Klausern in Unterentersbach

„Es ist halt Brauchtum im Ort“

Autor: 
Inka Kleinke-Bialy
Lesezeit 4 Minuten
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07. Dezember 2021
Ließen am Sonntag das Klausern im coronakonformen Rahmen hochleben: Der „neue“ Nikolaus Jonas Armbruster im Kreise seiner Gesellen.

Ließen am Sonntag das Klausern im coronakonformen Rahmen hochleben: Der „neue“ Nikolaus Jonas Armbruster im Kreise seiner Gesellen. ©Privat

In Unterentersbach lebte am Sonntag die uralte Tradition des Klauserns wieder auf. Der Nikolaus besuchte mit einer wegen Corona abgespeckten Truppe 13 Familien.

Sie brüllen, was das Zeug hält, aus möglichst rauen Kehlen und möglichst furchterregend – zwar sind sie nur zu dritt, doch fast machen sie Lärm für zehn, mindestens. Und das ist gut so. Schließlich soll er wie immer weithin hörbar angekündigt werden: der heilige Mann mit seinem Buch, aus dem er jedem Kind dessen gute und dessen schlechte Taten vorlesen wird. Taten, die es in den vergangenen 12 Monaten begangen hat. Am Sonntag war wieder „Klausern“ in Unterentersbach.

Heulende Töne mischen sich nun in das inbrünstige Brüllen. „Super“, lacht Christian Dumin. Der vollberufstätige IT-ler und zweifache Familienvater ist Ortsvorsteher mit aHerzblut. Entsprechend wichtig war es ihm, dass das „Klausern“ auch in Zeiten der Pandemie stattfinden kann.

Junge Männer

Wie schon im letzten Jahr besteht die durch das Dorf ziehende Mannschaft daher aus einem Quartett, statt wie sonst aus rund zehn bis 15 jungen Männern. Jung müssen sie dem Brauch gemäß sein, von dem niemand weiß, seit wann er eigentlich existiert. Jung – das heißt: mindestens 16 Jahre und bitteschön unverheiratet.
„Das hat sicher etwas damit zu tun, dass man früher nach der Heirat meist auch sehr bald Kinder bekam und dann keine Zeit mehr für das Amt hatte“, meint Christian Dumin. Wenn man jedoch als Single Kinder habe, dürfe man dennoch mitklausern, schmunzelt er dann ob der gewandelten gesellschaftlichen Umstände.

Auch er selbst hat schon den Nikolaus gegeben, bis zum Jahr 2013, da war er 30 Jahre alt. Auf ihn folgte Florian Berger, anschließend Uwe Brosamer, und nun ist es zum ersten Mal Jonas Armbruster. Seit elf Jahren gehört er beim Klausern dazu. „Es ist halt Brauchtum im Ort“, konstatiert er, daher habe er automatisch mitgemacht, als er ins passende Alter gekommen sei.

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Er hat auch traditionsgemäß für einen Ort gesorgt, an dem nicht nur er selbst, sondern auch seine Begleiter sich unbeobachtet herrichten können. Pünktlich um halb fünf Uhr am Nachmittag traten sie dann vor die Tür.
Zwischen 19 und 26 Jahre alt sind die schwarzbemalten Gesellen in diesem Jahr. Deren Gesichter glänzen dank Ruß und Fett in derart tiefem Schwarz, dass das Weiß der Augäpfel geradezu unheimlich leuchtet. Die helle Erscheinung des Nikolaus wird im Gegensatz dazu durch weiße Schminke hervorgehoben.

Ob seiner Premiere aufgeregt ist Jonas Armbruster nach eigenem Bekunden weniger. „Aber gestresst“, sagt er, „weil das Klausern immer mit einem straffen Zeitplan verbunden ist, denn alle Familien möchten recht früh drankommen.“ Bis allerspätestens gegen 21 Uhr will er sie sämtlich besucht haben – dreizehn Familien haben in diesem Jahr für insgesamt 40 Kinder um das Erscheinen des Nikolaus gebeten.

Würdigen Schrittes
Von seinen lärmenden Gesellen umringt zieht der Nikolaus denn auch gleich los. Würdigen Schrittes und in einer Haltung, dass man meinen möchte, er fülle dieses mit einer hohen Verantwortung verbundene Amt seit jeher aus. „Das ergibt sich automatisch, wenn man in das Kostüm schlüpft“, lacht Ex-Nikolaus Christian Dumin aus eigener Erfahrung, „außerdem hat man ja auch über Jahre hinweg erlebt, wie der oder die Vorgänger das gemacht haben.“

Dumin freut sich riesig für seine inzwischen drei und sechs Jahre alten Kinder, wenn die vorweihnachtliche Truppe natürlich auch bei ihm zuhause vorstellig werden wird.

Wegen Corona ohne den Bigg­esel zwar, und natürlich bleibt die Truppe vor der Tür, statt wie üblich ins Haus gebeten zu werden. Aber Hauptsache, diese uralte Tradition lebt.

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