Hans Reitter (96) entzifferte den Hinweis

Entdeckt: Die Stadtkapelle ist doch schon 192 Jahre alt

Autor: 
Volker Gegg
Lesezeit 4 Minuten
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10. November 2018
Volker Hering (links) und sein 96-jähriger Opa Hans Reitter beim Studieren der Unterlagen im Stadtarchiv.

Volker Hering (links) und sein 96-jähriger Opa Hans Reitter beim Studieren der Unterlagen im Stadtarchiv. ©Volker Gegg

Dank Opa Hans ist das Geheimnis gelüftet: Die Stadtkapelle Offenburg kann schon im Jahr 2026 ihren 200. Geburtstag feiern, statt erst 2049. Volker Hering, stellvertretender Vorsitzender, hat mit Hilfe seines Großvaters alte Ratsprotokolle gesichtet und ist fündig geworden. Die Stadtkapelle wurde 1826 als Musikkorps des Offenburger Bürgermilitärs gegründet. 

»Jetzt haben wir es schwarz auf weiß, die Geschichte der Stadtkapelle Offenburg muss umgeschrieben werden«, erklärt Volker Hering, stellvertretender Vorsitzender des Orchesters. Bereits 1999 recherchierte der Pädagoge im Stadtarchiv, aber auch in den vereinseigenen Beständen über die Historie der Stadtkapelle. Herausgekommen ist damals eine mehrseitige Festschrift zum 150. Geburtstag. »Aber schon da war ich im Zweifel, ob das Gründungsdatum 1849 überhaupt stimmt.« Ursprünglich war man davon ausgegangen, dass nach den Wirren der Badischen Revolution die Stadtkapelle, wie so viele andere Vereine und Organisationen, Mitte des 19. Jahrhunderts offiziell ins Leben gerufen wurde. »Das war damals eine wahre Gründungswelle. Nicht nur der TV Offenburg wurde gegründet, sondern auch die Feuerwehr oder die Althistorische Narrenzunft«, bemerkt Hering. 

Seit Monaten recherchiert das Vorstandsmitglied wieder im Archiv der Stadt. Zusammen mit dem Vorsitzenden Jess Haberer kam Hering bei seiner intensiven Suche bereits im März dieses Jahres ein gutes Stück weiter. »Wir stießen auf eine Festschrift vom Verlag Alexander Reiff aus dem Jahre 1884 zum 70.-jährigen Bestehen der Stadtkapelle Offenburg«, so Hering weiter. 

Der Entdeckergeist war damit in Hering geweckt, und der Pädagoge suchte weiter. »Allerdings waren in den gedruckten Werken wie dem »Offenburger Wochenblatt« oder im »Alt Offenburger« keine weiteren Hinweise über das Wirken einer städtischen Kapelle zu finden.« 

Museumschef Wolfgang Gall konnte Hering allerdings bei seinen weiteren Nachforschungen weiterhelfen. »Er stellte mir die handgeschriebenen Ratsprotokolle und andere handschriftliche Unterlagen zur Verfügung«, erläutert der Pädagoge. Allerdings – die in Sütterlin verfassten Dokumente waren für das Vorstandsmitglied nur sehr umständlich lesbar. Hering wusste sich aber zu helfen und nahm wie bei seiner  Recherche 1999 seinen 96-jährigen Großvater Hans Reitter mit ins Boot. »Mein Opa kann die alte Handschrift noch prima lesen.« 

Für das Bürgermilitär

Nach Durchsicht der alten Protokolle wurden die beiden tatsächlich fündig. So wurde am 13. Oktober 1826 durch die Großherzoglich Badische Bezirksdirektion die Bildung eines Musikkorps für das Offenburger Bürgermilitär genehmigt. »Und damit haben wir das genaue Gründungsdatum der Stadtkapelle, weil dann schleichend in den Folgejahren das Korps immer öfter als Stadtkapelle bezeichnet wird«, so Hering. 

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Damit konnte die Stadtkapelle Offenburg jüngst bereits ihren 192. Jahrestag feiern. Wer die Stadtkapelle in den Anfangsjahren leitete, wurde in den Protokollen nicht vermerkt, allerdings wurde am 30. September 1836 Rudolf Mößner (Foto) zum Kapellmeister ernannt und kurze Zeit später unter Anhebung der Bezüge in den Offiziersrang befördert. Bis 1846 leitete Mößner die Kapelle, als Dank für seinen Dienst bekam er auf dem Gelände der heutigen Dreifaltigkeitskirche ein Denkmal, welches beim Kirchbau allerdings beseitigt wurde. 

Die Kosten für Ankauf und Unterhalt der Instrumente trug die Stadt. Auch die Uniformen wurden von der Stadt zur Verfügung gestellt. Die anfänglich 31 Musiker hatten sie laut einem Satzungsentwurf daher sehr pfleglich zu unterhalten und nach dem Ausscheiden aus dem Verein auch in gutem Zustand wieder zurückzugeben. Finanziert hat die Stadt übrigens ihr Engagement für die Stadtkapelle durch eingenommene Strafgelder, wie in den Ratsprotokollen nachzulesen ist. 

Eine Jugendausbildung so wie heute gab es damals noch nicht, denn erst ab 20 Jahren konnte man Mitte des 19. Jahrhunderts in die Stadtkapelle eintreten. Welche Uniform damals die Orchestermitglieder anhatten – auch darüber gibt es einen Beitrag des ehemaligen Offenburger Archivleiters Otto Kähni im Jahresband von 1968. 

Uniform ausgeliehen

So haben die Mitglieder der Ranzengarde der heutigen Althistorischen Narrenzunft, 1844 beim Rat angefragt, ob sie nicht benötigte Uniformen des Musikkorps und der Bürgermiliz über die Fasnachtstage ausleihen könnten, heißt es darin. Seither sind die Ranzengardisten in ihrer weiß-blauen Uniform an der Fasent auf der Straße zu sehen. »Und wir wissen ebenfalls, wie unsere ersten Musiker ausgesehen haben«, erklärt Hering. 

Mit seinem Opa wird Hering jedenfalls noch so manchen Vormittag im Stadtarchiv auf Spurensuche gehen müssen, »denn jetzt gilt es noch die Lücken in den fehlenden Jahren zwischen 1826 und dem bisher angenommenen Gründungsjahr 1849 zu erforschen«, sagt Hering und ist gespannt auf weitere Erkenntnisse.

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