"Lothar" schweißte Waldbauern zusammen

FBG Vorderes Kinzigtal besteht seit 40 Jahren

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11. November 2019

(Bild 1/2) Die Forstbetriebsgemeinschaft Vorderes Kinzigtal (FBG) wurde 1977 gegründet. 20 Jahre später erlebte sie nach dem fürcherlichen Weihnachtsorkan Lothar, der über halb Europa hinweg zog, ihre „Sternstunde“. Innerhalb weniger Minuten waren im Vorderen Kinzigtal rund 500 000 Festmeter Holz wie Streichhölzer geknickt. Diese mussten wie an der B 33 bei Gengenbach gelagert und später vermarktet werden. ©Mittelbadische Presse

Die Forstbetriebsgemeinschaft Vorderes Kinzigtal besteht in diesem Jahr seit 40 Jahren. Ausgerechnet eine Katastrophe im Wald im Jahr 1999 war die Sternstunde der damals schon 20 Jahre alten FBG – der Weihnachtsorkan „Lothar“. Danach zeigte sich, dass Not zusammenschweißt. 

Vielen jungen Menschen ist der Weihnachtsorkan „Lothar“ kein Begriff. Dieses Sturmtief zog von der Biskaya über Frankreich und die Schweiz und tobte am 26. Dezember 1999 auch über dem Schwarzwald. Die stärksten Böen wurden in Deutschland mit 272 km/h auf dem Hohentwiel bei Singen und auf dem bayerischen Wendelstein mit 259 km/h gemessen.

Auf dem Feldberg im Schwarzwald fiel das Windmessgerät der Wetterstation wegen eines Stromausfalls aus, die letzte verwertbare Anzeige war 212 km/h. In Baden-Württemberg fiel das Dreifache des Jahreseinschlags von 30 Millionen Festmetern, hauptsächlich Fichten.

„So makaber es sich anhört, die dunkelste Stunde für die Waldbesitzer wurde zur Sternstunde der FBG, denn es hat sich gezeigt, dass  Not zusammenschweißt und dass man zusammen unglaubliche Leistungen erbringen kann“, erinnert sich Ewald Elsäßer, Direktor des Amts für Waldwirtschaft im Ruhestand. Er hat rund 30 Jahre mit der FBG zusammengearbeitet und diese immer als „forstpolitische Allzweckwaffe“ gesehen, wenn es bei der Landesregierung darum ging, Weichen für den Privat- und Kommunalwald zu stellen.

Zunächst wurde die FBG im Jahr 1979 gegründet, um Fördermittel für Wegebau und Maschinenbeschaffung zu bekommen. Dies hat sich weiterentwickelt mit dem Schwerpunkt Holzvermarktung und Dienstleistung.

Initiator Karl Hoferer

Mann der ersten Stunde war der frühere Bermersbacher Bürgermeister und spätere Ortsvorsteher Karl Hoferer. Er war maßgeblich für die Gründung der FBG verantwortlich. Ihm zur Seite stand der frühere Reichenbacher Bürgermeister und Ortsvorsteher Otto Wußler. Beide hatten enorme Überzeugungsarbeit geleistet, dass man zusammen immer mehr erreicht, als jeder für sich als Einzelkämpfer. 

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Karl Hoferer blieb Vorsitzender bis 1995. In dieser Zeit hat er nicht nur die FBG weiterentwickelt, sondern hat sich auch vielerorts viele Verdienste als Mediator erworben, wenn es darum ging, früher durchaus vorkommende kleinere oder größere Zwistigkeiten zwischen Waldbesitzern zu schlichten.

Ihm folgte von 1995 bis 2007 der damalige Berghauptener Bürgermeister  Hansjörg Bruder, also in jener Zeit, als nach Orkan Lothar die Vermarktung von über 500 000 Festmetern Sturmholz im Gebiet der FBG Vorderes Kinzigtal und die Wiederbewaldung der Sturmflächen zu meistern waren. „Hansjörg Bruder war einer der Väter der Solidargemeinschaft, die vorbildlich für das ganze Land die Sturmschäden bewältigte“, betont Ewald Elsäßer.

Bruder sei es auch zu verdanken, dass sich die Waldservice Ortenau (WSO, Ohlsbach) aus der FBG entwickelte, um das Risiko der hohen Investitionen und Aufwendungen für die Mitglieder der FBG gering zu halten. 2007 folgte der jetzige FBG-Vorsitzende Wilhelm Göppert aus Reichenbach. Ihm zur Seite standen in den ersten Jahren Kurt Weber und Stefan Grimm.

42 000 Hektar Fläche

In den ersten Jahren Göpperts FBG-Amtszeit entwickelte sich parallel die WSO weiter zur einer führenden forstwirtschaftlichen Vereinigung in Baden-Württemberg mit rund 42 000 Hektar Mitgliedsfläche, davon etwa die Hälfte Kommunalwald und 50 Prozent Privatwald (14 FBG und Waldgenossenschaften). 

Hier leistete die Forstbetriebsgemeinschaft Vertrauensarbeit für neue Mitglieder. Auch die Zusammenarbeit mit der FBG Durbach wurde vertieft. Neben dem Alltagsgeschäft hätten sich die FBG und Wilhelm Göppert vor allem als politische Meinungsmacher bei forstlichen Reformen große Verdienste erworben, betont Ewald Elsäßer im Rückblick.

Am Dienstag, 12. November, findet um 20 Uhr im Fußbacher Landgasthof „Rebstock“ die Mitgliederversammlung statt. Hier geht es vor allem um die Lage auf dem Holzmarkt nach den beiden Trockenjahren und die Forstreform der Privatwald-Betreuung.

Hintergrund

FBG und WSO sind Partner

In der Waldwirtschaft spielen die Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Vorderes Kinzigtal und die Waldservice Ortenau (WSO) als Partner eine große Rolle. Das OT erklärt die Aufgaben:
Hauptaufgabe der 1979 gegründeten FBG ist es, die Privatwaldbesitzer zu betreuen, aber auch von Kommunen und Kirchen. Dies beginnt mit Hilfe bei der Neubegründung von Beständen und setzt sich fort bei Durchforstung und Endnutzung. Außerdem werden Fördermittel generiert und Fortbildungen organisiert. Aufgabe der WSO ist es für den gesamten Ortenaukreis, das Holz zu vermarkten, also der Aufbau regionaler wie internationaler Märkte, Wertschöpfung in der Region, Bündelung von Marketing für den Waldbesitz, der Einsatz von Waldarbeitergruppen, Regiearbeit mit ortsansässigen Unternehmern, Dienstleistungsservice, Selbstwerbung im Kommunal- und Privatwald. Gründet wurde sie im Jahr 2002, nach Orkan Lothar. Geschäftsführer ist Kurt Weber, Vorsitzender im Nebenberuf Peter Zink.
FBG und WSO arbeiten in Ohlsbach, Auf der Grün 1, unter einem Dach.

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