Offenburg

35-Jährige wegen fahrlässiger Trunkenheit vor Amtsgericht

Autor: 
Franziska Jäger
Lesezeit 3 Minuten
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30. Dezember 2015

Alkohol, Ehekrach, Geschrei – und das alles in einem Porsche: Ein Beziehungsdrama in der Platanenallee hatte ein gerichtliches Nachspiel. Der Ehefrau konnte jedoch keine Trunkenheitsfahrt nachgewiesen werden. ©Ulrich Marx

Eine 35-Jährige war im August mit 1,8 Promille mit ihrem Porsche in Offenburg unterwegs. Sogar einen Unfall soll es gegeben haben. Doch nun, als sich die Angeklagte vor dem Amtsgericht verantworten musste, stellte diese den Tag ganz anders dar.

Fast hätte man meinen können, die Gerichtsverhandlung war völlig unnötig, aber wenn Vorwurf der Staatsanwaltschaft und Aussage des Angeklagten derart auseinanderklaffen, dann bedarf das schon einer peniblen Befragung durch den Richter. Richterin Petra Will fragte sehr oft und sehr genau nach, als die Angeklagte im Amtsgericht vor ihr saß.

Der Vorwurf von Staatsanwalt Bastian Jansen: Am Abend des 30. August soll eine 35-Jährige mit ihrem Porsche in der Platanenallee in Offenburg unterwegs gewesen sein. Bei 1,8 Promille habe sie sich wegen fahrlässiger Trunkenheit im Straßenverkehr strafbar gemacht. Die Frau, die mit ihrem Ehemann eine Spielhalle in der Ortenau betreibt, wollte den Vorwurf so nicht stehenlassen und hatte Einspruch eingelegt.

Für sie sei besagter Tag auf ganz andere Weise »schlimm« verlaufen: Ihr Ehemann, von dem sie momentan getrennt lebt, habe ein zweites Geschäft aufgemacht. Weil sie damit nicht einverstanden war, habe es zunächst Streit gegeben. Dann habe die Frau getrunken. »Nur Sekt«, sagte sie. Wieviel, das wisse sie so genau nicht mehr. »Aber mehr als eine Flasche.«

Nachdem die Eheleute in einem Möbelhaus eingekauft haben, sei der Streit im Auto eskaliert. »Es gab richtig Krach«, so die Angeklagte. »Dann ist er einfach ausgestiegen und abgehauen. Ich war stundenlang alleine im Auto, es war total kalt.« Die Frau betonte immer wieder, dass sie das Auto nicht gefahren, sondern auf dem Beifahrersitz gesessen habe. Richterin Petra Will wollte sich das nur schwer vorstellen, weil den Fotos der Polizei zufolge das Auto durch die Einkäufe »proppenvoll« war. »Am Fußbereich des Beifahrersitzes war alles zugestellt«, sagte Will.
»Ich bin aber nicht gefahren«, wiederholte die Angeklagte. »Die Polizei hat mich provoziert und mir unterstellt, dass ich gefahren bin«, wütete sie. »Aber auf den Polizei­fotos sehe ich, dass eine Seite des Autos ziemlich beschädigt ist«, fuhr Will fort.

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»Herzzerreißend geweint«

»Nicht von mir«, blieb die Frau hartnäckig und ergänzte, der Porsche gehöre der Firma. Eine Zeugin, die beim Gassi­gehen auf die Angeklagte gestoßen ist, habe der Frau helfen wollen. »Die Frau hat herzzerreißend geweint«, sagte sie aus. Außerdem soll die Angeklagte »Ich habe Unfall gemacht« geschrien haben. Nachdem die Angeklagte der Zeugin sagte, dass ihr Handy kaputt sei und sie niemanden anrufen könne, habe die Zeugin die Polizei gerufen.

Ein Polizist sagte aus, die Frau schluchzend auf dem Fahrersitz gesehen zu haben. Zudem sei der vordere rechte Reifen platt gewesen. Der Ehemann der Beschuldigten erzählte, er »habe den Wagen gefahren und ordnungsgemäß geparkt«. Dabei habe er zwar einen Stein gerammt, »ich habe aber niemandem etwas getan«. Nach dem Streit habe er ein Taxi gerufen und sei nach Hause gefahren.

Für Staatsanwalt Bastian Jansen sei es sehr wahrscheinlich, dass die Frau gefahren ist, »jedoch gibt es keine Beweise«. Die Zeugin habe zwar »Ich habe Unfall gemacht« aus dem Mund der Angeklagten gehört, allerdings könne es auch sein, dass die Angeklagte einen Schock hatte. Jansen plädierte daher für einen Freispruch. Dem schloss sich Verteidiger Guntram Lieske (Freiburg) an.

Richterin Will hielt die Aussagen des Ehemannes für nicht plausibel, »weil er die Fahrtstrecke nicht genau beschreiben konnte«. Allerdings habe niemand die Frau fahren sehen. »Ein Restzweifel bleibt bestehen«, sagte Will, nachdem sie die Angeklagte freigesprochen hatte. Diese soll nun entschädigt werden, weil man ihr den Führerschein entzogen hatte.

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