeinschaftsschulen anzubieten, fühlt sie sich überrumpelt: »Man hätte die Eltern ins Boot holen sollen.« Decker sieht, dass sich gesellschaftlich einiges verändern wird, wenn die Kinder nachmittags alle in der Schule sind: »Das greift in Bereiche, die man sich jetzt noch gar nicht vorstellt.«

»Betroffen sind Vereine«

Betroffen davon wären vor allem die Vereine, vermutet Alexander Keck aus Zell-Weierbach. Sein älterer Sohn spielt Faustball und Fußball. »Wie sollte das im Ganztagsbetrieb noch funktionieren?«, fragt er. Die Kinder seien bei diesem Modell aus seiner Sicht »zu sehr eingeengt«.

Claudia Baumstark, ebenfalls aus Zell-Weierbach, hat in vielerlei Hinsicht »Bauchweh«, »auch beim Konzept der Gemeinschaftsschule«. Bereits bei den Werkrealschulen sei alles als komfortabel fürs Familienleben angepriesen worden, erinnert sie. Aber sie hat in ihrem Umfeld mitbekommen, dass Schüler im Unterricht und bei der Hausaufgabenbetreuung durchrutschen: »In der Familie wird dann abends zu Hause bis um 19 oder 20 Uhr nachgearbeitet.« Ihr sind die Konzepte, die die Schulen erstellen sollen, zu »wage«, auch was »die Anzahl der Lehrer betrifft«. Nicht zuletzt fragt sie sich, ob die Kinder in der Gemeinschaftsschule so vorbereitet werden, dass sie den Sprung aufs Gymnasium schaffen könnten.

Auch Simone Monschein aus Durbach hinterfragt das Konzept: »Ich weiß nicht, wie ich mir das vorstellen soll«. Sie arbeite extra nur halbtags, um für ihre beiden Kinder da zu sein und sieht: »Wenn sie nach Hause kommen, sind sie erst einmal froh, wenn sie die Seele baumeln lassen können.« Auch mit dem Mensaessen könnte sie sich schlecht anfreunden, denn sie legt auf gesunde Ernährung wert: »Ich koche jeden Tag frisch.« Was sie aber in jedem Fall mit ihren Kindern nachmittags erleben möchte: »Den ganz normalen Alltag – sie werden doch schnell genug groß.«

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Bei Margot Simonis aus Zell-Weierbach schrillen nach den Erfahrungen mit G8 »sämtliche Alarmglocken«. Sie fürchtet nicht nur den Wegfall der Realschule in Offenburg, sondern auch, dass die Ganztagsschule nicht richtig geschult ist: »Die Lehrer sind nicht genügend vorbereitet und die Materialien nicht da.«

Beratungen laufen noch
Christoph Jopen weist die Bedenken zurück. Der Schulbürgermeister betonte auf OT-Nachfrage, er habe bereits einige Kritiker zum Gespräch eingeladen. Zudem erklärte er, dass »noch Varianten diskutiert« würden. Allerdings: Offiziell war von diesen bislang kaum die Rede. Zuletzt wurden vier Standorte für angedachte Gemeinschaftsschulen vorgestellt und Kooperationsgespräche mit dem Umland und Gengenbach, wo eine Realschule erhalten bleiben soll, geführt.

Hinter den Kulissen laufen die Beratungen laut Jopen noch. Der Zeitplan bleibe wie im Oktober im Gemeinderat avisiert. Demnach überlegt die Theodor-Heuss-Realschule bis April, ob sie mit der As­trid-Lindgren-Schule eine fünfte Gemeinschaftsschule bilden möchte. Im Juni steht die Entscheidung des Gemeinderats an, die Gemeinschaftsschulen sollen dann zum Schuljahr 2015/2016 beantragt werden.

Unterschriften im Internet

Um ihrem Willen nach Wahlfreiheit Ausdruck zu verleihen, starteten Eltern im Rebland eine Unterschriftensammlung. Darin fordern sie, dass Eltern nach wie vor die Wahl haben sollten, ob sie für ihre Kinder die Ganztagsschule möchten oder nicht.
Die Eltern planen nun, die Listen mit den Unterschriften an Thomas Marwein zu übergeben. Der Landtagsabgeordnete der Grünen stellt mit seiner Partei die Landesregierung, die die Gemeinschaftsschulen erst eingeführt hat.
Bereits vor Weihnachten wurde eine Online-Petition unter dem Titel »Gemeinschaftsschule = verbindliche Ganztagsschule – wir sind dagegen!« gestartet. Sie ist aber bereits beendet. Insgesamt kamen dabei bundesweit rund 2600 Stimmen zusammen, rund 2400 votierten in Baden-Württemberg.

Über 400 Eltern aus Offenburg mit den Postleitzahlbereichen 77652, 77654 und 77656 stimmten unterschrieben, zudem gab es 67 Teilnehmer in Ortenberg und 154 in Durbach. In weiteren Umlandgemeinden wurden zwischen zehn und 66 Unterschriften gesammelt.

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