Neues Gerätehaus in Oberharmersbach

Feuerwehr nach 150 Jahren unter einem Dach

Autor: 
Karl-August Lehmann
Lesezeit 4 Minuten
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26. März 2020

Offenes Schicksal: Wie es mit dem bisherigen Feuerwehrhaus weitergeht, wird auch von den den Finanzen der Gemeinde abhängen. ©Lehmann-Archiv

Mit dem neuen Feuerwehrgerätehaus endet in Oberharmersbach auch eine 150-jährige Geschichte von Rivalität und Flickwerk. Coronakrise blockiert die Einweihung.

Fast 150 Jahre musste die Freiwillige Feuerwehr Oberharmersbach alt werden, um endlich ein Feuerwehrhaus zu erhalten, das dem Namen auch gerecht wird. In den nächsten Wochen sollte es eingeweiht und der Öffentlichkeit vorgestellt werden – die Corona-Krise hat allerdings auch bei der Feuerwehr die Termine durcheinandergewirbelt.

Bei der Teilung des Reichstals Harmersbach 1812 behielt das Obertal „Feuerspritze samt Gerätschaften und Häuschen“. Letzteres ist der erste Hinweis auf ein Feuerwehrhaus im Harmersbachtal. Groß dürfte es damals wirklich nicht gewesen sein, zumal nur sogenannten „Rotten“ zum Löschen ausrückten. Zur Finanzierung erhob die neue Gemeinde Oberharmersbach ein „Feuereimergeld“, um die Gerätschaften zu finanzieren.

Von einem effektiven Einsatz war man mangels regelmäßiger Übung noch weit entfernt. Abhilfe schuf die badische Regierung erst 1847 mit einer einheitlichen Feuerwehrordnung. So entstanden nach und nach die „Freiwilligen Feuerwehren“.
Zwar gehörte mit der Teilung des Harmersbachtals 1812 in zwei Gemeinden die frühere Rivalität Unter- und Obertal der Vergangenheit an, dafür lieferten sich die Ortsteile Dorf und Riersbach einen vielschichtigen Wettstreit. Vorläufiger Gewinner war Riersbach, wo 1871 zuerst eine Wehr gegründet wurde. 

Heimat im Keller

Die Frage war nur, wo man mit Geräten und Ausrüstung Unterschupf finden könnte. Die Lösung bot sich im dortigen Schulhaus an. Der letzte Reichsvogt, Hansjörg Bruder, ließ 1809 jenes Gebäude errichten, in dem die neu gegründete Riersbacher Feuerwehr 1876 einen Raum zugeteilt bekam. Mehr schlecht als recht, denn den Kellerraum bauten die Feuerwehrleute selbst um. Immerhin fand der 1971 beschaffte Ford Transit Platz. 

Doch an diesem Gebäude bröckelte nicht nur der Putz. Der Schlauchturm verschwand zu Beginn der 1970er- Jahre aus dem Ortsbild. Das Haus fiel 1990 der Spitzhacke zum Opfer. Eine neuen Bleibe fand die Feuerwehr mit ihrem Fahrzeug in einer ehemaligen Kfz-Werkstatt.

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 Im Ortsteil Dorf hatte man zumindest ein „Häuschen“, als 1883 hier ebenfalls eine Freiwillige Feuerwehrabteilung entstand. Zwei Abteilungen waren bei der weit verzweigten Gemeinde mit über 4000 Hektar nicht unbedingt von Nachteil, aber die Verwalung stand jeweils vor der Entscheidung, wer bei Neunanschaffung von Gerätschaften und Ausrüstung den Zuschlag erhalten sollte, was natürlich Rivalität jedes Mal aufs Neue schürte. 

Zwar hatten die Nationalsozialisten 1936 die Zwangsvereinigung verfügt und zwei Jahre später den Vereinscharakter der Feuerwehren aufgehoben, aber die „doppelte Feuerwehr“ wirkte noch Jahre nach. Einschneidende bauliche Veränderungen ergriff die Gemeinde erst Mitte der 1950er-Jahre. Das „Feuerspritzenhaus“, mitten im Dorf gelegen, schien schon längst aus der Zeit gefallen. Weder der bauliche Zustand noch der Platz für die steigenden Anforderungen an die Feuerwehr bezüglich Ausrüstung und Mobilität reichte mehr aus. 

Erstes Einsatzfahrzeug

1956 wurde das Feuerwehrhaus gebaut, um zumindest das Notwendigste unterzubringen. 1962 übernahm die Feuerwehr ihr erstes reguläres Einsatzfahrzeug, ein LF (Borgward). Weitere Fahrzeuge folgten, und der „Borgward-Oldtimer“ musste schließlich seinen angestammten Platz räumen, um den Neuankömmlingen Platz zu machen. 

Ein Feuerwehrhaus im Dorf, eine Unterstellmöglichkeit in Riersbach, keine Mannschafttsräume – das Flickwerk blieb bestehen. Eine Zäsur sollte 1990 die Planung für das Feuerwehrhaus bringen, das beim neuen Sportplatz seinen Standort finden sollte. Die Abstimmung im Gemeinderat kippte das ganze Projekt. Die Suche nach einem Standort und vor allem Platz und Räumlichkeiten – zwischenzeitlich gab es sogar Feuerwehrdamen – die es der Feuerwehr ermöglicht, ihre stets gewachsenen Einsatzanforderungen auch effektiv ausüben zu können, gewannen erst vor einem halben Jahrzehnt konkrete Formen. 

Hin und wieder soll sich die Geschichte wiederholen. Nach langen Jahren des Wartens hat endlich der Ortsteil Riersbach wieder die Nase vorn. Gegenüber der Endstation der Nebenbahn Biberach-Oberharmersbach fand das Feuerwehrhaus nun seinen endgültigen Platz, in der weitläufigen Gemeinde Oberharmersbach sogar etwas günstiger gelegen.

Die neuen Räume fassen nach fast 150 Jahren Oberharmersbacher Feuerwehrgeschichte endlich alles unter einem Dach zusammen: Ausrüstung, Geräte, Fahrzeuge – und der „„Borgward“ wird im neuen Feuerwehrhaus seinen Platz und auch sein verdientes „Gnadenbrot“ erhalten.

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